00:00:02: Im Podcast Studio Literatur, eine Sendung der literarischen Gesellschaft Thüringen.
00:00:20: Ich freue mich sehr über den Gast des heutigen Abends.
00:00:21: Herzlich willkommen bei mal Lukas Riedsch.
00:00:23: Hallo!
00:00:24: Schön dass Sie
00:00:24: da sind hallo.
00:00:31: Sie wissen es natürlich alle das wir heute über dieses Buch sprechen werden von dem ich annehme dass wahrscheinlich schon der ein oder andere gelesen hat vielleicht auch wie ich im Rausch gewissermaßen durchgealt ist.
00:00:41: Wir werden heute natürlich über dieses Buch sprechen, du wirst daraus lesen, während uns auch unterhalten am Ende auch die Möglichkeit für sie vielleicht Fragen zu stellen, vielleicht von dem Leserlebnis.
00:00:50: Vielleicht gibt es ja Themen wo Sie sagen da möchte ich gerne auch noch was dazu sagen und genau das
00:00:56: klingt so als Caves ein Arber.
00:01:00: Weil Du das so hinleitest?
00:01:02: Ja ich glaube dass aber ist die Zeit weil ich glaube ich drei Stunden mit dir über jede Figur sprechen und jedes Kapitel.
00:01:09: Aber es ist auch ein schöner Sommertag und man möchte dann vielleicht auch noch was trinken gehen.
00:01:13: Das stimmt ja auch im Anschluss!
00:01:15: Und wie das so üblich ist, eine kleine Vorstellung von Lukas Riedschel, geboren in der Oberlausitz.
00:01:23: Studium, verschiedene Studienarten und auch im Zittau Kassel.
00:01:26: Und ein Buch was sie vielleicht auch gelesen haben mit der Faust in die Welt schlagen als ich das gelesen habe vor ein paar Jahren.
00:01:32: Ich war wirklich hin- und weg.
00:01:34: also ich komme zwar nicht aus Ostsachsen sondern aus Westsachsen aber ich konnte dahinter jeden zweiten Satz dann Haken machen.
00:01:39: Auch ganz wunderbar Lukas Riedgel malt.
00:01:42: er schreibt Theaterstücke und engagiert sich auch gesellschaftspolitisch Also ist nicht nur in der Öffentlichkeit präsent Sondern macht auch viel so Ja am lokalen, im regionalen.
00:01:54: Wir haben da vorhin schon ein bisschen darüber gesprochen.
00:01:56: und eine Sache die ich wirklich interessant fand dass du in Görlitz wo du ne Zeit lang auch gelebt hast den Netzwerk von Rückkehrern etabliert hast.
00:02:03: Ich weiß gar nicht wo diese Informationen herkommt weil sie nicht richtig ist.
00:02:11: Also gefühlt sind alle die... Na was heißt es?
00:02:15: Alle also Städte wie Görliz ich weiß nicht ob das in Weimar vergleichbar ist Das sind junge Leute einfach Es sind rares Gut und wir ringen um alle, die da sind.
00:02:27: Dass sie nicht gehen.
00:02:28: Ich kann mich daran erinnern in meinem Studiengang damals sind alle wieder weg.
00:02:32: ich hatte eigentlich das große Glück dass am Ende meines Studiums dieser erste Romanen erscheinen konnte und ich damit selbstständig war und eben auch selbständig darüber entscheiden konnte wo ich leben möchte.
00:02:43: Und es ist dann eben Görlitz gewesen wo ich mich einfach sehr wohlfühle.
00:02:48: Es gibt da keinen Freundeskreis, wo man nicht drüber redet.
00:02:50: Wer wann geht?
00:02:51: Wer wie lange bleibt?
00:02:52: Wen es wohin zieht und so weiter... Und deswegen ist allein die Arbeit mit den Leuten, die da leben, schon eine Arbeit für die Stadt und für die Rückkehrenden.
00:03:05: Ganz konkret aber haben wir das dann versucht.
00:03:08: Wir haben die Kunsthalle gegründet in einer alten Videothek mit dem Ziel, die zeitgenössischen Künste des Trelländerecks ein bisschen auch zu vernetzen und sichtbar zu machen.
00:03:18: Denn auch das weiß ich vielleicht dann doch ähnlich zu Weimar.
00:03:23: Görlitz hat es genauso schön – Ich würde sagen noch schöner, aber da müssen Sie mal meinen Lokalpartiotismus nachsehen!
00:03:34: Da herrscht manchmal so eine gewisse Behaarungskraft gegenüber, vielleicht auch dem neuen oder der Moderne.
00:03:39: Da muss man ... Dresden ist es, finde ich, manchmal auch ähnlich... da muss man ganz besonders sagen ne, auch die Gegenwart hat etwas zu bieten!
00:03:46: Es war nicht nur alles besser und schöner in der Vergangenheit und ästhetisch vielleicht anspruchsvoller sondern in der Gegenwart passiert auch ganz viel Reizvolles.
00:03:52: Und das mal sichtbar zu machen, so eine Stadtgesellschaft reinzutragen Das war die Idee und dann entwickelte sich aus diesem Ort heraus eben einfach ein Sogenannter dritter Ort Sprech für außerhalb der Arbeit des Arbeitsortes und das Wohnort ist eine Art Aufenthaltsort zu kreieren.
00:04:09: Jedes Museum, das heute gegründet wurde oder auch Theater verstehen sich als diese dritten Orte also Orte mit Aufentalsqualität und ganz zufällig ist es mir dieser Kunsthalle passiert und vielleicht ist dann irgendwann hat man jemand geschrieben dass ist dann das Treffen für das Netzwerk für die Rückkehrer oder so.
00:04:26: aber das war nie das erklärte Ziel Das ist eingepreist.
00:04:32: Keine Arbeit, sondern Leben vielleicht oder?
00:04:34: Ja genau und Arbeit klingt auch immer gleich so als hätte ich da irgendwie eine Vision.
00:04:40: Ich möchte einfach den Ordern die mich lebe für mich auch lebenswert gestalten und mich einbringen.
00:04:45: das finde es ist für mich so ein Verständnis von Bürgertum also die Stadt in der ich lebe irgendwie etwas mit hinein zu tragen nicht immer nur zu nehmen sondern mich irgendwie auch zu engagieren.
00:04:57: Manchmal macht man es auch zum Selbstzweck, klar.
00:04:59: Also die wir uns da getroffen haben und fehlte das konkret.
00:05:01: Uns fehlten so eine Kunsthalle und fehlt diese Art von gegenwärtiger Kunstbetrachtung also haben wir sie einfach selber gemacht.
00:05:07: Auch das ist das Schöne.
00:05:08: Weimar ist mir nicht so aufgefallen aber in Görlis haben immer noch einen sehr hohen Leerstand einfach resultierend aus diesen Wegzügen Und d. h., es ist in der Theorie leicht Leerstamm zu besetzen.
00:05:20: und nun eine Theorie denn praktisch gehören diese Leerste in den Häusern Niemandem in Görlitz, sondern das sind irgendwelche Investoren die in den Neunzigern kamen.
00:05:29: Man kommt nicht an die Rannen Die sind einmal aufgetaucht haben die haben die Dächer neu gemacht und die Regnerinnen Die Fenster zu und dann warten sie auf irgendeine Wertsteigerung.
00:05:38: Ich weiß nicht wann die eintreten soll Aber der Modus gibt den recht Ja ich ziehe mich sicher gibt's Das ist das ist glaube ich ein sehr klassisches Ostphänomen des Städtebaus nach der Wiedervereinigung
00:05:51: Genau um vielleicht eine super geschickte Brücke zu schlagen zum Buch nämlich zum Ott.
00:05:55: Also weil ihr jetzt von Otten gesprochen hast.
00:05:57: Und Sanditz und alle, die das Buch kennen wissen was ist der Name eines Ottes?
00:06:02: Nämlich einer Kleinstadt in der Oberlausitz wo auch ein größere Teil entscheidender Teil des Buchs spielt.
00:06:11: Es sind fiktive Ort kann man so sagen und da entwickelt sich eine Familiengeschichte über verschiedene Jahrzehnte.
00:06:17: Da sprechen wir über die Zeiten und die Figuren.
00:06:20: aber der Ort dass irgendwie der Ausgangspunkt ist ja nicht glaube ich ohne Grund der Titel des Buches.
00:06:24: Und wie geht man als Auto an so einen Ort ran?
00:06:27: Also baut man sich den Erste zurecht.
00:06:30: Die Geografie, die Straßen oder entwickelt sich der Ort zeitgleich mit dem Schreiben und dem Erfinden der Geschichten und der Biographien?
00:06:37: Also dazu zwei Sachen.
00:06:39: das erste ist es war nie meine Absicht eine Art Stadtpanorama zu schreiben oder so eine Art Ortskronik sondern im Vordergrund standen die einzelnen Figuren mit ihren einzelnen Geschichten die nun mal irgendwo leben da angesiedelt sind und es entwickelt sich eine Geografie über die Menschen, nicht erst mal über den Ort gedacht.
00:07:00: Und dass das Buch jetzt so heiß ist letztlich der Kompromiss mit dem Verlag weil wir keinen anderen Titel gefunden haben.
00:07:06: also ich habe lange Vorschläge gemacht und ich hab immer wieder irgendwas reingeworfen.
00:07:11: und das Problem, was heißt das Problem?
00:07:13: Aber der Nachteil dieser Methode diese multiperspektivischen Erzählweise ist ja, dass vielleicht ein Titel den ich mir ausgedacht habe auf eine Figur total gut passt Aber auf die andere dann wieder nicht.
00:07:25: Und dann kam eben der Verlag und meinte, na ja dann nennen wir das Buch doch einfach Sanditz!
00:07:29: Ich hatte damit lange Zeit ein Problem weil für mich ist es erst mal nur ein Ortsname.
00:07:34: Da drückt sich nichts aus... Da steckt nichts dahinter.
00:07:38: und dann ist es in Münchner Verlag.
00:07:39: Es sind ganz viele Westdeutsche, da klinkt doch was mit!
00:07:43: Da ist doch gleich so ein Raum der sich öffnet.
00:07:45: Für mich öffnete sich da gar nicht.
00:07:48: Das ist einfach nur ein Ortsschild.
00:07:52: Und da war dann der Kompromisse gesagt okay wir nehmen diesen Titel.
00:07:56: ich konnte irgendwann keine besseren Vorschläge.
00:07:59: konnte da niemanden im Verlag überzeugt.
00:08:01: Aber dann war ganz wichtig, dass ich gesagt habe, dann möchte ich aber nicht das auf dem Cover eine Stadt zu sehen ist damit es eben nicht wie eine Ortskronik der Herkunft.
00:08:09: Es gibt ja den ganz tollen Roman Frohburg von
00:08:15: Guntram-Festbar
00:08:16: genau.
00:08:17: Das ist ja genau das!
00:08:18: Das ist eine Geschichte über den Ort eigentlich und es ist vor allem ein... Genau, es ist nur Ortskonik Und das wollte ich nicht.
