00:00:02: Radio Lotte, Studioliteratur.
00:00:12: Eine Sendung der literarischen Gesellschaft Thüringen.
00:00:23: Vielen Dank, dass ihr heute alle hier seid!
00:00:25: Ich bin Luisa Muhammad – vielleicht ganz kurz zu mir?
00:00:27: Ich komme aus Weimar und ich bin auch Deutsch-Palästinenserin wie Alena.
00:00:32: Und bin in der Kulturbrücke Palästina Thüringern aktiv.
00:00:35: Die Kulturbrücke gibt es seit Jahrzehnten hat sich gegründet Zuge der sogenannten Flüchtlingswelle.
00:00:44: Und wir machen so Integrationsarbeit, aber auch sehr viele kulturelle Sachen unter anderem eben diese Buchlesung und wir freuen uns sehr dass sie heute hier alle zahlreich erschienen sind.
00:00:54: Alina willst du dich selber kurz vorstellen oder wollen wir einfach direkt rein ins buch gehen?
00:00:59: Keine Ahnung.
00:01:00: Was schliegst du vor?
00:01:02: Ja, also ich bin Alena Jabarin und freue mich auch sehr hier zu sein.
00:01:06: Ich habe jetzt noch nicht viel von Weimar gesehen aber was ich gesehen habe war sehr hübsch!
00:01:10: Was soll ich denn jetzt sagen?
00:01:11: Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen.
00:01:12: Ich bin Hamburgerin.
00:01:14: Wohren als Tochter einer deutschen und eines Palästinensers mit israelischer Staatsbürgerschaft Und bin gelernte Journalistin.
00:01:23: Also ich hab viele Jahre für die ARD gearbeitet und bin im Jahr ist es für drei Jahre ins besetzte West-Jordanland gezogen nach Ramallah, wo ich für die Konrad Adenauer Stiftung gearbeitet habe.
00:01:38: Und in diesen drei Jahren habe ich sehr viel erlebt und gesehen und hab dann nach meiner Rückkehr, als ich zurück nach Hamburg gekommen bin und zurück zur ARD angefangen ein Buch zu schreiben über diese drei Jahre.
00:01:51: Das ist das Buch, das ist im Mai bei Ulstein erschienen.
00:01:56: Und ja, ich war jetzt sehr viel unterwegs in vielen deutschen und österreichischen Städten.
00:02:03: Heute zum ersten Mal in Weimar und freue mich sehr hier zu sein!
00:02:07: Vielen Dank, dass du den weiten Weg auf dich genommen hast.
00:02:11: Ich würde vorschlagen wir gehen direkt ins erste Kapitel.
00:02:14: Wir werden am Anfang jetzt Judy lesen.
00:02:16: Das ist ein gutes Einstiegskapitel
00:02:18: Für den Kontext vielleicht.
00:02:21: Ich lese jetzt einen Teil des zweiten Kapitels.
00:02:25: Ich bin so eben, also ich habe nach Ramallah gezogen und habe mir dann ein Auto gekauft in Haifa.
00:02:33: Denn ich brauchte einen Auto mit israelischem Kennzeichen.
00:02:37: Israelische Kennzeigen sind gelb und palästinensische Kennzeichnen sind grün.
00:02:42: Da ich israelische Staatsbürgerin bin durfte ich ein Auto mit Israelischen Kennzeichern fahren was bedeutet dass ich einen ganz anderen Bewegungsradius hatte als die Menschen, die mit einem grünen Kennzeichen unterwegs sind.
00:02:57: Ich hatte also die deutsche Praktikantin Merit aus Bielefeld mit nach Heifer genommen von Ramallah aus.
00:03:04: Wir hatten gemeinsam ein Auto gekauft und wollten dann zurück nach Ramallah fahren.
00:03:12: Einige Stunden später saßen Merit und ich in dem weißen Hyundai i-Thirty den ich auf der Namen Judy getauft hatte Nach dem Verkäufer, einem alten Schulfreund meines Onkels Mit dem gelben israelischen Kennzeichen würde ich nun auf allen Seiten der Mauer und durch Militärcheckpoints fahren dürfen.
00:03:30: Noch wusste ich nicht, wie zentral die Rolle dieses Autos in den kommenden drei Jahren für mich sein würde.
00:03:36: Mein Refugium – wenn ich Emotionen hinausschreien musste.
00:03:40: Mein mobiler Kleiderschrank – wenn die Besatzung mich daran hinderte nach Hause zu fahren!
00:03:45: Der Ort für stundenlange Gespräche mit Farah bei Anis Tee … Wenn die Routine des Westjordanlands uns nachts auf die Straßen
00:03:52: trieb.".
00:03:53: Von Haifa nach Ramallah sind es rund einhundertfünfzig Kilometer.
00:03:57: Die Route zwei verläuft zunächst Richtung Süden am Mittelmeer entlang, das zu unserer rechten Glitzsette.
00:04:03: Bei diesem Anblick und Don't Start Now von Dua Lipa im Radio empfand ich hier zum ersten Mal Frühlingsgefühle.
00:04:11: Wo ich jetzt schon einen Auto habe und wir im Norden sind?
00:04:13: Wollen wir bei meiner Großmutter vorbeifahren?
00:04:16: Klar, sagte Merit!
00:04:18: Seit meiner Ankunft hatte ich City noch nicht
00:04:21: besucht.".
00:04:22: Ich freute mich auf sie, wollte aber vor allem mein schlechtes Gewissen beruhigen.
00:04:26: Wir drehten um und bohgen Richtung Osten ab weg vom Meer in Richtung.
00:04:30: der Hügel Um.
00:04:32: El Fahem ist Teil der sogenannten Triangelregion eine von zahlreichen Städten innerhalb des israelischen Staatsgebiet in denen ausschließlich Palästinenser entleben.
00:04:42: Wenige Minuten vor der Ankunft kam wir an einer Kreuzung zum Stehen.
00:04:47: Das hier ist unser Land.
00:04:49: Von dort bis genau dort und auf der anderen Seite das da, das gehört alles.
00:04:53: uns hatten meine Onkel mir bei früheren Fahrten genau hier gesagt und auf die linke Seite gezeigt.
00:05:00: Dort hatte sich das Dorf meiner Urgroßeltern befunden Alla Joan in mitten eines Thals dessen land als das ertragreichste Land der Region gilt.
00:05:09: Alles wuchs hier von Wassermelonen über Kichererbsen bis hin zu Baumwolle.
00:05:15: Dreihundertdreißig Komma Dreidunam hatte Ur-Opa Sidi Khalil hier besessen und bewirtschaftet.
00:05:21: Das entspricht ungefähr vierundvierzig Fußballfeldern, so haben wir es irgendwann mal ausgerechnet.
00:05:26: Seine Ernte verkaufte er in beträchtlichen Mengen in der Indiegesammte Region Weizen, Gerste, Simpsim, Sesam – er war ein wohlhabender Mann gewesen!
00:05:36: Doch dann kamen nineteenhundertachtundviertzig die Nackbar.
00:05:40: Hunderttausende Palästinenserinnen wurden vertrieben und flohen nach Jordanien, Syrien in den Libanon, das Westjordanland, nach Gaza und an andere Orte.
00:05:48: Und ließen das was sie besaßen zurück.
00:05:51: Israel erließt das sogenannte Absentees Property Law mit dem sämtliches Eigentum der sogenannten Abwesenen zum Eigentuum Abwesener wurde und vom Staat enteignet werden konnte ohne Entschädigung.
00:06:05: Und obwohl Sidi Khalil das Land nicht verlassen hatte und sich in Umefahem nur wenige Kilometer davon entfernt befand, wurde mithilfe anderer Gesetze auch sein Land enteignet.
00:06:16: Und weil Umeefahem innerhalb der Grenzen des neuen Staates Israel lag, wurde Sidi Halil zum israelischen Staatsbürger.
00:06:23: Die Besitzurkunden für sein Land verwarte er so wie die meisten Palästinenserinnen sorgfältig und vererbte sie nach seinem Tod an seine Kinder.
00:06:33: Bis heute sind sie der wertvollste Besitz meiner Familie.
00:06:36: Denn bis heute glauben viele Palästinenserinnen daran, dass es irgendwann Gerechtigkeit geben wird.
00:06:42: Bis dahin scherzen Sie auch über die verlorenen Häuser.
00:06:46: Achadu Hamafrusha sagen die Alten lachend – sie nahmen unsere Häuser möbliert.
00:06:52: und der Kaffee?
00:06:53: Der war noch warm!
00:06:55: Ganz in der Nähe des verlorenden Dorfes Allajon befindet sich das UNESCO-Kulturerbe Mejiddo.
00:07:02: Es ist ein Ort mit historischer und biblischer Bedeutung.
00:07:04: Laut der Johannes-Offen-Bahrung soll hier die letzte Schlacht stattfinden, Armageddon.
00:07:10: Genau da, wo Sidi Khalil I sein Sesam anbaute.
00:07:14: Wenn Touristinnen kommen sehen sie die Überbleibsel der arabischen Häuser nicht.
00:07:18: Ein Pnienwald, der später vor die Ruinen gepflanzt wurde versperrt die Sicht.
00:07:24: Zum ersten Mal fuhr ich die Strecke meiner Kindheit selbst.
00:07:26: Wir bogen nach rechts an McDonalds vorbei, wo die Landschaft Hügelieger wird.
00:07:31: Auf beiden Seiten passierten wir auf Fahrten zu palästinensischen Städten.
00:07:35: Um Mifahem erreichten wir nach zehn Minuten – Die Stadt war gewachsen!
00:07:39: Einkaufszentrum reite sich an Einkaufszentrum.
00:07:42: Auch jüdische Israelis kamen für ihre Großeinkäufe hierher Nur blieben sie in der Regel unten am Stadteingang.