00:08:25: Deswegen ist es die Sarabe geworden, es hatte dann noch mal inhaltliche Gründe.
00:08:29: Die können
00:08:30: wir auch noch darüber reden?
00:08:31: Aber das war also daher Sanditz und ganz praktisch war es aber für mich wichtig einen Ort zu erfinden weil ich keine Lust mehr hatte dass da irgendjemand sich daran... anstößt, dass das vielleicht nicht so ist wie er seine Erinnerung hat.
00:08:47: Das Problem ist wenn man einen konkreten Ort beschreibt wird es immer jemanden geben der's besser weiß.
00:08:52: So, d.h.
00:08:52: da ist irgendwie selbstwendig einfach nur ich könnte jetzt hier die Weimarer, weiß ich nicht Fußgängerzone beschreiben und dann schreibe ich hera und dann sind also da die Linden oder was auch immer, da würde sofort kommen.
00:09:03: so Da stehen schon lange keine Linden mehr!
00:09:05: Das waren immer schon Pappeln oder sowas.
00:09:09: Und das ist das Problem Weil man über diese Art von Kleinkonflikten total vergisst, dass es eigentlich um die Geschichte geht.
00:09:16: Und ich hatte das ganz konkret bei Raumfahrer.
00:09:19: Das spielt in Kamens.
00:09:20: Da geht's also um den Maler Baselitz und seine Familie.
00:09:24: Ich komme aus Kamens, das heißt für mich war das eine sehr nahe Geschichte, für mich waren das ein sehr naheres Auseinandersetzen mit dieser Familie.
00:09:31: Es war dann so ne Lesung, ich glaube in Dresden oder so... Und ja, voller Saal.
00:09:35: Zwo hundert Leute saßen da und während ich so erzählte wie jetzt hier auch und Lars stand immer jemand auf und stammt da uns und sagt er dann ganz laut ans Publikum gerichtet Guten Abend meine Damen und Herren!
00:09:48: Ich bin der Oberbürgermeister von Carmens und ich denke es ist einerzeit dass ich meine Perspektive auf diesen Roman mal verlautbare und alle schauten sich an und waren so ne es irgendwie nicht der Moment gerade.
00:10:02: Und dann entwickelte sich so ein ganz unangenehmes Gespräch über Fiktion und Realität.
00:10:07: Es ging eben nicht mehr um das Buch, es ging nicht mehr darum, was ich da vielleicht ausdrücken wollte... ...es ging nicht nur um die Literatur, sondern es ging nur noch darum wie sieht die Stadt aus?
00:10:16: Wie habe ich sie beschrieben?
00:10:17: Was ist richtig oder was ist falsch?
00:10:19: Da hatte ich keine Lust drauf!
00:10:20: Ich meine bei Charlotte Ignois auch.
00:10:22: Er kam in Geschulze und sagte, dass stimmt gar nicht, man konnte in den Siebzigeren gar nicht in Dresden, in der Elbe schwimmen usw.. Und was daher oft verwischt ist….
00:10:31: Das kann schon sein, dass Ingo Schulze in den Siebzigern nicht in der Elbe schwammen.
00:10:35: Aber vielleicht hat es ja doch jemand gemacht und das wird dann immer gleich so verallgemeinert.
00:10:39: Und es wird dann auch immer gleich gesagt Nein, das stimmt nicht!
00:10:41: Wir haben das nicht gemacht und so war das nicht.
00:10:45: Was da so oft runterfällt ist, vielleicht war's für dich so nicht.
00:10:49: Und das ist glaube ich was man gerade bei Literatur über den sogenannten Osten Das rutscht manchmal so drunter durch, weil die so oft gelesen werden.
00:10:59: Diese Romane wie so Erklärstücke für die Gegenwart oder für die DDR oder was auch immer.
00:11:03: aber man liest sie ganz selten einfach als eine Geschichte unter vielen als eben ein Stück Literatur.
00:11:11: und dem wollte ich erst mal aus dem Weg gehen und dachte mir nee ich nehme jetzt ne Stadt Ich baue mir diese so wie ich möchte Und klar, erkennt man da Görlitz und Kamens.
00:11:20: Und da erkennt dann überhaupt die Oberlausitz.
00:11:23: Und der erkennt auch ganz viel diese Glasindustrie hoch Richtung Weißwasser usw.
00:11:26: Das ist natürlich alles da aber mir war es wichtig dass sich niemand dran aufhängen kann.
00:11:32: Ich wollte das die Leute sich mit dieser Geschichte auseinandersetzen.
00:11:35: Hörst du noch einen Kapitel über Kassel geschrieben?
00:11:38: Kassel nicht so gut wegkommt.
00:11:39: und eine Regionalzeitung hat dann sehr ausführlich über dein Buch geschrieben.
00:11:42: Und die haben so eine Verteidigungsrede für ihre Stadt dann angehört, weil du eben da ganz konkret Kasseln... Ich wurde
00:11:47: auch daraufhin nach Kassels eingeladen.
00:11:51: So nach dem Motto jetzt muss er mal sagen was eigentlich das Problem ist.
00:11:55: Das ich habe dann auch zugesagt, ich hab lange gelebt
00:11:58: usw.,
00:11:58: das ist ja net gemeint weiß ich auch.
00:12:02: In Kamenz war das was anderes, weil da waren Duktusen ähnlicher von den Bürgermeistern.
00:12:06: Der hat also nicht nur so eine Wiederrede gehalten sondern der hat mich dann auch eingeladen und zwar schon auch mit dem Wortfall ich solle mich mal vor den Kamenzern erklären Und es hatte sowas tribunalhaftes und da hatte ich also allein diese Setzung alleine dieses.
00:12:21: Ich habe mich damals zurechtfertigen Das sehe ich überhaupt nicht.
00:12:25: Da war das in Kasseln Ordnung.
00:12:26: So dass ist ein Teil einer Geschichte so und die HNA diese hessisch niedersächsische Allgemeine Die haben halt auch nicht so viel zu schreiben, das ist okay.
00:12:36: Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt um reinzuhören und deine Sprache, deine Geschichte und ein bisschen was über Sanditz zu erfahren, was das für
00:12:44: ein Wort ist?
00:12:44: Genau!
00:12:45: Es gibt einen Kapitel in dem Sanditz ein bisschen umrissen wird, dass sie einen Eindruck davon bekommen wie das da so aussieht.
00:12:54: Ich muss hier ganz kurz aufmerzen, ich bin ganz dankbar, dass das Buch rechtzeitig ankam, ich habe das im Magdeburg im Literaturhaus liegen lassen und war dann ganz hektisch, ich meine die müsst mir das zuschicken.
00:13:04: Ich brauche es weil klar könnte ich jedes andere buchen.
00:13:08: auch hier sind halt ganz viele so Notizen drin und so Zettelchen und Esels Ohren damit ich weiß was ich lese Und eben auch die Liste der Orte wo ich schon gelesen habe.
00:13:17: also irgendwie wächst mir dieses Buch natürlich auch ans Herz und die waren ganz eifrig dabei mit dem noch Zusammenspiel.
00:13:23: Ich hab's gestern erst von der Post geholt.
00:13:24: Es hat gerade so aufgegangen.
00:13:28: okay Das wollte ich eigentlich erzählen während ich die Seite suche, das habe ich parallel nicht hinbekommen.
00:13:35: Dieses Kapitel heißt der Stein.
00:13:36: Jedes Kapitel im Roman ist überschrieben mit einer Überschrift und außerdem mit einem Ortsnamen oft Sanditz überraschenderweise und einer Zeitangabe.
00:13:48: Das ist für die Orientierung wichtig, kommen wir vielleicht später noch mal dazu weil der Roman ja auch in verschiedenen Zeiten spielt ist jetzt eigentlich auf neunzehn achtund siebzig datiert, aber völlig egal weil Sanditz sich seitdem würde ich jetzt mal behaupten nicht großartig verändert hat.
00:14:06: Den höchsten Punkt der Stadt Sanditz bildete ein erloschener Vulkan.
00:14:12: dieser Hügel wurde Landestron genannt, weil er sich über dem land wie Königliche erhob, protzigt gar in jedem Fall herrschaftlich angesichts der sonst bedauernswert flachen Landschaft.
00:14:24: ringsum Grenzte an die Sande zur Altstadt, wo der Friedhof erst in einer Art Park und dann in Wald überging.
00:14:34: Auf seiner Spitze gab es ein Ausflugslokal und Verwachsenen und Vergessen unter Efeuhr ranken und wild wuchendem Dornengestrüpp den Sockel einer Bismarck-Statur.
00:14:45: Stand man hier oben konnte man Raben fliegen sehen, Reier kreisten am Himmel auf der Suche nach einem Tümpel – bei gutem Wetter ließen sich die blauen Bergspitzen des riesen Gebirges erkennen, irgendwo dort musste auch Rübezahl rastlos seine Runden drehen.
00:15:03: Samann genauer hin entdeckte man von hier oben noch Reste der alten Stadtmauer die Sanditz wie einen Ring umgeben hatte darin der Markt das Rathaus und die Kirche.
00:15:13: außerhalb des Rings wurden die Häuser größer und die Straßen breiter.
00:15:17: Ein Postamt war dort entstanden, gleich im Bahnhofsnähe außerdem ein Café oder ein Hotelsam Gaststätte, ein Krankenhaus, ein Gymnasium eine Bibliothek und einen Invalidenheimen.
00:15:28: Ein zweiter Ring zog sich um die Stadt gebildet durch Fabriken und deren Schornsteine, die weit hinsichtbar in die Landschaft tragten.
00:15:38: Die Sanditzer kamen sich bisweilen vor als würden sie in einer Burg leben.
00:15:44: So eng standen die Schlote wie Türme und Türmchen beieinander, umschlossen die Stadt und trübten den Himmel mit ihren Rauchwolken.
00:15:52: Wäschereien gab es – Färberein, Näherein alle entlang des Flusses der Unweit als Rinsaal aus einem Felsen plätscherte.
00:16:02: Je nach Wochentag färbte sich sein Wasser rötlich oder blau war schaumig oder wie von einem Regenbogen überzogen.
00:16:09: Außerdem gab es eine Glasfabrik Walzwerk, Schmieden eine Brauerei, eine Maschinenfabrik ein Matratzenwerk.
00:16:17: In den sechziger Jahren war ein Landbau-Kombinat entstanden an dessen Fassade im fassaden Fahrtwind der vorbeifahrenden Traktoren rote Fähnchen wehten.
00:16:27: Samann vom Landesdrohnaus durch den Rauch der Schlote hindurch und über die Wipfel des Waldes hinweg konnte man schließlich auch die Bruchkante des Tagebaus entdecken.
00:16:39: Darin unermüdlich graben, schaufelnd, wühlend die dunklen Braunkohle hungrigen Maschinenungeheuer.
00:16:49: Vielleicht war dies der dritte Ring um Sanditz – manche Sanditzer sagten «der Letzte».