00:07:48: Die Energie der vielen Menschen, Lichter und Geräusche erfasste mich durch das offene Fenster.
00:07:55: Mit Leichtigkeit fand ich das Haus in dem City inzwischen allein wohnte am höchsten Punkt des Berges.
00:08:00: Wir parkten und stiegen den mit jasmine bewachsenen Treppenaufgang hinauf unter dem sich Cities kleiner Garten befand ein Zitronenbaum, ein Grapefruitbaum und ganz viel Minze.
00:08:11: Cities Tür stand wie bei den meisten palästinensischen Häusern offen.
00:08:14: sie war alt geworden.
00:08:16: Inzwischen war sie über neunzig und saß wie damals an ihrem Platz vor der Elektroheizung.
00:08:21: Ihr Gesicht erstrahlte, als sie mich sah.
00:08:23: – Willkommen!
00:08:24: Willkommen, der Schönen, sagte sie mit ihrer krächzigen Stimme.
00:08:27: Ich küste ihre Wangen.
00:08:29: Über ihrer rechten Schulter hing ein langer geflochtener Zopf.
00:08:32: Tante Tahia brachte Tee.
00:08:34: Wir setzten uns.
00:08:35: – Ich werde nicht lange bleiben City aber ich habe mir ein Auto gekauft und wollte dich kurz grüßen.
00:08:42: Ich ließ meinen Blick schweifen, alles stand und hing an seinem alten Platz.
00:08:46: Der Stammbaum die Hochzeitsbilder das Bild des toten Mädchens.
00:08:51: ich bereue noch immer dass sich meinem Großvater nicht mehr Fragen gestellt habe als er noch lebte zum Aufwachsen unter britischer Besatzung seiner Studienzeit in Damaskus und dem Erleben der Nackbar.
00:09:03: doch ich liebte auch die Anekdoten meiner Oma deren blau-silberne Augen vor Freude über meine Anwesenheit leuchteten.
00:09:09: Am liebsten erzählte sie von ihren drei Jahren in der Schule.
00:09:13: Nicht nur das, ihr Vater, Sidi Yousif hatte sogar Geld für den Bau einer Mädchenschule zur Verfügung gestellt.
00:09:19: vor achtzig Jahren keine Selbstverständlichkeit.
00:09:22: und sie wiederholte eine weitere Geschichte ihres Vaters, der gegen die britische Besatzung Palästinas gekämpft hat.
00:09:29: Es hieß als Sidi yousif sich weigerte seine Waffe abzugeben hätten die Briten ihn zur Strafe nackt in ein Kaktusstrauch geworfen.
00:09:37: Meine Urgroßmutter hielt bis zu ihrem Tod an der Geschichte fest, dass sie noch Jahre später Stacheln aus dem Körper ihres Mannes ziehen musste.
00:09:45: City war stolz auf ihren Vater – wer Widerstand leistete, war ein Held.
00:09:50: Bleibt doch!
00:09:51: sagte City wie immer.
00:09:53: So wie ich vermisste sie auch die alten Zeiten das volle Haus als viele ihrer Söhne noch Zuhause lebten, immer jemand kochte, diskutierte im Weg lag und schlief.
00:10:03: Doch alle waren erwachsen geworden, in die Städte gezogen.
00:10:06: So dass Cittys Haus sich nur noch an Feiertagen manchmal an Freitagen füllte.
00:10:12: City wir kommen wieder versprochen!
00:10:14: Ich räumte die Teeglaser auf das Tablett aber wir müssen morgen arbeiten.
00:10:19: ich küsste sie und umarmte meine Tante.
00:10:22: Warte warte rief city Und ging wankend in Richtung eines weißen Wandschranks.
00:10:28: Bring mir eine Flasche da hier.
00:10:30: Meine Tante kam mit einer leeren Spriteflasche aus der Küche, in die City aus einem Fass im Schrank das Olivenöl unserer Bäume fließen ließ.
00:10:38: Der Geruch erfüllte den Raum.
00:10:40: Nimm!
00:10:40: sagte sie erhaben.
00:10:42: Shukran-City!
00:10:43: sagte ich und verließ schweren Herzens das Haus.
00:10:47: Wir fuhren weiter dieses Mal nicht durch die verstopfte Stadt sondern über die von Eichen gesäumte Route Die Hintercitieshaus den Berg hinab auf die Hauptstraße führt.
00:10:56: Von der zwei ging es irgendwann nach links auf die fünf, aber dass wir die sogenannte grüne Linie überquerten offiziell Israel verließen und das West-Jordanland erreicht hatten war nirgendwo ersichtlich.
00:11:08: Also schaute ich auf mein Handy und suchte auf Maps die gestrichelte Linie.
00:11:13: Ich zoomte auf den blauen Punkt der unseren Standort darstellte und beobachtete wie wir das offizielle anerkannte Israel verließen.
00:11:21: Guck mal Meerit!
00:11:22: Wir erreichen das Westjordanland in drei... ...zwei Eins.
00:11:28: Ins Gespräch vertieft merken wir etwa zwanzig Kilometer vor Ramallah, dass unser Tank nahezu leer war.
00:11:35: Wir befanden uns auf einer Landstraße mit vereinzelten Ortschaften.
00:11:38: Den Straßenschildern nach gab es hier einige israelische Siedlungen.
00:11:42: Nach einer Tankstelle sah es hier nirgendwo aus.
00:11:45: Ich versuchte mir, meine leichte Panik nicht anmerken zu lassen als ich Mehret Bad über die App herauszufinden wo die nächste palästinensische Ortschaft ist.
00:11:54: Ich stellte mir vor auf wen wir stoßen könnten wenn wir liegen blieben.
00:11:57: Wenn es Siedler wären sollten wir uns in dem Fall als deutsche Touristinnen ausgeben?
00:12:03: Das Leben zwischen Jörgernfluss und Mittelmeer funktioniert über Coats.
00:12:08: Menschen hier gehören unterschiedlichen Kategorien an Die mit unterschiedlichen Rechten- und Gefahren einhergehen.
00:12:15: Die Kategorien sind festgeschrieben in Dokumenten, die man hat.
00:12:18: Die Namen der Eltern und Großeltern, die auch in den Ausweisen stehen geben schnell einen Aufschluss darüber ob ein Mensch muslimisch oder christlich ist.
00:12:27: Eine Religionszugehörigkeit wird vom Staat festgehalten.
00:12:31: Mein Vater erzählt bis heute wie er nach meiner Geburt an israelischen Pass für mich in Affula beantragte.
00:12:37: als Atheist weigerte Er sich eine Religion für sein Baby an zu geben doch die Frau hinter dem Schalter tat es.
00:12:44: Ich kann die Codes innerhalb von Sekunden entschlüsseln, seitdem ich mit sechzehn in Haifa gelebt habe.
00:12:50: Innerhalb von Sekundenscannerich nach Kreuzen, Davidsternen, Armeeplakaten, arabischen Schriftzügen an Ketten, Symbols an Autospiegeln und Slogans auf T-Shirts.
00:13:00: Menschen tragen sie offen – vielleicht weil viele Israelis und Palästinenser inoptisch nicht voneinander zu unterscheiden sind.
00:13:07: Aber Identität und die sichtbare Zugehörigkeit zu einer Gruppe sind für Sie entscheidend.
00:13:13: Sie können Macht ausdrücken, ein Akt der Selbstbehauptung sein.
00:13:16: Das überlebensichern oder gefährden je nach Kontext.
00:13:20: und so weiß ich das Kopftuch einer Siedlerin von dem eine Muslime zu unterscheiden und kenne die typischen Wollmützen der Hilltop Youth als besonders radikal geltenden Siedlerinnen.
00:13:30: Ich selbst bin wie auch meine Familienmitglieder nicht auf den ersten Blick zu kategorisieren.
00:13:36: Meine Onkel sprechen perfekt hebräisch.
00:13:38: Können sich, solange man nicht die Namen auf ihren Ausweisen sieht als das ausgeben was sie wollen.
00:13:43: Wir können Codes an und ablegen Und so ist es eine Entscheidung ob ich meine Kuffiere zum Schutz trage oder sie zum gleichen Zweck im Handschuhfach verstecke Ob ich laut Arabisch spreche oder vielleicht doch lieber Englisch.
00:13:56: Regelmäßig habe ich erlebt, dass Israelis herzlich auf mich zukamen.
00:13:59: Mich anflörteten und mir Hilfe anboten.
00:14:02: In dem Moment in dem ich mich als Palästinenser zu erkennen gab, geschah etwas in ihren Gesichtern – nicht immer!
00:14:08: Meine Rolle ist weder klar definierbar noch einfach erkennbar.
00:14:12: Und so bekomme ich Einblicke die anderen verborgen bleiben.
00:14:17: Erleichtert erreichten Meerit und ich eine kleine palästinenzische Stadt, Turmus Aya, in die Meerit mich gelutzt
00:14:23: hatte.".
00:14:24: Hier könnten sie uns nun wiederum für Siedlerinnen halten, dachte ich.
00:14:28: Als sich mit den letzten Litern Benzin in meinem israelischen Wagen durch die von Palmen gesäumte Straße einfuhr An prächtigen Willen vorbei sah ich nach einigen Minuten einen Mann vor einem Garagentor arbeiten und wurde langsamer.
00:14:40: Er drehte sich um.
00:14:41: Ich öffnete das Fenster und sagte Salam alaikum.
00:14:45: Nun wusste auch er dass ich Palästinenserin bin.
00:14:48: Waalaikum Salam Wir müssen nach Ramallah und haben kein Benzin mehr.
00:14:53: Könntest du uns sagen, wo sich die nächste Tankstelle befindet?
00:14:56: Tankställe?
00:14:57: Das ist etwas kompliziert.
00:14:59: Er überlegte.
00:15:00: Parkt hier und steigt aus!
00:15:03: Wir gingen gemeinsam zu einem kleinen schwarzen Bus und er bedeutete uns einzusteigen.
00:15:07: Auf der Fahrt aus dem Dorf hinaus flüsterte Meerit.
00:15:10: Wohin fahren wir?
00:15:11: Keine Ahnung Vertrau einfach.
00:15:15: Schweigend fuhr der Mann dessen Namen wir nicht kannten einen Hügel hinauf.
00:15:19: Die Landschaft sah aus, als hätte sich ein grüner Teppich über sie gelegt.
00:15:22: An einem Dorf erreichten wir eine kleine Tankstelle.
00:15:25: Der Mann holte einen Kanister aus dem Kofferraum und füllte ihn mit Benzin während er sich mit einem Mitarbeiter unterhielt.
00:15:31: Hinter ihm war mit einer Schablone das Gesicht eines Shahid auf die Tanksäule gesprüht.
00:15:36: Shahid – Ein Begriff mit vielen Schichten an Bedeutung und Geschichte nennt man im palästinensischen Sprachgebrauch in der Regel Menschen, die im Kontext der israelischen Besatzung ihr Leben verloren haben.
00:15:48: Der Begriff unterscheidet nicht zwischen Militanten und Zivilistinnen, wird auch für christliche und nicht palästinensische Opfer der Besatzung verwendet.
00:15:55: So kann ein während eines Schusswechsels getöteter Palästinser ebenso als Shahid gelten wie eine Frau die aufgrund fehlender medizinischer Versorgung in Gaza gestorben ist.
00:16:05: Die Wortwurzel stammt aus dem Koran und bedeutet Zeugnisablegen.
00:16:09: Wann immer ich in die Augen der Shuhada blickte die mich von allen Mauern und Wänden im Westjordanland anblickten.
00:16:15: Und auch nach ihrem Tod, die Straßen beobachteten aus denen sie kam, fragte ich mich was Sie wohl zuletzt gesehen hatten?
00:16:23: Wer dieser Shahid an der Tanksäule war wusste ich nicht.
00:16:26: Sein Name war verblasst.
00:16:28: Genauso schweigsam wie wir zur Tankstelle gefahren waren fuhren wir zu unserem Auto zurück.
00:16:33: Wir stiegen aus.
00:16:34: Der Mann führte ein gelben Stauch an seine Lippenzog immer wieder daran setzte zwischendurch ab und fühlte so unseren Tank bis der Kanister leer war.
00:16:42: Das ist
00:17:00: für mich persönlich eines meiner Lieblingskapitel, weil ich mich in dem Kapitel in sehr vielen Schichten wieder finde.
00:17:07: Diese Plastikflasche, wo Olivenöl reingefüllt wird.
00:17:11: Immer wenn ich meine Familie besuche in der Westbank nebesetzten, komme ich mit Plastikkflaschen gefüllt mit Magdus, also gefüllte Aubergine, Oliwenöl und alle möglichen wieder und halt auch immer in Sprite flaschen oder Osa Flaschen für Magdús aber auch so dieses Code-Switch'n und dergleiche.
00:17:33: Und ich finde das ist ein Kapitel was sehr gut geeignet ist irgendwie auch so einzuführen in die ganze Sache, vor allen Dingen was Bewegungsfreiräume und dergleichen angeht.
00:17:44: Du hast ja auch gesagt dass für Siedlerinnen die Straße durchgeht Also es keinen sichtbaren Unterschied gab, wann ihr in Israel wart und wann ihr die besetzte Westbank gewechselt habt.
00:17:58: Kannst du darüber irgendwie mehr erzählen wie es so für dich war ob du das jedes mal bewusst wahrgenommen hast oder auch nicht?
00:18:04: Ich weiß in einem Kapitel hast ja auch aus Versehen mit jemanden zusammen sozusagen die Grenze überwunden.
00:18:11: was sind so deine Erfahrungen deinen...
00:18:15: Also ich finde es einfach interessant, vor allem für Menschen die sich nicht so gut auskennen und zum ersten Mal dort hinkommen weil man glaube ich aus Deutschland häufig so diese Vorstellung hat.
00:18:23: Es gibt so zwei Staaten das Israel und das Palestina und dazwischen ist eine Grenze und wenn man dann Israel verlässt steht irgendwie goodbye israel welcome to Palestine und andersrum.
00:18:34: in der Realität ist es halt nicht so weil das besetze West-Jordanland ist ja vollständig von Israel illegal muss man sagen.
00:18:40: besetzt.
00:18:41: das heißt Israel erkennt seine eigenen Grenzen auch nicht an, also es gibt keine festen anerkannten Grenzen.
00:18:47: Das heißt du kannst als ich sage jetzt mal unwissende uninformierte Touristen wenn nun israelisches Kennzeichen hast im Prinzip durch dieses gesamte Land fahren Israel und Palästina ohne überhaupt zu realisieren dass du im besetzten Bestjordanland bist weil es eben keinen Grenzübergang gibt, weil du ganz normal auf bestimmten Highways weiterfahren kannst und weil du auch auf den meisten Hauptstraßen im besetzten West-Jordanland israelische Flaggen sehen wirst.
00:19:19: Und keine palästinensischen Flaggen.
00:19:23: Das trifft zum Beispiel auch auf Ost-Jerusalem zu.
00:19:25: Jerusalem ist ja völkerrechtlich geteilt.
00:19:29: Völkerrechtliche gehört West-Yerusalem zur Israel zum besetzten Westjörrenland.
00:19:35: Aber Jerusalem ist vollständig annektiert von Israel, das heißt obwohl Ost-Jerusalem offiziell zum palästinensischen Gebiet gehört dürfen Palästine in nicht nach Ost Jerusalem.
00:19:47: In dem Haus in dem ich gewohnt habe in Ramallah das war zehn Minuten mit dem Auto der Altstadt Ost Jeruszalems entfernt also von der Al Aqsa und der Grabeskirche vom Damascus Tor.
00:19:59: meine beste Freundin Farah die im gleichen Haus gewohnte hat durfte da nicht hin, also für sie bei dieser Ort der zehn Minuten entfernt ist unerreichbar weil Checkpoints und eine Mauer dazwischen waren.
00:20:12: Und wenn man jetzt als deutscher Tourist nach Jerusalem fährt dann ist man in Ost-Jerusalem und besucht vielleicht die Grabeskirche und wird nicht wissen, wenn man nicht informiert ist dass man sich eigentlich im besetzten auf besetztem palästinensischem Gebiet befindet.
00:20:28: Ich habe das natürlich sehr bewusst wahrgenommen, aber ich hab auch für eine deutsche Stiftung da gearbeitet und also ich hab mich ja mit diesen Themen auseinander gesetzt.
00:20:35: Und habe immer wenn ich mit Leuten unterwegs war auf Google Maps geguckt weil auf Google maps sieht man die gestrichelte Linie diese genannte grüne Linie die die offiziell anerkannte Grenze zwischen Israel und dem besetzten West-Jordanland darstellt und dann siehst du halt nur auf Maps dass du dich gerade eigentlich zwischen also von israel ins besetzte west jordanland oder andersrum bewegt hast, visuell ist es in keinster Weise sichtbar.
00:21:04: Vielleicht ganz kurz dazu was auch daran liegt dass ja immer mehr Siedlungen gebaut werden illegale israelische Siedlung auf besetzten Land und das ist den den Siedlern ja auch sehr angenehm gemacht werden soll ins besetzte West-Jordanland oder auf palästinensisches Gebiet zu ziehen und dadurch haben sie eben auch ihre eigenen Highways die ihre Siedlungen mit israelischem Kernland und auch die Siedlung untereinander verbinden.
00:21:28: Und wenn du diese Straßen benutzt, als Touristin oder Israelin wirst du kaum merken dass du dich eigentlich auf palästinensischen Gebiet befindest.
00:21:39: Vielen Dank ich finde es sehr spannend weil Du hast ja auch erzählt von deinen Onkels und deinen Großeltern die immer gesagt haben Ja und das Land war mal unser Land.
00:21:49: Nee nee sie sagen Das ist
00:21:50: unser Land.
00:21:51: Stimmt genau das ist unser land.
00:21:53: Und die gleichen Geschichten kenne ich auch, dass es heißt so ja da wo die Siedlung ist.
00:21:59: Da waren unsere Mandelbäume.
00:22:01: und ich finde sehr spannend wie trotz das wir durch eine Mauer getrennt sind wir so die gleichen geschichten einfach kennen und haben und der die gleiche Geschichte des Landverlusts sei es jetzt also mit der Nackbar, der Vertreibung der Palästinenser und den Sechzig nach den Sechs Tage Krieg.
00:22:25: Ich glaube das ist etwas was viele Menschen auf dieser Welt vereint die Land besessen haben, was ihnen auf unterschiedlichste Weise genommen wurde und Palästenenser waren ja mehrheitlich auch ein landwirtschaftliches Volk, also mein Urpaar habe ich ja erzählt ganz viel angebaut und das ist ein Bezug zum Land und zur Erde auf der man sich befindet zu den Blumen die dort wachsen, zu den Pflanzen die es dort gibt.
00:22:49: Und das hat ganz viel mit der Identität und der Kultur auch zu tun.
00:22:53: Das sind Geschichten, die bis in die junge Generation weitergehen Also wenn man die älteren Leute auch fragt Die ältere Generationen, die auch vertrieben wurden aus ihren Dörfern Auch mal wegen den Libanon oder nach Syrien und Detail erzählen können, welche Pflanzen in ihrem Dorf gewachsen sind, wonach es Gerochen hat.