00:16:55: Denn ob er sich nun ausbreitete und Sanditz verschlangen wie er zuvor schon kleine Dörfer- und Ortsteile verschlungen hatte oder ob er als Ring um die Stadt Schloss und Sandits seiner Insel in der Kohlegrube machte eine Zukunft!
00:17:10: in der sie noch einmal wachsen und einen weiteren Ring ausbilden würde, war selbst für die Optimistischen oder den Sanditzer Bürgern nicht abzusehen.
00:17:23: So viel zu Sanditz als kleine Ortsbeschreibung.
00:17:26: was noch dazu gehört ist nochmal eigentlich ein Extrakapitel.
00:17:30: es gibt vor Sanditz noch so eine Art Naja, im Roman wird es als eine Art Wurmfortsatz beschrieben.
00:17:37: Also da sind seine Straße ohne Namen.
00:17:39: an der stehen vier Bungalows und das sind so Entschädigungshäuser eigentlich für die, die wegen des Tagebaus umgesiedelt wurden.
00:17:48: Es war ja so dass nicht erst in den neunzigern diese Kohleguben entstanden und man dann um gesiedelt wurde sondern geschah natürlich auch schon während der DDR.
00:17:59: Und so eine Stadt wie Heuerswerda, die Sie vielleicht kennen.
00:18:02: Also diese ganze Kohle-Verstromungsstadt, wenn sie vielleicht haben sich Gundermann mal gesehen.
00:18:07: Eine Stadt, die war vorher ein kleines sorgbisches Dorf, wuchs dann auf fast siebzig Tausend Einwohner ran und das waren eben viele der umgesiedelten aus der eigentlich sorgischen Region.
00:18:18: Die haben also eine Wohnung bekommen mit fließend Wasser.
00:18:22: Das war natürlich ein großer Sprung und einige gibt es auch in Heuarswerdan weiß noch.
00:18:26: An einigen Orten gibt es aber schon auch so kleine Einfamilienhäuser, so Bungalow-Bauten mit dem Wunsch einer wie noch eine Art eigenes Grundstück haben zu wollen.
00:18:36: Und dem wurde auch hier Rechnungen getragen.
00:18:38: also an einer Ausfallstraße von Sanditz liegen diese vier Bungallos ist alle sehr gleich aus und dort lebt... Also du hattest es angesprochen!
00:18:45: Diese Familie Wenzel also mit denen wir mehrheitlich im Roman zu tun haben.
00:18:50: in einem dieser Bungallows liegt Maria die Tochter der Familie mit der Mutter Bungalow.
00:18:56: daneben wohnt die Großmutter mit ihrem Sohn, also quasi dem Onkel von Maria.
00:19:02: So hat sich das ein bisschen aufgeteilt.
00:19:04: es gibt noch Tom.
00:19:04: Das ist der Bruder von Maria wiederum und er lebt aber in Sanditz in einer verweisten WG.
00:19:12: Genau da hast du ja auch schon ein bisschen die Form angesprochen dass es eben multiperspektivisch ist was eben bedeutet viele Figuren oder Blick auf viele Figur geworfen wird das sind immer eher kürzere Kapitel eine Figur am Mittelpunkt steht, wenn Sie über sie erfahren und du springst dann auch zwischen den Zeiten.
00:19:27: Das ist sozusagen nicht chronologisch erzählt dass man eben in den siebzig Jahren anfängt und irgendwann heute landet sondern es springt und das Schöne ist, dass sich dadurch dann Verknüpfungen schaffen.
00:19:35: ja also das natürlich ganz geschickt dramaturgisch dann auch gesetzt.
00:19:39: Man sieht wirklich toll fand, dass du Themen der Gegenwart verhandelst die Trickerpunkte sind also wo man wirklich sich eigentlich bei den Themen eigentlich sich empören müsste oder Prüfen müsste, wie ist denn meine Position dazu?
00:19:53: Wie verhandelst du das und ich das beim Lesen aber überhaupt nicht hatte.
00:19:56: Sondern ich wollte einfach mit den Figuren mitgehen, ich wollte in die Geschichte mitgehen.
00:20:00: Und deswegen würde ich mit dir jetzt gar nicht so sehr über die Themen sprechen sondern gerne lieber über die Figuren und deren Biografien was sich daran eben sehr viel über die Gegenwart erzählt.
00:20:08: Ich glaube dass es auch also insofern ein Missverständnis ist als ginge es da um Themen, sondern ich habe mir eben Zeiten gewählt.
00:20:16: Da ist das die Realität gewesen.
00:20:18: Also dieser Roman auf der Gegenwärts-Ebene spielt eben im Jahr zwothausendundzwanzig, und es war Corona!
00:20:24: Es war unmöglich diesen Virus irgendwie zu entgehen und man konnte in dieser Zeit nicht leben ohne sich damit das Verhältnis zu setzen.
00:20:31: Das heißt aber nicht dass jetzt dieser Text diese Corona-Pandemie so sagen inhaltlich politisch aufarbeitet sondern dass das einfach nur die Folie ist in der das eben spielt Also als eine Art Normalität, die es ja normal war und übrigens genau das Gleiche auch bei den DDR-Kapiteln.
00:20:49: Und das Entscheidende ist bei beiden, dass eben so zu schreiben also ganz praktisch handwerklich, als würde das nicht enden?
00:20:56: Denn wir wissen ja heute, dass beides ein Ende fand!
00:21:00: Wir wissen, dass die DDR einen Ende fand.
00:21:01: Wir wissen wann ziemlich genau, wir wissen sozusagen die neuralgischen Punkte, die dazu führten und wir wissen okay Corona endete Die Figuren in dem Roman wissen das nicht und das ist ganz wichtig dieses Wissen auch für mich im Schreibprozess herzustellen, weil dadurch entsteht eben genau diese Normalitäten.
00:21:17: nur dann wenn die Figuren denken das ist jetzt ihr Alltag.
00:21:22: Das ist Ihr Leben und so war es ja auch bei in dem Fall diesen Menschen, die in der DDR da lebten.
00:21:28: natürlich ging man davon aus dass hält jetzt einfach so an.
00:21:31: Das is halt jetzt das Leben.
00:21:33: Warum sollte dieser Start auf einmal enden?
00:21:37: Und erst wenn man das einmal gesetzt hat, kann man von innen heraus diese Figuren erzählen.
00:21:42: Erst dann ist es möglich, würde ich behaupten dass es um die individuellen Entscheidungen geht, die man eben zu jeder Zeit in jedem Leben fällt und trifft und nicht immer, dass das große vermeintlich bedrohliche Außen diese Figur in ihren Entscheidungen zwingt.
00:22:02: Im Falle von schlechten, anführlichen DDR-Romanen wäre das immer die Stasi als das bedrohliche Äußere.
00:22:08: Die kleinen Entscheidungen bezwingt und man hätte es bei Corona ja auch so machen können.
00:22:12: aber das war überhaupt nicht mein Ansatz.
00:22:14: ich wollte das einfach nur als Gesetz nehmen als eben Normalität Als ein Fortbestand.
00:22:22: Es hat auch eine Kritikerin angemerkt, die immer noch gesagt hat dass sie das Gefühl hat gerade über den Passagen über die DDR Dass es normal wirkt im Sinne Vor- und Nachteile, wie man das benannt.
00:22:34: Die Schatten seien die Lichtseiten als eine Form von Normalität betrachtet werden aber eben nicht dramatisiert.
00:22:41: Ja ich glaube dass das schlechte historische Stoffe erkennbar macht wenn sie um die noralgischen Punkte herum geschrieben sind.
00:22:49: also was heißt es?
00:22:51: wir wissen dass diese DDR endete.
00:22:53: Wir können im nachgang ziemlich genau rekonstruieren.
00:22:56: was führte dazu?
00:22:59: schlechte Texte, die diese Zeit wieder beleben.
00:23:01: Weil es egal welches muss nicht nur für alles übertragbar nimmt dieses kanonisierte Geschichtswissen und baut das dann nachträglich in der Rückschau, in diese Texte hinein.
00:23:14: Und es führt dann zu so ganz schlechten handwerklichen Fehlern wie das dann irgendwo ein Radio läuft mit irgendeiner historischen Ansprache oder irgendwo ein Fernseher läuft oder so dass jetzt die Mauer offen ist oder so'n Zeug damit man halt dadurch authentisch anfangs strichen diese Zeit markiert.
00:23:30: Das muss man glaube ich aber im Gegenteil eher alles rausnehmen um es authentisch erzählen zu können genauso wie ganz praktisch ist.
00:23:37: enorm wichtig ist, dass das Auto ein Auto ist und nicht der Trabi.
00:23:43: Also dass es nicht einen Eigennamen hat denn wir tun das heute genau so!
00:23:47: Wir sagen ja nicht Ja fahr mal den Volkswagen vor oder fahr doch schonmal den Skoda vor sondern wir sagen hol mal das Auto.
00:23:54: und ich glaube, dass man manchmal dazu neigt so überengagiert historisch etwas zu markieren.
00:24:02: Und dabei vergisst es genau diese Markierung eigentlich eine Art von Entzweihung herstellt nämlich genau dadurch wird gesetzt Schau her!
00:24:11: Das ist eine historische Markierung und das zieht mich total raus aus dem Text.
00:24:15: Mir geht es zumindest so.
00:24:16: Ich glaube man muss alles herausnehmen und erst dann wird es eben normal.
00:24:22: Das ist ja auch so ein Phänomen, wie dieses Ost-Tagiewelt in den Neunzigern und auch in den Nullerjahren gewesen.
00:24:26: Dass man sagt halt drei Markennamen aus der DDR und dann sofort machen alle einen Haken dahinter und sagen genau so war es gewesen aber das ist ja nicht authentisch.
00:24:34: also das erzählt ja nichts.
00:24:35: Genau das erzählt nichts und es verschleiert so ein bisschen.
00:24:39: worum's geht nämlich?
00:24:39: in dem Fall geht es um eine Familie die in diesen Kirchenkreisen aktiv war und die dort einfach ihren Alltag verbracht hat zu großen Teilen.
00:24:49: Und wir lernen ja Roland kennen, der am Rande dieses Tagebaus durch diese devastierten Dörfer zieht um dort Baumaterialien eigentlich noch einzusammeln und irgendwie zur Verscherbeln einzutauschen was ohne einzulagern und trifft dort eben Achim.
00:25:04: Er kriegt einen Stein an den Kopf geworfen weil Achim denkt er klaut ihm hier die guten Fliesen weg und so.
00:25:11: Am Anfang denkt er ist ein Wolf.
00:25:13: Dann reden sie darüber, dass es eigentlich keine Wölfe gibt und Achim sagt dann ja das sagen alle bevor Sie einsehen.
00:25:19: Und Achim holt ihn in diese Kirchgemeinde rein.
00:25:24: Das war mir ganz wichtig dieser Art von Mikro-Gesellschaft innerhalb der DDR abzubilden.