00:23:14: Welche Tiere es dort gab?
00:23:15: Welche Bäume ist dort gehabt?
00:23:16: Das ist glaube ich etwas was viele indigene Völker auf dieser Welt wahrscheinlich sehr gut werden nachvollziehen können.
00:23:24: aber es ist auch einfach eine rechtliche und faktische Frage.
00:23:27: also meine Familie hat die Besitzurkunden ihres Landes in der Schublade und die wissen halt ganz genau welcher Teil Dieses Land ist da, wo jetzt ein Kibbutz an der einen Stelle und an einer anderen Stelle ist dann eine Autobahn von wo bis wo das Land meines Urgroßvaters quasi gereicht hat.
00:23:45: Du hast dir dann in der Westbank gesetzt?
00:23:50: Unter anderem warst du in Hebron.
00:23:52: Wir haben als nächstes ein weiteres Kapitel rausgesucht was einfach zeigt
00:23:58: wie
00:24:00: Ungeschützt man ist, also wie unumgänglich auch einfach Gewalt durch Militär und oder auch Siedler ist.
00:24:06: In dem Fall jetzt aber bei dem Kapitel geht es ums Militäre.
00:24:10: Ich würde dich bitten ein Teil aus God Bless Our Home vorzulesen.
00:24:14: Genau ich habe im Frühling- Twenty-Twenty als ich noch relativ neu dort war übernachtet beim meiner Freundin Nur in Hebron.
00:24:23: Hebronn ist die größte palästinensische Stadt im besetzten Westjordanland die auf Arabisch Al-Khalil heißt und es trug sich folgendes zu.
00:24:35: Iftachol, Jeschel Israeli!
00:24:38: schrie eine Männerstimme auf arabisch macht auf die israelische Armee.
00:24:42: etwa vier Wochen waren seit meinem letzten Besuch vergangen.
00:24:46: Es war drei Uhr morgens.
00:24:47: ich war eingeschlafen und lag quer über dem großen Bett des kleinen Gästehauses von Noors Familie als ich durch ein lautes Klopfen in der Nähe geweckt wurde.
00:24:57: Ruckartig setzte ich mich auf, mein Laptop, auf dem ich eine Talkshow geschaut hatte aufgeklappt neben mir.
00:25:02: Ich spürte ein Ziehen in der Brust.
00:25:04: War das ein Scherz?
00:25:06: Freunde von Nursbrüdern?
00:25:08: Klopfen nun auch an meiner Tür!
00:25:10: Ich sprang vom Bett auf, warf mir einen blauen Hoodie über, stolperte zur Leiter, hangelte mich rückwärts hinunter, öffnete die Tür und blickte in den Laufe eines Sturmgewehrs.
00:25:20: Direkt vor mir standen drei Soldatinnen zwei Männer und eine Frau.
00:25:24: In ihren Uniformen und mit den Helmen an den Kameras befestigt waren, wirkten sie wie Science-Fiction Figuren.
00:25:30: Fremdkörper in dem zarten Hölzernen Türrahmen neben der Tür mit den vielen bunten Gläsern.
00:25:37: Ich sah noch ein Hund auf ihrer Kniehöhe als Sie mich an der Schulter packten hinauszerrten und durch die Küche des Anliegenden Familienhauses schließen, in der sich die Töpfe und Teller vom Abend stapelten.
00:25:47: Die Eltern, zwei Brüder und Nur und Hannah befanden sich bereits hier.
00:25:51: Ich nahm irgendwo Platz, blickte auf die Familie und wusste nicht wie ich ihnen in die Augen schauen sollte hatte keine Vorstellung davon was sie dachten ob sie etwas dachten was ich dachte fühlte ob das gerade wirklich geschah.
00:26:07: Ich kannte diese Szenen von zahlreichen Videos.
00:26:09: Sie spielten sich im besetzten West-Jordanland jede Nacht ab.
00:26:12: Ich hatte gelernt dass dies Teil der Besatzungspsychologie war.
00:26:16: Man müsse Präsenz zeigen, hatte ein ehemaliger Soldat mir vor vielen Jahren erzählt.
00:26:21: Niemals dürften sie die Palästinenserinnern sich in ihren Häusern sicher fühlen!
00:26:27: Ich hatte Soldatinnen von meinem Schlafzimmerfenster ausgesehen und war von ihren Motoren geweckt worden.
00:26:33: Doch heute war ich zum ersten Mal selbst im Haus, in das die Armee einfiel.
00:26:37: Ich griff nach meinem Handy doch einen Soldat, forderte alle Telefone ein – ich ärgerte mich sofort gehorcht zu
00:26:43: haben.".
00:26:44: Unendlich viele Soldatinnen so kam es mir vor, wühlten sich durch das Haus, kippten Betten auf die Seite, rissen Schubladen aus Schränken.
00:26:52: Immer wieder trieb man unsere neue Ecken, teilte uns in neuen Gruppen.
00:26:55: der Vater und die Brüder wurden im anderen Raum festgehalten.
00:26:59: Ich beobachtete die Soldatinin.
00:27:01: Keiner von ihnen wirkte älter als zwanzig Lies mein Blick über sie schweifen In dem Versuch ein Augenpaar einfangen festhalten zu können Zu kommunizieren Von Mensch zum Mensch.
00:27:12: Was machst du hier?
00:27:14: Doch ich fand keine Verbindung.
00:27:16: Ein Soldat mit glänzendem braunen Haar und amerikanischem Akzent ignorierte lachend meine Fragen, die Soldaten, die zuvor an meiner Tür gestanden hatte brüllte mich von oben herab an.
00:27:26: Check it!
00:27:27: Ruhe!
00:27:28: Ich hatte versucht ihr ruhig zu erklären das auch ich israelische Staatsbürgerin war – und Deutsche.
00:27:34: Doch in dieser Situation zählte nicht wer ich war woher ich kam welche Pässe ich bei mir trug wieder recht noch moral.
00:27:44: Es zählte nur die Frage, wer das Gewähr mit den tödlichen Kugeln bei sich trug.
00:27:47: Und das war weder ich noch waren es nur und ihre Familie.
00:27:51: Ich wollte schreien und fügte mich.
00:27:54: Nach Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten wurden wir Frauen in den Salon getrieben weiter ausharren.
00:28:00: Mein Atem wurde ruhiger.
00:28:02: Ich kamen einen Modus, den ich aus Ausnahmesituation von mir kannte.
00:28:06: Als verließe ich mein Körper nahm ich jedes noch so kleine Details aus einer Art Vogelperspektive wahr.
00:28:12: Auf einer Etagère lagen Bonbons für die Gäste, auf die palästinensische Familie in jeder Zeit vorbereitet waren.
00:28:18: Ich fragte mich ob sie sich auch auf die Armee vorbereiten?
00:28:22: Schlief man hier jemals nackt?
00:28:25: Im Türrahmen stand ein maskierter Soldat.
00:28:28: ich sah nur seine Augen.
00:28:30: Angst Du musst das hier nicht tun sagte ich plötzlich und versuchte erhaben zu wirken!
00:28:37: Ich weiß von ehemaligen Soldaten wie schrecklich du dich gerade fühlst.
00:28:40: weißt dass du nachts nicht schlafen kannst.
00:28:43: Er fixierte mich, als hielt er sich an meinen Augen fest.
00:28:48: Willst du später deinen Kindern erzählen dass du Frauen mit einer Waffe aus dem Bett getrieben hast?
00:28:52: Meinst Du deine Familie wäre stolz sie was du hier wirklich tust.
00:28:57: Ich weiß nicht warum ich nicht einfach schwieg.
00:29:00: Es gibt eine Organisation die heißt Breaking the Silence.
00:29:04: keine Reaktion.
00:29:06: Kontaktiere Sie!
00:29:07: Sie werden dich verstehen.
00:29:10: Vielleicht verstand er kein Englisch.
00:29:12: Plötzlich stand Nur energisch auf und ging auf den Soldaten zu.
00:29:15: Ich habe Durst, sie sprach Englische.
00:29:18: Er versperrte den Türrahmen.
00:29:19: Sie richtete sich auf Das ist mein Haus Und ich werde jetzt in die Küche gehen und trinken.
00:29:25: Mir war es unangenehm dass sie das tat.
00:29:28: Ich dachte wir sollten uns alle lieber Gehorsam Verhalten.
00:29:32: Ich verstand es noch nicht.
00:29:34: Der Soldat ließ sie vorbei Nur hatte gewonnen.
00:29:39: Die Mutter flüsterte in ihrem Sessel Gewehte.
00:29:45: Sie wusste, dass Gott über alle Zustände herrschte, das er derjenige war, der sie jetzt mit Kraft segnen konnte, während Soldaten die Jünger waren als ihr jüngstes Kind mit ihren Stiefeln über ihren Teppich stampften.
00:29:56: Immer wieder kamen andere Soldaten an die Tür.
00:29:59: Sprachen mit unserem Bewacher bedeuteten ihm schließlich zu gehen.
00:30:02: Rückwärts den Blick weiter auf uns gerichtet entfernte er sich und verschwand um die Ecke.
00:30:07: Nur sprang auf.
00:30:09: Wir verließen den Salon, trafen auf den Vater und einen Sohn, Seen fehlte.
00:30:13: Durch das Küchenfenster sahen wir Soldaten über Soldaten vorbei in Richtung der Treppe gehen die hoch zur Straße führte.
00:30:20: nur öffnete die Tür.
00:30:21: Vorsicht warnte ihre Mutter alles gut sagte nur blieb trotz allem Herrinnen ihrem Zuhause.
00:30:29: Da wurde Seen mit verbundenen Augen an uns vorbei die Treppe hinauf zur Straße geführt.