00:25:33: Mir ist die sehr bekannt, meine Familie kommt daher.
00:25:35: Meine Eltern haben sich während einer Rüstzeit kennengelernt.
00:25:38: Meine Oma ist bis heute eine sehr engagierte Kirchenmusikerin und spielt also Klavier während des Gottesdienstes in dieser Kirchgemeinde fährt mit ihre Trompete übers Land und ist immer bei irgendwelchen Jubiläen dabei, irgendwelche Diamanten.
00:25:55: in goldenen Hochzeiten steht sie dann da.
00:25:57: Mit der Bläserkruppe oder auch eben sehr oft bei irgendwellchen Beerdigungen.
00:26:01: also ich habe wie oft hab' ich meine Oma die hat mir leider keinen Führerschein.
00:26:04: nachdem mein Opa gestorben war hat sich das nicht hingekriegt dieses Auto zu fahren immer den Rückwärtsgang eingelegt wenn er vorne wollte was die Warte.
00:26:11: diese wird dann so hektisch naja.
00:26:14: Und dann habe ich sie ganz lange Jahre immer zu irgendwelchen Beerdigungen gefahren in irgendwelche Nestern und die standen da mit ihrer Trompete.
00:26:21: Ich sehe mich selber noch mit diesem Koffer, mit diesen Notenstände über irgendwelchem matschigen Ecker laufen damit Sie da manchmal ganz alleine vor so einer Minitrauergemeinte mit zwei oder drei Leuten, damit sie dort Trompetes spielt mit schon so kalten blauen Fingern und so und die das aber mit so eine Liebe macht Mit so ne Zuwendung Und auch da so eine Normalität mit so einer Grundanständigkeit, weil sie immer sagt, das gehört sich.
00:26:48: Das macht man so und finde es ganz toll und das war immer schon da, dass immer Teil meiner Familie und ich dachte jetzt ist vielleicht mein Moment, das in einen Text reinzuholen.
00:26:59: Das hätte in die anderen Bücher gar nicht reingepasst.
00:27:01: Das war noch nicht der Moment.
00:27:03: Da ging's auch immer sehr um mich und meine Familie
00:27:06: usw.,
00:27:07: bekannte Freunde aber... Dieser konkrete Aspekt muss da erst mal draußen bleiben.
00:27:11: Der hatte noch keinen Raum.
00:27:15: Diese Empathie, auch was du jetzt geschildert hast vor zwei Menschen zu spielen um jemanden in der Trauer zu begleiten... Das zieht sich eigentlich durch alle Figuren.
00:27:22: Also selbst Peter Schulte über den wir vielleicht einmal sprechen werden.
00:27:26: Mit dem gehst du empathisch rum also dass du das überträgst ja aufs Lesen.
00:27:32: Man teilt nicht alle Haltungen von den Figuren und Handlungen aber man versteht oder respektiert dann bestimmte Entscheidungen eben.
00:27:40: Für sie auch, die das Buch nicht gelesen haben vielleicht nochmal ganz kurz das Figurendiagramm weil es gibt hier im Buch gibt's zum einen am Anfang... Es gibt
00:27:46: ja so eine Zeichnung mit den beteiligten Figuren und Handlungsorten und ganz hinten noch mal damit man's besser lesen kann gibts jetzt nochmal in so einer digitalisierten Version.
00:27:56: genau Das war eigentlich, ich hab das gezeichnet für den Verlag.
00:28:00: Damit die so eine Handreichung haben und selber wissen worum es hier eigentlich geht und wer hier so beteiligt ist usw.
00:28:07: Und die haben dann kurzerhand entschlossen ins Buch vornherein zu drucken und haben wir aber auch sehr klar zu verstehen gegeben dass kann halt keiner lesen.
00:28:14: also machen was hinten nochmal in Druckschrift Und auch das ist ähnlich wie es angesprochen hatte, diese Kapitelüberschriften des Inhaltsverzeichnis die Orts und Zeitangaben.
00:28:24: Aber alles finde ich sehr wichtig und hilfreich um in diesen Text reinzukommen weil du hast es gesagt dass das erschließt sich erstmal nicht so richtig dass das so springen zwischen den Figuren und den Zeiten sondern man kommt in diesem Text rein und dann ist man bei einer Figur und im nächsten Kapitel ist man beim nächsten.
00:28:41: also jedes Kapitel sind erst mal eine andere Figur Und dann ganz am Ende versteht man, wie das miteinander verwoben ist.
00:28:48: Aber klar kann man da auch mal den Überblick verlieren und nicht jeder hat Zeit ein Buch am Stück zu lesen.
00:28:57: Wir haben ja alle noch einen Alltag und irgendwie eine Erwerbsarbeit und dann muss man abends noch ein Geschirrspüler ausräumen.
00:29:02: Vielleicht will man doch lieber Fußball gucken und dann kann ja so ein Buch auch mal zwei drei Tage mal liegen oder ne Woche dass man nicht reingeblättert hat.
00:29:10: Mir war immer ganz wichtig, wenn man es wieder öffnet Wo bin ich jetzt?
00:29:15: Was ist es für eine Zeit, was ist für ein Ort und wie sind diese Figuren eigentlich verknüpft.
00:29:19: Ich wollte einfach ganz viele Brücken bauen damit niemand aussteigen kann sagen das verstehe ich nicht.
00:29:26: also dieses Argument dass das versteh' ich nicht das lasse überhaupt nicht gelten.
00:29:29: Also das ist inhaltlich.
00:29:32: wenn jemand sagt Das ist so schlecht geschrieben da ist absoluter Rotz so Da gehe ich mit.
00:29:36: dann kann man gerne abbrechen aber Aus Verständnisgründen gibt es keine Argumente.
00:29:42: Das finde ich gut, es gibt ja auch so Bücher wo ich das Gefühl habe.
00:29:44: da ist der Betrachter der Autor den Leser als Feind.
00:29:48: So schwer wie möglich zu machen und hier empfand ich das wirklich als sehr hilfreich gerade am Anfang wieder zurückplättern zu können wer ist denn Maria?
00:29:54: Wo ist Marion?
00:29:55: also gibt drei Generationen große Generationen Eltern Und Kindergeneration ist sozusagen meine Perspektive.
00:30:01: Ja, das ist halt vermessen zu glauben.
00:30:04: Ich kenne diesen Text nun auswendig ja?
00:30:06: Also ich habe den geschrieben aber da kann er nicht davon ausgehen dass andere Leute da ähnlich leicht Zugang zu finden die nur in Anführungsstrichen den Lesen.
00:30:16: Ich empfinde es als eine sehr wichtige Serviceleistung bei Büchern, die das überhaupt auch nicht schmälern.
00:30:23: Wie du sagst ist einfach so ein Mitdenken an die Menschen, die es halt in die Hand nehmen.
00:30:27: Ich wünschte mir das häufiger und da gehört ja übrigens auch dazu... Sie müssen mal drauf achten!
00:30:32: Da ist ja schönerweise noch ein Lesebändchen drin.
00:30:34: ich habe jetzt erfahren dass Surkamp zum Beispiel komplett auf Lesebenchen verzichtet.
00:30:37: Die verlegen keine neuen Bücher mehr mit Lese-Bändchen und das ist einfach frech.
00:30:42: Also da muss man wirklich sagen, Leute so, also so teuer kann das in der Herstellung nicht sein.
00:30:47: Gebt mir doch das scheiß Lesebändchen!
00:30:49: So und ja dann könnte jetzt... Und so kommt würde es sagen naja, da kann man sich auch eine Pappe reinlegen oder ne Fahrkarte oder was auch immer oder einen Eselsohr.
00:30:57: aber ich finde daran merkt man eben wie wird man so behandelt als Konsument?
00:31:03: Ja und da würde ich an dieser Stelle zum Boykott aufrufen.
00:31:07: Ich würde sagen kaufen Sie keine Soekampücher mehr.
00:31:11: Das schreibt man dann hier.
00:31:12: Das
00:31:12: ist schade, der werden tolle Leute verlegt aber sorry das ist doch faul!
00:31:18: Ich mag dass zum Beispiel auch diese Farbe dann noch vom Cover aufgegriffen wird.
00:31:23: also das finde ich die Ästhetik von einem Buch immer auch sehr wichtig.
00:31:26: denn den Umschlag manche machen den Umschlag ab aber es ist alles so eins und...
00:31:29: Da machen sich Leute Gedanken.
00:31:31: Die machen das Hauptbuch nicht.
00:31:35: Ich wollte eigentlich fragen, ob es für dich eine Figur ist die Zentralis.
00:31:38: aber vielleicht kann ich das umünschen.
00:31:40: Vielleicht kannst du ein Auszug lesen wo wir eine Figuren von der Familie Wenzler ein bisschen kennenlernen?
00:31:45: Also zentral weiß ich nicht weil das Buch so angelegt ist dass alle mehr oder weniger zentrale sind weil ja eben alle ihre eigenen und einzelnen Geschichten haben die sich überschneiden.
00:31:55: aber im Grunde genommen könntest du... könntest du diese Kapitel zu den jeweiligen Figuren einzeln nehmen und dann wäre das abgeschlossen als ein kleines Minibuch.
00:32:05: Und ich habe mir jetzt aber einen Kapitel rausgesucht oder vorbereitet, da geht es um Dirk also um den Onkel von Maria & Tom.
00:32:14: der ist im Roman so um die Sechzig würde ich sagen und er lebt eben mit seiner Mutter in einem dieser besagten Bungalows ist da also nie richtig rausgekommen.
00:32:26: Warum erfahren wir alles später noch?
00:32:28: Das muss ich Ihnen gar nicht erzählen, aber es gibt einen Kapitel das heißt die Kameras und da wird so ein bisschen erzählt und deutlich wie die beiden miteinander leben diese Mutter und ihr Sohn beide eben alt geworden.
00:32:46: Das spielt in Sanditz.
00:32:59: Die Stimme aus dem Lautsprecher klingt abgehackt.
00:33:03: Manchmal hat sie ein Echo oder sie schlägt in ein lautes Piepen um, allein deswegen reagiert Erika nicht darauf.
00:33:12: Sie will mit dieser Technik nichts zu tun haben.
00:33:15: Spielzeug das trifft es eher Unnützer teurer Krämpel.
00:33:20: Hallo Mutti!
00:33:21: So viel Öl würde ich aber nicht in die Pfanne tun.
00:33:28: indem sie sonst Milch aufkocht und geht zur Sitzbank.
00:33:31: Auf der Ablage in der Ecke, wo vorher das digitale Thermometer stand ist jetzt diese Kamera aufgestellt.
00:33:39: Wie ein Kosmonaut sieht sie aus mit ihrer Schwenkbahn, Linse- und dem weißen Plastikehäuse.
00:33:44: Sie überlegt ob der Topf passend könnte.
00:33:48: Das würde ich nicht machen an deiner Stelle Doch der müsste passend.
00:33:53: Mühe los.
00:33:54: stülpt sie ihn drüber Ey!
00:33:57: Dürgs Stimme halt unter der Abdeckung wieder.
00:33:59: Das ist verboten, jetzt sehe ich ja gar nicht was du machst Hallo?
00:34:02: Hallo!
00:34:04: Lass mich endlich mit dem Schnulli in Ruhe sagt sie und legt sich auf die Eckbank um unter der Sitzfläche den Stecker zu ziehen.
00:34:12: Sie tastet über den Boden auf dem noch die Kneckebrotgrüme vom Frühstück liegen findet den Kabelstrang und zieht daran zieht fester Und hat kurz Angst die Steckdose aus der Wand zu reißen.
00:34:24: aber so viel Kraft hat sie nicht mehr.
00:34:27: Im Garten des Hauses, im alten Dorf hat sie Schafe zum Baumstumpf gezogen und sie während des Todeskampfes festgehalten.
00:34:36: Eines der Beine zumindest gemeinsam mit den Männern aber immerhin schwer genug so ein wild ausschlagendes Bein zu packen und nicht loszulassen.
00:34:46: Jetzt hat sie Mühe die Töpfe ganz hinten im Schrank nach vorn zu holen.
00:34:51: Sachen werden schwerer wie gelänger auf dem Herd Köchelt das Buttergemüse, die Dunstabzugshaube übertöntes Radio.
00:34:59: Sie bleibt auf der Bank liegen und atmet durch.
00:35:03: Kurz war ihr Schwarz vor Augen.
00:35:05: jetzt sind nur noch einzelne Punkte da, die sich langsam auflösen.
00:35:09: Die Ruhe wird nicht lange halten Das weiß sie.
00:35:12: Dirk's Schritte sind schon im Flur zu hören.
00:35:16: Gerade hätte sie lieber Gesellschaft als Ruhe.
00:35:19: Sie nimmt in Kauf, dass er sie anschreien und sie zurückschreien.
00:35:23: wird es sich hochschaukeln bis einer weint und das Haus verlässt.
00:35:27: So oft sitzen sie neben ihm, sitzt sie neben ihn und beobachtet ihn vom Sessel aus während der Fernseher läuft und weiß nicht was sie sagen soll.
00:35:37: Sie würde sich gern mit ihm unterhalten.
00:35:39: vielleicht fehlt ihr die Geduld ein richtiges Gespräch aufzubauen.
00:35:44: Es ärgert sie, dass auch Dirk keine Energie dafür aufbringen kann sich ihr nicht zuwendet, wenn sie spricht, sie nicht einmal ansieht.
00:35:51: Starr den Kopf Richtung Fernseher richtet.
00:35:54: Manchmal schläft er sogar ein, während sie etwas erzählt.
00:35:58: Es ist so viel einfacher ihm zu provozieren und von ihm angeschrien zu werden.
00:36:04: Ich hab dir tausendmal gesagt du sollst den Stecker nicht rausziehen.
00:36:08: Er kommt in die Küche und knallt die Tür hinter sich zu Und ich habe gesagt Du sollst mich mit deinem Spielzeug in Ruhe lassen.
00:36:17: Jetzt muss ich das wieder neu einrichten, weißt du eigentlich wie lange es gedauert hat?
00:36:20: Ich habe dich nicht darum gebeten.
00:36:22: Das Ding ist nützlich!
00:36:23: Warum siehst Du das nicht ein?
00:36:25: Nützlich gegen deine lange Weile vielleicht hier.
00:36:28: Sie liegt ein Schneidebrett auf dem Tisch darauf eine Zwiebel und einen Messer.
00:36:31: Wenn Du schon mal hier bist kannst Du mir beim schneiden helfen.
00:36:37: Er hat sein Handy Und die Kamera an der Hand.
00:36:39: kurz sieht er auf Eine Sekunde ruht seinen Blick Auf den Utensilien vor ihm... ...das geht jetzt nichts sagt er dann.
00:36:46: Ich muss das neu einstellen, du bist so selber daran Schuld.
00:36:50: Das kannst Du doch auch hier machen", sagt sie.
00:36:52: Drüben ist das Internet besser!
00:36:55: Sie unternimmt keinen weiteren Versuch ihn in der Küche zu halten und nickt.
00:37:01: Stumm beobachtet sie wie er an ihr vorbei um den Tisch geht und wieder im Wohnzimmer verschwindet.
00:37:08: Im ganzen Haus hat er diese Kameras installiert die er über sein Handy steuern kann.
00:37:14: Dann liegt er auf dem Sofa und schaltet von Zimmer zu Zimmer und weiter zum Keller.
00:37:18: Und wenn er sie irgendwo entdeckt, ruft er ihr etwas zu, dass sie dies oder jenes mitbringen solle oder einfach nur.
00:37:26: Hallo Mutti ich seh dich Zu ihrer Sicherheit.
00:37:32: sagt er habe er die Kameras angebracht.
00:37:35: So könne er sie sehen vom Einkaufen aus auch während er im Garten oder nebenan bei Maria sei.
00:37:42: Sollte sie etwas benötigen, könne sie einfach ins Mikrofon sprechen.
00:37:47: Aber ich kann dich doch auch anrufen!
00:37:51: Da fiel ihm so schnell kein Gegenargument ein.
00:37:55: Sie weiß so gut wie er, dass das ein Zeitvertreib ist... Sein eigenes Zimmer hat er bis zum Anschlag mit Technik gefüllt, nun ist der Rest des Hauses dran.
00:38:04: Wie e-Feuranken breiten sich die Kabel aus!
00:38:07: Ein großen Fernseher hat er und zwei Beamer ein Kinolautsprechersystem Abspielgeräte für CDs DVDs Blu-rays und Schallplattenhändis Der letzten zwanzig Jahre Zwei Konsolen Und so geht das immer weiter.
00:38:22: Zweimal ist Er Mit seiner Drohne über Das Haus Geflogen.
00:38:25: Seitdem ruht sie im Keller in seinem Technikregal, überwacht von zwei Kameras.
00:38:32: So ging das los – dort waren sie zuerst!
00:38:36: Sie dreht das Radio ein wenig lauter und kippt es Fenster an.
00:38:40: Die Luft ist kalt und kühlt ihre vom Gasherd warm Finger.
00:38:45: Auch heute hat sie sich einen Stuhl neben die Arbeitsplatte gestellt Und rührt von dort das Soßenpulver einsitzt und rührt.
00:38:53: In letzter Zeit fragt sie sich häufiger was einmal werden soll wenn sie nicht mehr da ist.
00:39:00: Sie hat ihre Zweifel daran, dass Dirk allein zurechtkommt.
00:39:03: zum Essen könnte er rüber zu Marion gehen.
00:39:05: das könnte schon funktionieren ja aber dafür müsste er das Haus verlassen.
00:39:09: er müsste aufstehen sich waschen und anziehen oder zumindest die Tabletten nehmen eine die ihn hoch fährt und eine andere die ihn runterfährt.
00:39:18: wie oft hat sie aus dem Fenster geschaut weil sie sich über das anhaltende Geräusch des Rasenmeers wunderte Dass nicht lauter oder leiser wurde, sich nicht nach links- oder rechts verlagerte?
00:39:29: und dann hat sie Dirk gesehen.
00:39:32: Der sich am Griff festhielt aber daneben saß – reglos in die Ferne starte.
00:39:37: Sie sagte «Komm rein, Dirk!
00:39:40: Ist doch gut, mach morgen den Rest».
00:39:43: Ich schaff es nicht, sagte er.
00:39:46: Er sagte das auch.
00:39:46: beim Schuhe zu binden, beim Brot schmieren, beim Zigarette anzünden….
00:39:51: Es gab Momente da hätte sie ihm am liebsten eine geklatscht.
00:39:55: Sie konnte es nicht ertragen, dass sich jemand derart von seinen Gefühlen über Mann ließ und sich nicht dagegen stemmen.
00:40:01: Konnte ihr gelang es doch auch?
00:40:04: Und wie viele schlechte Tage hatte sie hinter sich gebracht?
00:40:06: Wie oft lag sie abends im Bett und dachte das ist in Ordnung wäre wenn sie morgen nicht erwachen würde?
00:40:15: Das sei was anderes hat Dirk zu ihr gesagt.
00:40:19: In einem klaren Moment auf der Gartenbank nachts um zwei als sie es endlich schaffte ihn ins Haus zu holen.
00:40:25: Das ist eine Krankheit sagt er.
00:40:28: Ich bin krank, verstehst du?
00:40:30: Es geht nicht darum dass ich faul bin oder mir die Disziplin fehlt.
00:40:35: das blöde Reiß dich zusammen rutscht ihr seit herr seltener heraus.
00:40:40: Vielleicht sind die Kameras ja wirklich nützlich Nicht für sie sondern für Dirk.
00:40:45: vielleicht geht es gar nicht Darum Dass er sie sieht.
00:40:49: Sie soll ihn sehen wenn Er wieder irgendwo sitzt und nicht hochkommt oder irgendwo eine Maschine läuft, die er eigentlich ausschalten müsste.
00:40:58: Wenn er zum Briefkasten geht oder wenn es Zeit ist seine Tabletten zu nehmen.
00:41:03: vielleicht sollte sie sich doch mit dem neuen Handy beschäftigen das ihr ihr zur Weihnachten geschenkt hat.
00:41:10: eines Tages könnte Sie dann selbst die Kameras steuern.
00:41:18: Das finde ich auch ne sehr schöne Passage weil eben da auch diese Empathie sozusagen ist verständnis für die Figur deutlich wird, weil was man im Laufe des Buches klar wird ist eben die Großeltern-Generation.
00:41:30: Ich nenne das mal so Erika Norbert.
00:41:33: Sehr viel Wert auf Ordnung, Strenge aus einer Leistungsgesellschaft kommen und das auch an sich
00:41:38: kommt.
00:41:38: Das Tantische Arbeitsethos?
00:41:39: Genau dieses ... Sauerländischer, weil sie das.
00:41:43: Und dass auch unterschiedlich dann wirkt auf die Kinder und auch in die nächsten Generation weitergetragen wird.
00:41:49: Mich hat das auch Tom sozusagen sein Nerven an der anderen Generation, die liefen für mich beim Lesen am Anfang so ein bisschen als Gespenst damit.
00:41:56: Die waren irgendwie da aber auch so ein bissel so als Schatten.
00:41:59: man merkte, die kommen irgendwie nicht ganz klar mit der Gegenwart.
00:42:03: Und dann schenkst du den aber ohne jetzt zu spoilern sozusagen im Laufe des Buches, zwei ganz große Geschichten eigentlich.
00:42:09: War der das wichtig?
00:42:10: Also war er das schon klar dass diese Figuren sich so entwickeln?
00:42:13: oder hat sich das Bedürfnis entwickelt dem was Gutes auch zu tun?
00:42:18: Nee es war schon so, dass ich jede Figur für sich geschrieben habe und auch entwickelt habe.