00:30:34: Weitere Soldaten folgten, die kamen aus allen Ecken gingen rückwärts seitlich alles im Blick.
00:30:39: Die Waffen im Anschlag Hinter den letzten Soldaten wagte nur sich weiter.
00:30:43: nach vorne blickte auf sie die Rückwärz die Treppe hinaufstiegen und rief laut Why are you so scared?
00:30:50: Sie lachte gezwungen.
00:30:52: Pass auf dass du nicht hier vor uns die treppe hinunterfällst.
00:30:54: trieb sie einem soldaten zu.
00:30:57: er legte seine waffe an und zielte auf.
00:31:01: Als die Soldaten aus unserem Blickfeld verschwunden waren, eilte die Familie hinter ihnen her.
00:31:05: Stieg die Treppe hinauf und blieb am Hauseingang stehen.
00:31:08: Ein Militärbus stand auf der Straße.
00:31:10: Am Himmel flog niedrig eine Drohne.
00:31:13: Ruch ruch utrolo!
00:31:15: forderte ein Soldat auf Arabisch mit hebräischem Akzent Die Waffe auf uns gerichtet Geht rein!
00:31:19: Die Familie ignorierte ihn.
00:31:22: Suchte sehen Es knallte.
00:31:24: Ich sprang hinter das Tor zum Haus.
00:31:26: Entspann dich sagte ein Bruder.
00:31:28: Das war nur eine Schockgranate.
00:31:32: Auf Kommando schlossen die Soldat in den gleichzeitig die Wagentüren.
00:31:35: Die Militärkaravane setzte sich in Gang, zwei große Busse zwischen ihnen zwei Militärjeeps und säen irgendwo dort drin mit verbundenen Augen.
00:31:44: Sie würden ihn vor ein Militäergericht bringen – denn für PalästinenserInnen gilt hier Militärecht!
00:31:50: Sie würden ihm tagelang verhören und ihm das Recht verweigern eine Anwalt zu sehen.
00:31:54: Richter- und Staatsanwälte sind israelische Soldaten, Palästenenser entweder Verdächtige oder
00:32:00: Angeklagte.".
00:32:02: Israelische Siedlerinnen kennen diese Militärgerichte in der Regel nicht.
00:32:06: Auch wenn sie in der gleichen Stadt leben wie PalästinenserInnen und das Gleichen verbrechensbeschuldigt werden, gilt für Sie israelisches Zivilrecht.
00:32:14: Militäregerichte haben eine Verurteilungsrate von fast einhundert Prozent.
00:32:19: Stille!
00:32:21: Verloren saßt der Vater an einem Grauen Gewand auf dem Mauervorsprung vor der Tür zu seinem Haus.
00:32:27: Ich vermiete es ihn anzublicken.
00:32:29: Ein Vater, der seinen Sohn nicht beschützen konnte Den Blick gesenkt.
00:32:35: Langsam stiegen wir die Treppen hinab zurück durch die Küche ins Wohnzimmer, ließen uns fallen auf die Haufen von Kleidung und Dokumenten auf den Sofaß.
00:32:44: Woller die armen Soldaten!
00:32:46: sagte plötzlich ein Bruder.
00:32:48: Das Haus war vorher schon so chaotisch.
00:32:49: Die wussten bestimmt gar nicht wo die anderen schon gewühlt haben.
00:32:53: Keine Reaktion.
00:32:55: Wenigstens müssen wir jetzt endlich aufräumen.
00:32:59: Wie soll ich weiter lernen?
00:33:01: Hannas schrille Stimme durchschnitt die Stille.
00:33:04: Jammer, guck was sie mit meinem Zimmer gemacht haben!
00:33:07: Keine Reaktion.
00:33:09: Hannah war Penibel die einzige im Haus die ihr eigenes Zimmer mit ihren eigenen Regeln hatte.
00:33:14: Niemand durfte es ohne ihr Einverständnis betreten.
00:33:17: Jetzt standen alle Schrankteuren offen.
00:33:19: Eine Vase mit weißem Rosen war umgekippt.
00:33:21: das Wasser tropft er auf den Teppich.
00:33:23: Die Matratze war vom Bett gerissen.
00:33:25: God Bless Our Home Stand auf einem Kisten auf dem Boden.
00:33:28: Die Gardine mit den Blauen Stickereien ihrer Großmutter hingen schief am Fenster.
00:33:32: Hannas Lehrbücher lagen auf dem Boden herum.
00:33:36: Medizinische Genetik von Tobias, Connor und Ferguson Smith lag auf einem Haufen eingeknickter Arbeitsblätter.
00:33:44: Als die Soldaten in ihr Zimmer einfielen hatte Hannah für ihre Abschlussprüfungen im Molekulargenetik und genetischer Toxicologie gelernt.
00:33:53: Gut dass die Mädchen heute Nacht nicht da waren sagte die Mutter und blickt es star nach vorn.
00:33:59: Erst vorige Nacht hatten ihre kleinen Enkelin hier übernachtet.
00:34:02: Was wäre passiert, wären sie dabei gewesen?
00:34:07: Die Mutter saß unter dem schiefhängenden Bild ihres Sohnes Seen hielt noch immer strahlend den Daumen in die Kamera.
00:34:14: Nur vier Wochen waren seit seiner Entlassung vergangen.
00:34:18: Die Mutter atmete einmal tief aus Wollte Tee mit Minze oder Saal bei.
00:34:26: Am nächsten Morgen bat ich den Kioskbesitzer von nebenan mir die Aufnahmen seiner Überwachungskamera zu zeigen Ergriff nach der Fernbedienung und spulte zurück.
00:34:35: Da sahen wir auf seinem Fernseher, der hoch oben unter der Decke befestigt war wie die Soldaten das Grundstück betraten.
00:34:42: Ich ließ ihnen immer wieder pausieren um zu zählen.
00:34:45: Genau fünfzig Soldaten Und ein Hund.
00:34:51: Danke gerne.
00:34:55: ich glaube kein Keines weiß nicht ganz das richtige Wort aber kaum ein Kapitel.
00:35:00: was du geschrieben hast nimmt einen so mit in diesen Besatzungsalltag in diese Angst, in dieser Frage auch.
00:35:10: Was mache ich?
00:35:11: Bin ich gehorsam?
00:35:12: Versuche ich meine Wohnung, mein Haus, meinen Recht zu behalten und Herren des Hauses zu bleiben Und finde diesem Kapitel auch sehr spannend wie diese Familie damit umgeht weil es ja nicht das erste Mal ist und weil Sein so kurz nur frei war bis er wieder willkürlich inhaftiert wurde.
00:35:32: Deswegen nicht sehr dankbar dass das heute gelesen wurde.
00:35:36: Vielleicht muss man einmal sagen, das ist ja gerade erwähnt.
00:35:39: Man kennt die Familie an der Stelle schon und im Kapitel vorher erzähle ich wie er entlassen wurde nach einem Jahr.
00:35:48: Ich habe das Kapitel aufgeschrieben nicht weil es zufälligerweise diese spannende Situation miterleben konnte sondern weil es zur Normalität des Besatzungsalltags gehört.
00:36:02: Das zieht sich auch ein bisschen durchs Buch.
00:36:04: Es gibt keine palästinensische Familie, die sowas nicht erlebt hat.
00:36:08: Auch meine Kolleginnen bei der Konrad-Adenau Stiftung... Also es gibt niemanden, der nicht irgendwann mal Soldaten nachts im Schlafzimmer stehen hatte und kaum eine Familie,die nicht mindestens eine Person in administrativhaft hat.
00:36:24: und vielleicht muss ich das noch einmal betonen, auch wenn ich's gerade gelesen habe.
00:36:27: Administrativhaft heißt dass Menschen mitgenommen werden, ohne dass es eine Anklage und ein Prozess gibt.
00:36:35: Das heißt sie können sich juristisch auch nicht dagegen wehren weil sie überhaupt nicht wissen was ihnen vorgeworfen wird.
00:36:41: Und in diesem Zustand sind manche Leute jahrelang In israelischer Gefangenschaft und selbst wenn du das nicht erlebst lebst Du kontinuierlich mit diesem Damokless Schwert über deinem Kopf, dass es jede Sekunde passieren könnte.
00:36:58: Und das war für mich eine sehr interessante Erkenntnis oder ein interessanter Gedanke als Deutsche die dann dort war.
00:37:05: Ich sage mal kurz ich bin Deutsche.
00:37:07: Bin ja sehr deutsch aufgewachsen und sozialisiert und habe in meinem Aufwachsen immer ein sehr starkes Gefühl von Sicherheit in Deutschland empfunden und immer das Gefühl gehabt Dankbarkeit zu empfinden, dafür in einem Rechtsstaat zu leben und Rechte zu haben als Mensch die ich einfordern kann.
00:37:27: Und zu wissen dass wenn dieses Recht mir genommen wird dann kann ich mich beschweren.
00:37:32: und selbst wenn der Polizist mir mein Recht nicht gibt dann beschwere ich mich über diesen Polizisten und gehe vor das Gericht.
00:37:37: und wenn der Richter mir meinen recht nicht gibt eigentlich noch höheres Gericht.
00:37:42: Unter Militärbesatzung gilt das nicht.
00:37:45: da wirst du ausgeliefert.
00:37:47: Das ist ein Palästina-Sons, wahrscheinlich in anderen Zuständen von intermilitär Besatzung ebenso.
00:37:51: Du lebst unter einer der Willkür einer Armee und die kann mit ihr im Prinzip machen was sie will und du bist vollständig schutzlos.
00:38:02: Deswegen fand ich diesen Moment auch so interessant als die Soldaten dann Sehen mitgenommen haben weil die Mutter dann halt nach einem kurzen Ein- und Ausatmen einfach Tee gekocht hat die du wählen kannst.