00:42:24: Das war erst mal ein großes Nebeneinander von all diesen Geschichten.
00:42:27: Ich hab immer erstmal eine Figur in Gänze fertiggeschrieben und fertig erzählt Und erst dann bin ich zunächst und ich wusste da aber schon wo die Überschneidungen sind.
00:42:36: Ich wusste, wer mit wem wie verzahnt ist.
00:42:40: Aber auch um das in irgendeine dramaturgische Fassung zu bringen, dass radikal beschneiden.
00:42:46: Es war völlig klar, da müssen Figuren raus und es müssen aus den einzelnen Geschichten viele Teile raus.
00:42:52: Denn das ist eine reine Rechenfrage.
00:42:56: Je größer diese jeweiligen individuellen Anteile sind, desto noch kleiner wären diese Überscheidungsmomente.
00:43:01: Und damit die eben genug Geltung erfahren, muss der Rest ein bisschen weggeschnitten werden.
00:43:06: Das ist aber gar nicht so schlimm!
00:43:07: Das heißt ich wusste von Anfang an wo es mit dir hingeht und ich wusst da auch wo der herkommt... ...und das war bei Tom das Gleiche.
00:43:16: nur dass bei Tom ich dann noch eine Weile gehadert habe wie ich das genau verflächte.
00:43:21: also wir lernen den eben kennen Als der Einzige eigentlich nenne ich es nicht ganz, aber aus dieser Familie, der eben nicht in einem dieser Bungalows lebt.
00:43:29: Sondern er ist in einer WG, in der sonst niemand isst.
00:43:33: Die sind also alle wieder bei ihren Eltern wegen Corona.
00:43:35: Es gibt ja keine Uni und so weiter...
00:43:37: Der ist
00:43:38: Ende dreißig muss man dazu sagen!
00:43:40: Und das erfahren wir dann auch erst so pö-apö durch kleine Hinweise.
00:43:44: Der war vorher bei der Polizei und er ist ausgestiegen weil er mit diesen Corona-Maßnahmen nicht zurechtkam.
00:43:51: Das ist bei ihm eine ganz seltsame Mischung aus, würde ich sagen, eine Art von grundsätzlichem Gerechtigkeit zu finden.
00:43:58: also immer das Richtige und das Gute und das Wahre und Schöne.
00:44:01: Und auf der anderen Seite aber so ein sehr ausgeprägten auch so einen Anti-Autoritäreswesen was er so hat und das ist natürlich in der Polizei per se nicht gut aufgehoben.
00:44:10: Ich glaube das hatte dann irgendwann auch erkannt.
00:44:12: Das heißt wir lernen ihn nur kennen als Einen Ex-Polizisten, der nicht so richtig weiß was er jetzt machen soll.
00:44:19: Und... Der ein bisschen auch isoliert ist von der Familie weil wir eben auch erfahren hätten, der will keine Maske tragen, der hat sie nicht impfen lassen und der will sie ja auch nicht testen lassen.
00:44:26: Das sind also seine individuellen Entscheidungen.
00:44:30: Deswegen sitzt er da jetzt!
00:44:32: Ich wollte aber das alles gar nicht miterzählen warum der da raus ist und ich wollte ihn einfach nur sagen dass es wie wir ihn jetzt kennenlernen Und der Rest ist gar nicht so wichtig, der muss gar nicht auserzählt sein.
00:44:45: Sondern das sind dann eher kleine Hinweise die wir erfahren.
00:44:49: Genau und da wusste ich schon auch wo die Reise hingeht bei ihm.
00:44:54: Ich würde auch weiter bei den Figuren bleiben aber einen kleinen Bogen schlagen über das Cover.
00:44:59: Weil auf dem Cover ist eben kein Ott abgebildet sondern ein Rabel.
00:45:03: Falsch!
00:45:04: Das
00:45:04: ist seine Créa.
00:45:07: Und da musst du dich unterbrechen, weil das ist der nächste Streitpunkt mit dem Verlag gewesen.
00:45:14: Es referiert auf den Prolog und in dem geht es um Krabbattsage.
00:45:22: Sie werden das kennen oder vielleicht kennt sie's auch nicht aber das ist so eine Müllerbursche und vielleicht haben sich diese Ortfried Preußler Version gelesen.
00:45:29: Da geht es ganz konkret um Kohlgraben und Kolkraben sind also die größten europäischen Rabenvögel, unglaublich majestätische Tiere sehr kraftvoll wie so ein Adler wenn sie so überall schwäben.
00:45:42: Und ich wollte unbedingt einen Kolkraben auf das Kabel haben.
00:45:45: Dann kam der Verlag damit um die Ecke, wir sagten aber Leute ist doch kein Kolkrarbe.
00:45:50: Wir sagten ja Lukas wir haben geguckt, aber gibt's nicht... Aber das fällt den Leuten nicht auf!
00:46:00: Ich weiß, es ist doch alles irgendwie Das ist doch alles nicht in Ordnung.
00:46:04: und dann wurde als Zugeständnis der Schnabel eingefärbt.
00:46:09: Und ich habe dann nachträglich erfahren, dass es also nicht nur eine Krähe ist sondern das ist eine nordamerikanische Kräe.
00:46:16: Die gibt's hier gar nicht!
00:46:19: Auch da hab' ich insistiert und da kam noch mal der Spruch Ja Lukas aber die Leute sind ja keine Ornithologen Ich hab mich damit arrangiert...ich weiß es ist ein schönes Cover und ich finde es ist alles okay daran Weil auch hier ähnlich...
00:46:33: Aber vielleicht hättest so kamen sich den Kohlkraben aufs Cover
00:46:36: gemacht?
00:46:36: Die hätten den Kollkraben gehabt, aber dann für kein Lesebändchen.
00:46:39: Das ist eine Abwägungsfrage!
00:46:43: Insofern ähnlich wie mit dem Titel.
00:46:48: Wir als Autoren sind das sehr undankbar weil wir schreiben an diesem Text und geben den ab Und die Verlage haben in den selten Fällen selber noch Abteilungen, wo sie die Cover machen.
00:46:58: Die haben einfach so viele Bücher, dass sie das auslagern.
00:47:00: Es gibt also Agenturen, Werbeagenturen, Gestaltungsagenturn, die ausschließlich Buchcover entwerfen.
00:47:06: Das Problem bei denen ist aber, dass die Texte nicht lesen.
00:47:10: Die kriegen halt vorher wie eine Art Kurzzusammenfassung.
00:47:13: Dann kriegen die eine Liste mit Vergleichstiteln und ne Liste von Dingen, die nicht drauf sollen.
00:47:19: und aber bis dahin lesen die das oft gar nicht.
00:47:21: Und dann kriegt man oft einfach so Entwürfe, wo genau das drauf ist was man nicht haben wollte... ...und hier also ähnlich?
00:47:28: Und dann sitzt man so als Auto da nehmen und denkst so hey Leute!
00:47:30: Das ist jetzt wirklich das ist das Maximum was wir hier rausholen können.. ..und ich stehe dann immer und sage Können wir den noch etwas da geht doch was machen das geht auch besser.
00:47:41: und dann kommt aber brechtig die Gegenfrage ja was denn?
00:47:44: So und dann sag' ich dann immer Ich gestalte auch keine bücher also ich schreibe den text macht doch was.
00:47:51: und das ist aber so.
00:47:51: dass meine ich mit unheimlich.
00:47:52: man steht da immer so daneben und will dann so nochmal und noch mal einen entwurf und noch ein entwurf.
00:47:57: Und irgendwann sagen die dann nicht es machen wir jetzt, und dann darf ich dann maximal noch drüber abstimmen wie die hintergrundfarbe ist hinter dem hinter dem raben aber der krähe Gottes willen.
00:48:08: aber irgendwann ist die krähe halt gesetzt sind super langwierige prozesse und auch hier kann man dann so ein bisschen auch erkennen, wie wichtig ist dem Verlag das jeweilige Buch?
00:48:20: Also es gibt eben... hier hab ich dann so insistiert, dass eine zweite Gestaltungsagentur hinzugeholt wurde nachdem die erste wirklich nur Scheiße gemacht hat.
00:48:30: Das war ganz, ganz schlimm!
00:48:31: Also irgendwann haben sie dann verstanden Sie sollen also wirklich kein Dorf nehmen.
00:48:35: Es waren am Anfang nur Dörfer und Kleinstädte.
00:48:38: Dann sind sie irgendwann übergegangen zu Wolken Und gab es nur noch Wolken?
00:48:41: Ich sagte, was soll das?
00:48:43: und dann meinte er auch immer aus von ja, literarischen Titel müssen Sie mal drauf achten.
00:48:46: Da sind oft so Wolken drauf.
00:48:48: Das war das Argument!
00:48:51: Da habe ich Stund gemacht und dann wurde die zweite Agentur hinzugeholt.
00:48:56: Aber dieses Recht kann sich nicht jeder rausnehmen, leider!
00:48:59: Das ist immer auch... Die Verlage behandeln Tite ganz unterschiedlich, je nachdem was sie davon erwarten.
00:49:04: Was sie sich erhoffen wie viel Geld sie da reinstecken.
00:49:07: Ich hab Kolleginnen und Kollegen, die kriegen einen Entwurf hingeschmissen.
00:49:12: Das wird halbherzig kommuniziert und dann muss man das fast schon hinnehmen.
00:49:19: Ein anspruchsvolles Verhältnis.
00:49:23: Ja, es gibt ja auch immer so Cover-Esthetiken, die referieren sozusagen aufs erfolgreiche Titel.
00:49:28: Deswegen glaube ich gerade viele Bücher mit Leuten, die schwimmen...
00:49:31: Schwimmen und Pferde!
00:49:33: Sehr
00:49:33: viele Pferden, das hat uns Nilio Biedermann eingeheim.
00:49:37: Aber vielleicht ist ja zukünftig die Krehe oder der Rabe sozusagen die Referenz dann für den nächsten Bücher, die dann im kommenden Jahr scheinen.
00:49:45: Das ist bei der Krehe und dem Raben sowieso ein schwieriges Spannungsverhältnis weil sie sehr in diesem Fantasy-Bereichen gesetzt sind.
00:49:53: Und da kommt es dann sehr auf die Gestaltungsfrage an Wie ist das erkennbar?
00:49:58: denn Verlage investieren sehr viel Geld natürlich auch in so eine Art von Marktforschung?
00:50:02: Das heißt die wissen sehr genau Was erwartet das Publikum von gewissen Titeln, wie die auszusehen haben?
00:50:08: Deswegen sehen halt Zöller aus, wie sie aussehen und Krimis, wie Sie aussehen.
00:50:13: Deswegen sehen Sommerbücher aus, Wie sie aussehn Und oft literarische Titel wie sie eben aussehen manchmal sehr reduziert oder aber schon auch in so eine Art von Gesamtwerk Denkend.
00:50:23: also jedes Buch von Robert Seethaler ist weiß mit irgendeiner so einer Schattenfigur drauf ... in das völlig egal, bei welchem Verlag der ist.