00:38:17: Palästinenser haben keine Schutzinstanz oder niemanden, bei dem sie sich beschweren können.
00:38:22: Der Vater hat dann zwei drei Tage später glaube ich beim Roten Kreuz nachgefragt.
00:38:26: Die haben dann Listen und sagen dir dann wo dein Kind festgehalten wird Und dann kannst du dich auf eine Liste setzen lassen.
00:38:31: wenn du Glück hast fährt irgendwann ein Bus dahin und Du kannst deinen kind hinter einer Glasscheibe sehen.
00:38:38: und Dann gibt es alle sechs Monate einen Prozess.
00:38:43: aber Es geht Militärrecht für Palästinenserinnen in ihrer Heimat.
00:38:47: Das heißt Richter, habe ich auch gerade gesagt, Richter und Zeugen sind alles Soldaten.
00:38:52: Und dann heißt es entweder nach sechs Monaten du kannst nach Hause gehen.
00:38:56: Du wirst aber auch nicht entschädigt oder in irgendeiner Form kompensiert für das was du durch diese sechs Monate verloren hast.
00:39:02: oder aber es heißt nochmal sechs Monate.
00:39:08: Vielleicht müssen wir alle einmal und auch später heute am Abend und morgen mal darüber nachdenken, was das bedeutet.
00:39:13: Auch für eine Gesellschaft und was es bedeutet für deine Fähigkeit dein Leben zu planen also zu studieren vielleicht zu heiraten etwas aufbauen zu wollen eine Familie gründen zu wollen wenn du nie weißt ob die Soldaten dich heute Nacht mitnehmen und wie lange du dann nicht da sein wirst.
00:39:34: Was ich vielleicht noch ergänzen würde dass auch Kinder in administrativhaft geraten können und auch regelmäßig geraten.
00:39:43: Das ist ja auch noch mal was, was wir uns so in Deutschland gar nicht vorstellen können.
00:39:49: Und dass wir mittlerweile eigentlich alle wissen, dass da psychische gefoltert wird und dergleichen auch oder es halt allein dieser Zustand des Nicht-Wissens, wo man rauskommt, das ist schon eine Tortur.
00:40:07: Woher kommt deine Familie eigentlich?
00:40:08: in Palästine?
00:40:10: Aus der Nähe von Nablus.
00:40:11: Also sind die ursprünglichsten besetzten Westjordan dann?
00:40:14: Ja, also viele haben mich auch häufig gefragt nach dieser Szene wie die Menschen das schaffen dann einfach so weiter zu machen und ich habe darauf nicht so richtig eine Antwort muss ich ganz ehrlich sagen.
00:40:30: Ich glaube es ist auch ein bisschen, häufig wird das auch so ein bisschen romantisiert in der Diaspora.
00:40:35: So diese palästinensische Resilienz.
00:40:37: ich glaube es is einfach auch Alternativlosigkeit.
00:40:41: also ich glaube dass Menschen unter sehr tragischen Umständen und Unrechtumständen gar keine andere Wahl haben, als eben weiterzumachen.
00:40:51: Und das machen die Menschen halt einfach auch.
00:40:53: Sälen war an dieser Stelle zum zweiten Mal festgenommen worden und er ist auch nach dem siebten Oktober noch ein drittes Mal fest genommen worden.
00:40:59: jetzt ist ja gerade wieder frei.
00:41:01: aber wie gesagt das ist etwas was ich sozusagen durchs Buch zieht was viele Charaktere auch erzählen.
00:41:06: mein Vater hat sein Abitur im israelischen Gefängnis gemacht der es mit siebzehn für einen Jahr ins gefängnis gekommen ist erzähle ich am ende Am Ende des Buchs kurz und dreißig das Kurz an, es war sehr ähnlich.
00:41:20: Auch da kam die Soldaten nachts und haben ihn mitgenommen Und er war dann ein Jahr weg und kam dann irgendwann wieder zurück.
00:41:28: Das ist halt mein Onkel hier auf dem Buchcover Heitham der war mit sechzehn Einjahr im Gefängnis.
00:41:37: Ich finde es ganz interessant weil jetzt habe ich auch an einer Stelle im Buch erzählt Ich kenne mich noch daran, als wir Heiferm im Gefängnis besucht haben.
00:41:45: Meine Familie sind ja israelische Staatsbürger und das ist nochmal anders.
00:41:49: Ich war ganz klein – meine Mama ist ja Deutsche – und wir sind dann mit dem Auto zu diesem Gefängnis gefahren um Heifern zu besuchen.
00:41:56: Und ich weiß noch, dass meine Mutter zu mir meinte Wir besuchen jetzt Ankel Heifem im Gefengnis aber er hat nichts Schlimmes getan!
00:42:05: Weil ich natürlich als deutsches Kind ein völlig anderen Bezug zu Gefängnis und Gefangenschaft hatte.
00:42:10: Ich dachte, okay, Gefängniss, Räuber-Hotzenplatz oder diese Ganoven da von Pipi Langstrumpf oder weiß ich nicht was woran man dann denkt?
00:42:20: Also auf jeden Fall wir haben ja in Deutschland wenn wir hören Gefängness und jemand ist in Gefangenschaft, dann gehen wir erst mal davon aus die Person hat etwas Schlimmes gemacht Und politische Gefangesschaft ist etwas völlig anderes Und das habe ich auch häufig gemerkt, dass es bei deutschen Besucher schwer war diesen Switch zu machen.
00:42:39: Weil die immer wieder gesagt haben irgendwas muss diese Person ja gemacht haben.
00:42:44: und genau das hatte ich auch dieses deutsche Mindset, diesen Wunsch das irgendwie zu rationalisieren und irgendeine Art von Logik darin zu verstehen bis meine Freundinnen mir erklärt haben Alena Militärbesatzung ist willkürlich.
00:43:00: Wenn der Soldat sagt, Hüpf auf einem Bein, hüpfst du auf einen Bein?
00:43:04: Das ist einfach so!
00:43:06: Es ist eine Form von Macht die die Besatzung ausüben kann und die sie ausübt.
00:43:12: Eine Form von Dominanz und es ist müßig zu versuchen darin eine Logik erkennen zu wollen.
00:43:20: Ja, das stimmt auf jeden Fall.
00:43:22: Auch wo Checkpoints sind oder sowas – es gibt ja auch Flying-Checkpoints.
00:43:25: auch da ist es ja immer willkürlich bei der Besatzung wann man wo durch kommt und wann eben nicht.
00:43:31: Ich meine gut mit dem gelben Kennzeichen auch teilweise noch mal anders aber ich glaube auch da wenn man nach Ramallah fährt oder in verschiedene Dörfer warst du davon sicherlich auch betroffen mehr als einmal.
00:43:43: Es gibt sehr viel Willkür unter Besatzungen Und diese Willkür sorgt dafür, also es ist einerseits kann man nichts planen.
00:43:50: Sorgt aber auch dafür dass die Menschen lernen sehr flexibel zu werden und das war etwas was ich auf eine absurde Art und Weise auch als schön empfunden habe.
00:44:04: Ich hab mich wahnsinnig sicher und aufgehoben gefühlt weil ich wusste ich lebe in einer Gesellschaft gerade die gelernt hat pragmatisch, spontan und flexibel zu agieren.
00:44:15: Wenn Dinge nicht nach Plan laufen?
00:44:17: Ich bin ja im Januar, zwanzig nach Palästina gezogen und kurz darauf begann die Pandemie.
00:44:24: Und auch wenn jetzt heute rückblickend man vielleicht ein bisschen anders darauf guckt aber damals war das ja gerade am Anfang sehr beängstigend und ich habe diese diese Rede von Merkel irgendwie gesehen Kinder dürfen nicht mehr auf dem Spielplatz und hab gedacht Scheiße Jetzt beginnt hier eine globale Pandemie Und ich bin nicht in Deutschland, wo wir eine gute medizinische Versorgung haben.
00:44:45: Sondern unter Militärbesatzung.
00:44:47: was für ein Scheiß.
00:44:49: und jetzt komme ich nicht mal zurück weil es keine Flüge gibt.
00:44:52: und dann habe ich aber die Videos gesehen aus Deutschland wie die Leute sich die Klopapier Packungen um die Köpfe geschlagen haben und hab auf einmal wirklich gedacht... Nee!
00:45:02: Ich fühle mich eigentlich ganz gut aufgehoben hier.
00:45:07: Nein, das ist wirklich so.
00:45:08: Weil es gab einfach... Genau erstens benutzt man nicht unbedingt Klopapier sondern Wasser und zweitens... Das war aber nicht der Grund Sondern eher dass ich gedacht habe Also es gab während der Intifadas und immer viel Ausgangssperren gerade in den Flüchtlingscamps Und ich kenne diese Geschichten von meinen Freunden Von deren Eltern Wie man dann flexibel sich organisiert hat.
00:45:31: Okay In dem Haus backen die Frauen jetzt
00:45:34: Brot.
00:45:35: Der Abiturient macht jetzt Matheunterricht für alle Kinder aus dem Camp, diese Abiturientin macht Englisch Unterricht.
00:45:42: hier wird eine Klinik entsteht in dieser Wohnung.
00:45:45: Die Leute haben gelernt mit solchen Situation umzugehen und in Deutschland ist es ja oft sehr nett und freundlich bis Dinge aus den Fugen geraten.
00:45:55: das sieht man wenn die Reservierung im Zug ausfallen.
00:45:57: dann ist plötzlich gar nichts mehr civilisiert.
00:45:59: und da habe ich irgendwie gedacht Das Ausnahmesituationen manchmal auch sehr interessante kreative Dinge hervorrufen in Menschen.