00:50:31: Also er hat jetzt auch zu Ulstein gewechselt.
00:50:34: Ich glaube, der war vorher bei Hansa oder so... Genau und die übernimmt dann teilweise einfach die Gestaltung weil sie wissen, dass es gesetzt als Robotsee.
00:50:42: Juli Sees Bücher sehen immer gleich aus.
00:50:45: Würdest
00:50:45: du das auch wünschen also, dass du dann auf dem ersten Tag erkennbar bist?
00:50:48: Oder würdest du da wünscht, dass eigentlich jedes Buch ein anderes Cover und auch eine andere...?
00:50:52: And then wipe so zu sagen.
00:50:54: Man kann das sehen bei mit der Faust in die Weltschaft und Raumfahrer, da kann man es ganz gut sehen.
00:50:59: Das ist die gleiche Schriftart.
00:51:02: Jetzt gehen wir hier sehr rein in den Betrieben.
00:51:04: also für sie wahrscheinlich war sich uninteressant aber... Da hat man genau das gemacht von dem Cover ausgehend gesagt okay das hat sich den Leuten eingebrannt.
00:51:14: seltsame Annahmen.
00:51:17: Wir nehmen also wieder diese Schriftart, wir nehmen irgendeine Art von geometrischer Form.
00:51:21: Hier war es das X hier ist so eine Art angedeutetes Vierig und wir verwenden so ne angerissene Stadtansicht.
00:51:28: Und da habe ich aber eben diesmal gesagt, dieser Art von Stadtansichtsbuch möchte ich ja nicht haben.
00:51:33: Da mussten jetzt einfach was Neues her, das ist auch gut so, sonst beschränkt man sich gegenseitig in der Form.
00:51:42: ...
00:51:43: hat jetzt eine andere Weg genommen sozusagen, die... Ja
00:51:46: sorry.
00:51:47: Ich finde
00:51:47: dich aber wirklich
00:51:48: sehr produktionstechnisch.
00:51:49: Wichtig
00:51:50: war die Ästhetik.
00:51:50: man schaut auf das Buch wenn man es aufschlägt also das prägt dann schon das Lesen mit.
00:51:54: ich wollte eigentlich über die Krabbe herz sagen.
00:51:56: Ach so ja?
00:51:57: Kommt zur Kirche weil sozusagen für mich also du greifst das Motiv immer wieder im Buch auf Also zum Schluss auch haben dann auch eine Tafel für technische Geräte sag' ich mal.
00:52:06: Aber dieses Motiv des verlorenen Jungen der in der Mühle aufgenommen wird, das habe ich sozusagen wiedergefunden.
00:52:15: In der Art und Weise wie Roland dann, wir sind in den Anfang der achtziger Jahre da in der Kirchgemeinde aufgenommen.
00:52:19: Also Roland sieht man, was über sich rausfinden muss, sein eigenes Begehren aber auch etwas für eine Erhaltung er zur Welt hat.
00:52:26: War das so gedacht als?
00:52:28: Diese Prologue ist schon wie eine Art methodische Setzung des ganzen Textes.
00:52:33: Krabatt ist ja erstmal nur ne Sagenfigur, also ne Art Märchengestalt, ne sorgische Märchengestalten neben ganz vielen anderen Sagengestalten die es ihm auch so gibt.
00:52:43: aber krabatt wurde mit Abstand am häufigsten literarisch adaptiert und es gibt unter anderem Bücher eben das sehr bekannte von Ottfried Preußler was immer als Kinderbuch gelesen wird aber würde ich sagen gar keins.
00:52:56: und es gibt diese schwarze Mühle von Yuri Bresan.
00:52:59: Und die unterscheiden sich schon fundamental in ihrer Literarginerangehensweise, während Bresa diesen Krabber als wie so eine Art Einzelkämpfer einzelnen Zauberer-Kämpfer darstellt der durch diese Zeiten wandelt also beginnt immer damit also beide Präusler und Bresaan setzen das ja so ins dreißigjährigen Krieg hinein.
00:53:21: Da ist Krabber, das hat was sehr Dunkles.
00:53:23: Es gibt auch so Illustrationen wo man da geht man durchs Buch und auf einmal hängende Leute am Gallen.
00:53:28: also es hat etwas sehr Schaureiges fast schon.
00:53:31: Und bei Bresern gibt's auf einmal Nebenfiguren Bei Preußler gibt es auf einmal neben Figuren die kriegen Namen und die kriegen Charakter Die werden ins Verhältnis gesetzt.
00:53:41: So Krabbe hat ganz individuell auch entwickelt vor allem eine Geschichte geschrieben über das Einzelne und des Kollektiv.
00:53:51: Und deswegen kann man, würde ich sagen, als schon so eine Art von sozialistischer Parabel auch lesen.
00:53:56: also wie verhält sich der Einzelni zur Gruppe?
00:53:59: Wie hält die Gruppe den Einzelnen
00:54:00: usw.?
00:54:01: Und wie sichtbar wird man eigentlich noch in der Gruppe.
00:54:05: Was ist ja auch ganz exklusiv zum Thema, aber ein Kapitel heißt dass ich...
00:54:08: Genau,
00:54:09: da
00:54:09: taucht es auf.
00:54:10: Und was ich bei Krabbert noch viel entscheidender finde oder meinen Krabber gelesen habe ist, nicht nur dass diese Einzelne in die Gruppe taucht sondern das diese Gruppe durch etwas zusammengehalten wird.
00:54:24: Nämlich diesen Zauber dieser schwarze Magie.
00:54:27: und damit diese schwarzen magie weiter existieren kann, damit sie überhaupt lebensfähig ist muss einer dieser Müllerburschen jedes Jahr geopfert werden und dafür kommt er also gefahrter Tod.
00:54:38: und soweit ein sehr schauriger Prozess immer im Neujahr In der Neujahrs Nacht, bei neun Monaten glaube ich sogar egal.
00:54:45: Und das heißt diese Müllerburschen stehen irgendwann vor der Frage Lassen wir uns weiterhin Opfern für diesen Zauber oder müssen wir das bekämpfen und wissen aber nicht was darauf folgt?
00:54:59: also müssen wir genau Also gehen wir vor die Hunde opfern wie uns Für den zauber Oder müssen wir den zaurer Opfer damit wir weiter leben können?
00:55:09: nicht auf so eine martialische Art und Weise war das für mich deswegen wichtig als eine Art Vorwort zu verwenden, also ein Prolog.
00:55:14: Weil alle Menschen in Sanditz Träumer sind, Träimerinnen die auch scheitern in ihren Träumen Und die eben genau auch vor dieser Frage stehen.
00:55:24: Also träume ich weiter.
00:55:26: folge ich irgendeinem Ideal folge Ich irgendwelchen vielleicht auch Ideologien oder was auch immer und lass mich aber dafür opfern.
00:55:34: gehe da für drauf.
00:55:36: Oder muss ich vielleicht den Traum beenden?
00:55:39: Muss ich ihn abdingen, da kommt dann noch so ein Adorno-Zitat hinein um weiterleben zu können.
00:55:44: Also diese Frage muss ich ja etwas beenden und neu anfangen zu können ist jetzt mal ganz banal runterzubrechen.
00:55:49: Und dafür fand ich Krabbert einfach hilfreich.
00:55:53: für mich war das der Grund Krabber nach vorne zu setzen.
00:55:57: Das ist mir ganz viel überhaupt nicht verständlich.
00:55:58: Es ist auch völlig egal.
00:55:59: also man kann das Buch auch lesen ohne dass man diesen Prolog versteht.
00:56:03: Und dann ist mir später auch erst eingefallen, es gibt ja auch Menschen und draußen die kennenkrabbert gar nicht.
00:56:07: Da hab ich überhaupt nicht dran gedacht beim Schreiben!
00:56:10: Für die muss das wirklich wahnsinnig verstörend sein... ...dass dieses erste Kapitel damit beginnt, dass da also so Raben kreisen und die auf einmal Menschen werden und da landen in diesem Schnee und völlig nackt sind und wir haben also noch so rote Pusteln davor, wo vorher die Federn steckten
00:56:23: usw.,
00:56:25: was ist das für ein Text?
00:56:26: Was passiert
00:56:26: hier?!
00:56:28: Und dann kommen wir also in die normale Geschichte hinein.
00:56:32: Aber genau, die Idee war so ein bisschen wie landen diese Müllerburschen eigentlich in der Gegenwart?
00:56:38: Was sehen sie?
00:56:39: Was nehmen die wahr?
00:56:41: In welche Zeit hinein fliegen die gerade?
00:56:45: und das war dann der literarische Versuch, also diese Vogelperspektive in diesen Text rein zu holen ganz abgesehen von sozusagen meiner Interpretation dieser Krabberzage.
00:56:53: Die steht da so nicht drin aber es muss ja auch gar nichts.
00:56:56: Das geht doch so!
00:56:58: Ja, jetzt wo du das sozusagen nochmal so kompromiert erzählst fallen eben schon viele Analogien aus zu dem was du dann auch gerade in achtzehn Jahren beschrieben hast.
00:57:06: geht dann um die NVA und sich irgendwie dem Ambedienst zu verweigern.
00:57:11: Und es geht um diese Zukunft Zuflucht zu suchen in der Kirchgemeinde.
00:57:15: da will ich ein bisschen darauf hin weil sozusagen die Kirch Gemeinde eine große Rolle spielt.
00:57:19: also der Großvater ist Rockelbauer der darf sozusagen ins westliche Ausland reisen um da eben Rockeln zu bauen Alles in irgendeiner Kirche aktiv.
00:57:27: Und da ist es vor allen Dingen den Achtzig Jahren die Geschichte von Marion und von Roland, Entwicklungsgeschichte aber eben auch so entdecken.
00:57:34: wie stehen wir denn das für eine Haltung haben wir zu dem Staat?
00:57:38: Genau also ganz am Anfang war stand für mich erstmal natürlich diese Betrachtung meiner Familie.
00:57:44: Wie gesagt sie haben sich da kennengelernt ich bin selber da aufgewachsen in diesen Kreisen alles sehr vertraut.
00:57:49: und was mir bei aufgefallen ist gerade so in der Nachbetrachtungen Diese Kirchgemein haben politisch eine wichtige Rolle gespielt.
00:57:56: Das waren einfach Orte der Versammlung und auch der Organisation, ohne diese Kirchen hätte es diesen Ersatz-Währdienst nicht gegeben.
00:58:04: Es gab ja nicht wie in der BRD ein... Wie heißt das?
00:58:08: Zivildienst, genau!
00:58:09: Sondern die Kirchen haben eben herausgekämpft dass es sowas gibt wie diese Bausoldaten relativ spät auch erst.
00:58:16: Und aber immer mit der Crux, dass man trotzdem innerhalb der NVA diente.
00:58:21: Also es war ja nicht so, dass das neben dem Militär stattfand.
00:58:24: Es war trotzdem eine Art Ersatzwert ins Innerhalb des Militäre.