00:46:13: Also ich habe immer gewusst, wenn ich hier irgendwo stehen bleibe, stecken bleibe... Ich werde Essen kriegen!
00:46:18: Es
00:46:18: gibt immer jemand der eine Röse findet und es gibt immer einen kennt, der dir nachts um drei noch irgendwie...
00:46:24: Natürlich wie Abdul Hindi mit dem Tank.
00:46:27: Das habe ich auch deswegen erzählt, weil das für mich so sehr beispielhaft war.
00:46:31: Ich kann eigentlich nichts... Ich hab auch Reisen damals organisiert für meine Mitstudenten aus Barcelona.
00:46:37: Wir waren irgendwie sechzehn Leute und ich hatte nie Angst!
00:46:40: Weil ich wusste, wenn das Hotel zu hat in fünf Minuten zehn Leute die ihr Haus aufmachen und uns alle beherbergen und dass ist gar kein Problem.
00:46:49: Und das sind diese eine dieser Ambivalenzen?
00:46:53: die du dort spürst, dass du trotz eines eigentlich kontinuierlichen Zustands der Unsicherheit und der Gewalt dich trotzdem sehr aufgehoben und sicher fühlst.
00:47:05: Ja in deinem Buch schreibst du ja auch viel über diese Liebe zum Land, über diese Verbundenheit.
00:47:10: das haben wir teilweise schon im Chapter Judy gehört den Besitzurkunden das kennt man von oder Kenne ich von Freundinnen oder anderen Menschen, die vertrieben wurden.
00:47:21: Die noch die Schlüssel haben von ihrem alten Haus und dergleichen.
00:47:24: und es zieht sich auch zu der Liebe zum Boden, zu den Pflanzen, die darauf wachsen weiter.
00:47:32: Und sowohl die Besatzungs- und der Alltag da als auch eben diese Resilienz und dieses Bäuerliche und dieses Weitergeben dieser Tradition sei es in dem Fall jetzt Agricultural oder eben auch so.
00:47:48: Stickereien kommen ja in deinem Kapitel Saitouni, also Olive.
00:47:52: Auch vor und dann will ich darüber jetzt den Übergang... ...smooth zu dir machen!
00:47:59: Saitouni.
00:48:00: Also ich bin in Ramallah.
00:48:02: es ist glaube ich immer noch das Jahr zwanzigund bin bei meiner Freundin Bissan.
00:48:10: Alena sag mal hast du schon mal Oliven geerntet?
00:48:13: Als Kleinkind habe ich meinen Großvater begleitet aber sonst nicht.
00:48:16: Dann kommen morgen mit nach Burin.
00:48:18: Es ist Oliven-Saison, die wichtigste Saison in Palästina und Punkt fünf Uhr morgens stand Bissan mit ihrem kleinen blauen Wagen vor meiner Tür.
00:48:27: Ich stieg mit einem vollen Kaffeebecher in der Hand.
00:48:29: dazu Gute Idee bei diesen Straßen.
00:48:31: ein Becher ohne Deckel kommentierte sie.
00:48:34: es ging in Richtung Nablus nach Burín.
00:48:37: Heute lernst du wie wir Palestinianserinnen Oliwen flücken sagte Bissaan möge es gut gehen.
00:48:42: ich öffnete die Tür und kippte die Hälfte meines Cafés aus.
00:48:46: Im Gegensatz zu Bissan hatte ich kaum einen Bezug zur Natur.
00:48:50: Ich war in der Großstadt geboren und aufgewachsen, mit Mühe gelang es mir Balkonpflanzen über einige Monate am Leben zu erhalten.
00:48:55: Dass mein Urgroßvater einst große Länder rein besessen hatte, war für mich eine schöne Vorstellung und eine politische Realität.
00:49:02: Darüber hinaus kannte ich nur die Geschichten meiner Familie.
00:49:05: Mein Urgroßvater Sidi Khalil hatte als wohlhabender Mann Land bei Umefahem gekauft.
00:49:10: Es blieb ihm auch, nachdem sein Dorf Alladjon zerstört und seine threehundertdreißig Komma drei Dunam enteignet worden waren.
00:49:17: Und so hat es Sidi Halil zumindest das Land in Umephahem, dass er pflegen konnte.
00:49:21: jeden Morgen So erzählten es meine Onkel Schlucker mit seinem Stock gegen die Schlafzimmertüren seiner Enkel und forderte sie auf mit ihm aufs land zu kommen.
00:49:29: Es sei schon fast dunkel soll er gerufen haben.
00:49:32: dabei war die Sonne noch nicht einmal aufgegangen.
00:49:34: Mit sechs und neunzig Jahren fiel er von einem Olivenbaum, als er nach einem besonders hohen Zweigriff.
00:49:40: Ab dem Zeitpunkt war er betlägerig und betrübt.
00:49:43: Er rief seine Enkel zu sich an die Bettkante und Bart sie ihm detailliert von den Zuständen und Entwicklungen seiner Oliwen feigen und Kaktusfrüchte zu berichten.
00:49:52: Er starb traurig.
00:49:55: Jede Familie hat tausende solcher Geschichten, erzählte Bissan.
00:49:58: Die Olivensaison ist für uns so wie Weihnachten für euch in Europa.
00:50:02: Alle lieben sie und alle machen mit.
00:50:04: Und wer selbst keine Bäume hat, sucht Familien die Hilfe brauchen!
00:50:08: Bissan hatte über Instagram einen Aufruf gestartet und damit Familien gesucht, die Schwierigkeiten haben ihre Bäume zu erreichen.
00:50:15: So viele haben sich gemeldet Alena, so viele Sie organisierte Gruppen, die in Dörfer fahren und an der Seite der Menschen auf den Feldern arbeiten.
00:50:24: Einige Familien pflücken schnell alles aus Angst, dass die Oliven von Siedlern gestohlen werden.
00:50:29: Andere haben so viele Bäume das die Ernte sehr viel Arbeit erfordert.
00:50:33: Dann bleiben wir manchmal für ein paar Tage.
00:50:36: Auf der rechten Seite passierten wir die Siedlung Beth El.
00:50:39: Links von uns lag das Jalazon-Flüchtlingscamp.
00:50:42: Einmal haben wir eine alten Frau bei der Ernte geholfen, lächelte bis an.
00:50:46: sie hatte nur vier Bäume.
00:50:48: Die gemeinschaftliche Olivenernte war seit Jahren schon mehr als nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit und ein traditionelles Ritual.
00:50:55: Es ging um die Existenz.
00:50:57: Stell dir vor, du hast seit Generation deine Oliwen!
00:51:00: Und auf einmal verläuft die Mauer einmal quer durch dein Hein... ...und um auf die andere Seite zu kommen brauchst Du eine Genehmigung von Militär", sagte Bisan.
00:51:09: Und dann gibt es noch das Problem mit den Siedlern.
00:51:11: Es ist echt schlimm geworden in den letzten Jahren.
00:51:18: Sie attackieren sie fackeln Bäume ab.
00:51:21: Deswegen, je mehr wir sind, desto besser.
00:51:23: In Jerusalem und Hebron stehen Bäume von denen man sagt dass sie Hunderte manchmal tausende Jahre alt sind Und auch in Burin gibt es viele römische Olivenbäume.
00:51:33: Was haben Sie schon alles gesehen?
00:51:35: Die Frage ist eher was sie noch alles sehen werden.
00:51:38: Gutes inschallah Weißt du.
00:51:41: stell dir vor wie lange ein Baum braucht um zu wachsen Jahre Jahrzehnte.
00:51:46: Und weißt Du wie lange Israel dafür braucht einen Baum zu entwurzeln?
00:51:50: Ich meine Wie kann man Bäume entwurzeln?
00:51:55: Eine Filmaufnahme, die ich vor vielen Jahren gesehen habe hat sich bis heute in meiner Erinnerung gebrannt.
00:51:59: Ich zwang mich sie immer und immer wieder anzuschauen in der Hoffnung dass die direkte Konfrontation mit dem was ich sah den Schmerz irgendwann lindern würde.
00:52:07: Die Israelis kommen mit Kettensägen auf ein Feld in Calculia.
00:52:11: Es ist Erntesaison.
00:52:13: Ein orangefarbener Bulldozer kämpft sich über die Erde.
00:52:16: Abu und Um Anuar stehen auf der Veranda eines Hauses auf dem Feld.
00:52:22: Der alte klapprige Mann mit Kufia auf dem Kopf greift nach einem Stein und wirft ihn an Journalisten vorbei in Richtung der Männer mit den Sägen, die den Baum töten wollten, denen seine Ahnen gepflanzt haben.
00:52:33: Als ob er wieder ein Junge ist!
00:52:35: Ein Soldat hebt seinen Stock und versucht den Alten nach hinten zu treiben.
00:52:38: Plötzlich rennt von hinten sein erwachsener Sohn mit weit ausgebreiteten Armen als wollte er fliegen auf die Bäume zu.
00:52:46: Meine Oliven schreit damit kreischender Stimme.
00:52:48: Seetouni jaber, seetounii Als Tanze.
00:52:51: er springt dann nach oben, landet auf den Knien, wirft seine Arme in die Luft, presst seine Stürme auf die Erde.
00:52:57: Meine Olivenvater, meine Oliwen!
00:53:00: Die Soldaten drücken ihn auf den Boden, die Knie auf seinem Rücken halten seine Hände zusammen.
00:53:04: Der Mann ruft jetzt mit ruhigerer Stimme, se tuni jaber, se tu ni, se to ni... ...die Stimme wird tiefer verstummt, er spricht zu sich selbst, zur der Erde unter seiner Stirn.
00:53:18: Ich googelte obwohl die Straßen holprig sind.
00:53:21: Fast eine Million Olivenbäume hat Israel seit Beginn der Besatzung entwurzelt.
00:53:27: Die Siedlungen brauchen ja auch Platz, was denkst du denn?
00:53:29: Und die Mauer und die Checkpoints... ...und die Straßen!
00:53:34: Immer mehr Siedlungen sorgfältig ausgeschildert tauchten links- und rechts von uns auf.
00:53:38: Male Levonar, Shilo Eli Ich machte Fotos von Siedlern, die an Haltestellen und Ampeln standen.
00:53:44: Was für ein Gefühl von Überlegenheit sie uns gegenüber spüren mussten dachte ich.
00:53:49: Ein Schild zeigte zur Ariel-Universität, eine israelische Universität die sich in einer Siedlung befindet.
00:53:56: Weißt du?
00:53:57: Ich kenne kaum einen Namen meiner Siedlungen sagte Bissan.
00:54:00: ich lebe in einem Zustand der Verdrängung sie lachte Lieber beschreibe ich eine Route mit ein tausend Setzen als dass ich den Namen der Siedelungen nenne.
00:54:10: Folgte man Bissaan konnte man glauben sie lebe am aufregendsten Ort der Welt.
00:54:14: Sie ging Klettern schwammen in klaren natürlichen Quellen vor Quart in der Wüste.
00:54:19: Sie zeichnete Palästina an den schönsten Farben und erweckte es so zu neuem Leben.
00:54:24: Hast du nie Angst?
00:54:25: fragte ich, wenn du unterwegs bist?
00:54:28: Nein!
00:54:29: Eigentlich fühl' ich mich nirgendwo so sicher wie in Palästyna, sagte sie.
00:54:33: Aber weißt Du, neuerdings stoßen wir auf meine Wanderung auf bewaffnete Siedler Und die machen mir schon ein mulmiges Gefühl.
00:54:40: Vor ein paar Wochen haben sie mich und meine Freunde an einer Quelle überrascht Und rate wen das Militär weggeschickt hat Die Siedlar oder uns?
00:54:48: Euch natürlich Genau.
00:54:51: Aber solche Geschichten poste ich normalerweise nicht.
00:54:54: Warum?
00:54:55: Ich bin müde davon von diesen Themen Besatzung und Siedler, ich will den Leuten Mut machen aufs Land zu kommen Nicht nur Ausländern auch Palästinensern.
00:55:05: Die Siedlar wollen ja gerade dass wir Angst bekommen und irgendwann gehen.
00:55:08: Deswegen überlege ich mir gut was ich erzähle Und was sich lieber für mich behalte.
00:55:13: Ich musste schmunzeln.
00:55:15: So habe ich das noch nie betrachtet.
00:55:17: Ich mache es genau anders herum.
00:55:19: Ich poste gerade diese Dinge, damit die Leute verstehen was hier abgeht.
00:55:24: Als wir in Burin ankamen war die Ernte bereits im Vollengangel.
00:55:28: Die Familie und zahlreiche HelferInnen, Uni- und Freundinnengruppen standen auf Leitern Und schoben die Oliven auf den Planen zu kleinen Haufen.
00:55:36: Bisan erklärte mir wie man Oliwen erntet und ich war nicht beleidigt dass sie mir unser Land erklärt hat.
00:55:41: Ich war dankbar!
00:55:42: Wir legten los.
00:55:44: Im Gegensatz zur anderen Familienpflückte diese hier ihre Olivens noch per Hand.
00:55:48: Die Mutter, Besitzerin des Landes gab uns Anweisungen.
00:55:51: Sie kannte ihre Bäume am besten!
00:55:53: Der Vater, ein Arabischlehrer mit sanftem Gesicht, trug dabei Gedichte vor die ich selbst nicht verstand Doch ich verstand die Rührung auf den Gesichtern der Pflückenden.
00:56:02: Wenn die Olivenbäume die Hände kennen würden, die sie pflanzen würde ihr Öl zu tränen Schrieb da Ruish.
00:56:10: Ich war nicht die geübteste Olivenflückerin, doch ich versuchte die Arbeit mit Achtsamkeit zu verrichten und mir die Bedeutung dieser Tätigkeit bewusstzumachen.
00:56:17: Bizan sah mit ihrer Kuffier auf dem offenen Haar aus wie eine zum Leben erweckte schwarz-weiß Biografie.
00:56:22: Sie liebte was sie tat – ich beneidete sie um die Verbindung, die sie zu diesem Land
00:56:27: hat.".
00:56:28: Gegen Mittag durchströmte ein köstlicher Duft den Olivenhain.
00:56:31: Die Besitzerin des Landes hatte begonnen, Tabunbrot auf einem Feuer zu backen.
00:56:35: Einige versammelten sich um eine große gusseisene Pfanne und schnitten kiloweise Tomaten für das Aleijet Bandura, dass anschließend Minuten lang in viel Oliwenöl und Zwiebeln vor sich hin köchelte.
00:56:47: Während zwei junge Männer Gesangstexte improvisierten, die alle zum Lachen brachten, pflückten wir bis zum Sonnenuntergang weiter und blendeten aus dass die Siedler, die hinter den Hügeln lebten und regelmäßig in dieses Land einfielen so nah waren.
00:57:02: Alhamdulillah sagte die Mutter heute sind sie nicht gekommen!
00:57:07: Der Duft von Saalbay und Sata drangen durch die Fenster als wir uns zurück auf den Weg nach Ramallah machten.
00:57:12: Ich blickte auf das sanfte Licht über den grünen mit Senf und mon gesprengelten Feldern, dann auf das Gesicht von Bissan.
00:57:18: Die neben ihren zahlreichen Jobs fast jede Woche irgendwo auf diesem Land unterwegs war bis ins letzte Dorf fuhr die Bewohnerin traf und ihn bei ihrer Arbeit zur Hand ging.
00:57:28: Warum machst du das?
00:57:29: fragt ich meine Freundinnen.
00:57:32: Ich liebe unser Land Alena!
00:57:34: Sie blickde nach vorn.
00:57:35: Mein Opa war ein Bauer.
00:57:37: Er hatte unendlich viel Land in Geninen, Oliven Weintrauben, Mandeln.
00:57:41: Ganz früher hat der Wassermelon nach Syrien und in den Libanon exportiert, als es noch keine Grenzen gab.
00:57:47: Und weißt du?
00:57:48: Als mein Vater noch lebte hatte er immer darauf bestanden dass wir am Wochenende mit Sidi auf die Felder gehen.
00:57:53: aber später Nach dem Tod meines Vaters haben meine Onkel Mama und Mich um unser Erbe gebracht.
00:57:59: Ein Teil des Landes hatte Israel bereits gestohlen für eine Siedlung bei Jalama und den Rest, denen haben meine onkel uns genommen Denn ohne meinen Vater war unsere Position geschwächt.
00:58:08: in dieser Gesellschaft verstehst Du Ein Rudel von Straßenhunden versperrte uns den Weg.
00:58:15: Wir sind ein indigenes Volk, Land ist das was wir haben.
00:58:18: doch ich hatte plötzlich keines mehr und dann habe ich Palästina verlassen.
00:58:23: Als sich nach vielen Jahren im Ausland zurückkam war es nicht einfach Alena.
00:58:27: die Leute hier haben viel bei mich geredet weil in ihren Augen kein typisches palästinensisches Mädchen bin.
00:58:33: Ah du bist so eine Ramalla Girl Shorts Reisen Festivals aber sie haben keine ahnung Denn palästinensische Frauen waren immer stark und widerständig.
00:58:43: Ich habe mir die Verbindung zum Land zurückerobert, auch wenn ich kein eigenes Land mehr besitze.
00:58:48: Für mich ist das alles mein Land wie auch immer sie es nennen – all das ändert daran nichts für
00:58:52: mich.".
00:58:54: Die Tüten in unserem Fußraum knistern.
00:58:56: Vor unserer Rückkehr hatten wir der Dorfbevölkerung Granatepfel, Birnen- und Paprika abgekauft.
00:59:02: Mein Vater hat mich zur Furchtlosigkeit erzogen", sagte sie irgendwann.
00:59:06: Er hat mich und meine Brüder jeden Freitag an neue Orte gebracht.
00:59:36: Meine Cousinen heißen Jeanine Heifer und Carmel.
00:59:40: Auch das ist Widerstand, die Töchter nach Dörfern und Städten zu benennen!
00:59:45: Ich erinnerte mich an ein Mädchen aus Köln, dass ich in Cairo kennengelernt hatte – so wie ich war sie Halbpalästinenserin doch kannte sie ihren Vater kaum.
00:59:52: Ihr Name war Anna Falastin was übersetzt?
00:59:55: Ich bin Palästina bedeutet.
00:59:57: Ich musste lächeln als Bisan weiter sprach.
01:00:02: Mein Vater hat gesagt, dass wir uns nie einen Funken Angst erlauben dürfen.
01:00:06: Aber weißt du, was mir doch Angst macht?
01:00:09: Das hier.
01:00:11: Wir passierten eine in der Nacht hell erleuchtete Kreuzung von der aus Ausfahrten zu Siedlungen führten.
01:00:17: Ich fahre und erkenne meine eigenen Straßen nicht wieder.
01:00:20: Orte mit neuen Namen die ich nicht betreten darf Schilder mit einer Schrift, die ich nichts lesen kann.
01:00:25: Guck mal!
01:00:26: Alle Autos um uns herum alles siedler das Gefühl Die Vertrautheit meines Landes zu verlieren mich zu verirren und zu verfahren.
01:00:35: Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.
01:00:38: Aber das ist es was mir Angst macht!
01:00:40: Wir dürfen unser Land nicht allein lassen Alena.
01:00:43: Wir dürfen es nicht.
01:00:47: Vielen vielen Dank.