00:58:27: Das heißt man war trotzdem in dieser Mühle drin.
00:58:29: Dafür waren erst mal die Kirchgemeinden wichtig, das zu erkämpfen und sie waren wie es im Romanien auch auftaucht.
00:58:35: Sie waren noch ein bisschen der Versuch oder so eine Art Lehrstück um junge Männer Darin zu unterrichten, was müssen sie jetzt eigentlich sagen?
00:58:44: Damit Sie nicht an der Waffe dienen müssen.
00:58:46: Wie bereiten wir die vor?
00:58:47: wie unterstützen wird ihr auch in dieser Haltung?
00:58:50: Dafür war das ganz wichtig.
00:58:52: aber worauf ich eigentlich hinaus will diese Menschen Ich weiß ich für allgemeinere das ist sehr Davon sind mir sehr viele auch in den Nachbetrachtung begegnet die von sich niemals sagen würden ja Wir waren aber Bürgerrechtler und wir haben das System gestürzt oder sowas sondern Das sind immer irgendwie andere, also diese ganzen sehr krackeligen Bürgerrechter die auch heute noch sagen, naja aber wir haben es doch geschafft so.
00:59:16: Die waren manchmal gar nicht so engagiert und in diesen Kirchgemeinden waren sehr oft Menschen, die nicht systemstürzlerisch daherkommen wollten, die einfach ein anderes Leben geführt haben wie sie einen Mikrokosmos eben dargestellt haben eine andere Form von Protest kultiviert haben, ein bisschen sehr stillen würde ich sagen.
00:59:37: Eine Art von Grundanständigkeit wird es jetzt mal, wie gesagt, ich generalisiere das jetzt mal sehr aber ich glaube dass man aus dieser Grundanständigkeit heraus sich eben auch weigerte und immun war gegen Opportunismus und selbst dieses kleine ganz mini Feine dagegen sein auch wenn's nicht als einen Dagegensein daherkommt sondern eben eher wie einer Art dafür sein.
00:59:58: Selbst das kann dazu beitragen, dass eine Ideologie auch Risse bekommt.
01:00:04: Das ist mir sehr oft begegnet in der Nachbetrachtung mit den Menschen, die ich viel darüber geredet habe.
01:00:11: und es ist für mich auffällig, dass unsere erfolgreichsten politischen Aussies Angela Merkel und Joachim Gauck und viele andere aus diesen Kirchgemeinden kommen.
01:00:24: Und für mich erklärt das total, warum gerade auch Angela Merkel in den Spähtjahren ihrer Kanzlerschaft so mit diesem Osten Deutschlands einerseits also hat sich ihm zugewendet erstmals ja sehr spät aber auf der anderen Seite eben auch so hart hatte.
01:00:37: Sie wusste überhaupt nicht damit umzugehen dass ihr wütend entgegengeschrien wurde, dass sie so gehasst wurde und beleidigt wurde.
01:00:46: Das war ja grotesk was da stattfand.
01:00:49: Sie hatte offenbar gar keinen richtigen Zugriff dafür, gar kein Verständnis und ich glaube es konnte sie gar nicht haben weil sie immer ein Teil dieses Ostens war aber eben auch einen Teil nicht dieses Osten.
01:00:58: Sie war in diesem Kirchgemein auch Teil eines anderen Ostens der sich vielleicht davon auch ein bisschen entbunden hat.
01:01:04: Das ist jetzt sehr viel hineininterpretiert das was sie so nachträglich erzählt oder auch etwas in ihrer Biografie steht.
01:01:09: Aber Es deutet sich eben heraus dass da eine Art von Von anderem zusammen sein herrschte Ein andere Form dafür sein und nicht in der Gegend sein.
01:01:25: Das ist eine Form von einer Mikro-Widerständigkeit, die ich ganz interessant finde.
01:01:31: Ich glaube viele oder einige werden das Buch auch lesen unter dem Ziel quasi damit den Osten zu verstehen.
01:01:37: Aber das wirklich gehen?
01:01:41: Genau!
01:01:43: Kapitel fünfzehn ist die Antwort und dann ist alles gut.
01:01:45: Vor allem weil rein statistisch natürlich, die alle wenigsten Ostdeutschen in Kirch gemeinden waren.
01:01:51: Allein deswegen ist das null Anschlussfähig.
01:01:55: Das ist ein Mikroprozentpunkt von Leuten, die da tatsächlich aktiv war oder bis heute aktiv sind oder was auch immer.
01:02:01: Weil da war DDR wirklich sehr erfolgreich dass sie einfach diese Kirchen abgeschafft hat Und ja, wirklich auch brachial.
01:02:08: Also wenn ich daran denke wie das in Leipzig stattfand da diese Universitätskirche zu strengen überhaupt diese ganze Universität also mit diesem Anspruch von also die Säkularisierung auch dieses Staatswesen und auch das Bildungswesen so voranzutreiben.
01:02:24: Da wurde ja massiv eingegriffen und deswegen glaube ich oder finde es auch ganz gut dass das Buch deswegen nicht gelesen werden kann als schaut mal das sind die Ostdeutschen Und das war auch nie der Anspruch, sondern es war immer klar.
01:02:39: Das ist ein kleiner Teil, ein kleiner Ausschnitt und auch das ist aber der Osten.
01:02:45: Was mir immer so anliegen ist, es gibt logischerweise diesen Osten nicht sowie es auch die DDR nicht gab, sondern das sind alles... Klein Unterschiede.
01:02:56: Und das ist, was ich vorhin meinte mit Ingo Schulze also nur weil er nicht in der Elbe badete.
01:03:01: in den Sitzungen kann das für einen anderen aber Realität gewesen sein.
01:03:04: und diese Nebenrealitäten Das ist das am Ende was Geschichte ja auch so schwer verständlich macht Weil es eben nicht ein abgeschlossener großer Prozess ist.
01:03:13: und Ich weiß auch dass das Dass das manchmal anspruchsvoll ist das auszuhalten dass es da Widersprüche gibt und das der eine sagt die Stasi, das war das Schlimmste.
01:03:23: Und auf der anderen Seite stehen wir seit nie gemerkt, irgendwas gemerkt was soll da gewesen sein.
01:03:28: aber beides ist richtig und wir sind in einer Zeit schönerweise dennoch so viele Zeugen dabei sind die darüber reden können.
01:03:36: unter entstehen zwangsläufig Spannungsverhältnisse und das muss man dann auch mit dazu sagen noch keine Völkerung der Welt so ausgemessen wurde wie diese ehemaligen DDR-Bürger.
01:03:51: Allein durch den Fortschritt der Technik, der Digitalisierung und Archivierung sind so viele Erinnerungen konserviert bei niemandem stattgefunden hat.
01:04:02: Und deswegen entstehen natürlich auch ganz viele so Parallelgeschichten und da entstehen eben auch Konfliktlinien, ich denke mir manchmal hätten wir diese Art von Digitalisierungsprozessen schon gehabt um die Überlebenden des Holocaust zu archivieren.
01:04:15: es wäre für unsere ganze Erinnerungskultur wäre das natürlich eine riesige Genugtuung.
01:04:20: uns wäre super das zu haben aber das ist nun mal nicht der Fall.
01:04:25: das Ende der DDR und alles was danach passiert ist nochmal in so ein extra Spannungsverhältnis, weil wir natürlich das ausschlachten können im Podcasts und in Doku Serien und in Filmen und was auch immer.
01:04:36: Und klar gibt es dann immer jemanden der sich da vielleicht auf dem Schlips getreten fühlt.
01:04:39: Ich glaube aber dass ist das normal und auf der anderen Seite man kann's eben auch so sehen ist es auch ein Schatz also da so vielfältig daran teilhaben zu können.
01:04:49: Wo du jetzt von Erinnerung sprichst, neunundachtzig kommt ja auch vor in deinem Buch mit drei Kapiteln.
01:04:53: Das ist quasi so eine Theologie.
01:04:54: Drei zusammengehende Kapitel und da geht es ja gerade darum zu verhindern dass Erinnerungen vernichtet werden.
01:05:00: In dem Fall nicht von Stasi-Akten aber das genau was du eigentlich beschrieben hast.
01:05:04: Ja das ist also das Vorbild Ehrfurt.
01:05:06: Also da wurde am vierten Dezember der Andreasstraße erst einmal eine Stasiszentrale besetzt durch Bürgerinnen und Bürger Und das war mir wichtiger zu erzählen, weil das klingt so ein bisschen anders als was wir vorhin hatten.
01:05:20: Was erzählt man eigentlich nachträglich?
01:05:22: Was hat man im historischen Gedächtnis drin?
01:05:26: Ich glaube du musst diese Demonstration... nicht mehr erzählen.
01:05:30: Du musst auch den Mauerbauern nicht mehr erzählen, dafür gibt es literarisch nichts mehr zu
01:05:34: holen.".
01:05:35: Das ist so klar!
01:05:36: Wir haben diese Bilder und die Fernseheraufzeichnungen.
01:05:39: Es wurde x-mal gezeigt.
01:05:41: Das braucht's nicht mehr.
01:05:42: Wir wissen was da passiert ist.
01:05:43: Es wäre völlig verschwendet gewesen das nochmal in Textform aufzunehmen.
01:05:48: Was mir viel wichtiger war eben diese Besetzung dieser Stasizentralen denn zumindest als These glaube ich... wäre das nicht gelungen, was übrigens einmalig ist in der Menschheitsgeschichte.
01:06:00: Dass man einen Geheimdienst entmachtet – davor und danach nie wieder stattgefunden -, dass das eigentlich ein wichtiger Element war um diesen Staat vollständig umzukrempeln.
01:06:14: Es hätte, und das sehen wir ja in Osteuropa zu teilen – wir sehen es in Russland immer noch – du kannst dir natürlich eine Art demokratischen Anstrich geben!
01:06:21: Du kannst auch freie Wahlen durchführen.
01:06:23: aber solange es noch einen Geheimdienst gibt der untergründlich arbeitet kann er nach wie vor eingreifen und kann.
01:06:30: nach wie vorher wird er seine Leute stürzen oder stützen.
01:06:33: und ich glaube erst durch dieses Besetzen dieser Stasi-Zentralen Zugänglich machen diese Akten.
01:06:39: Überhaupt durch das Aufbrechen dieser Strukturen war es möglich, dass ein neues System überhaupt erst entstehen konnte und das kommt mir manchmal zu kurz in der Betrachtung auch im gesamten Mut, der dahinter steckt.
01:06:51: Das ging ja dann durchs ganze Land.
01:06:53: also das wurde ja ähnlich wie auch die Demonstrationen irgendwann um sich griffen.
01:06:57: gingen auch diese Stasi zentralen Besetzungen oder Kreistdienststellen und was noch alles hieß.
01:07:06: Das war entscheidend.
01:07:06: Das war ganz wichtig.
01:07:07: und auch hier mit dem absoluten Glücksfall, dass das nicht blutig stattfand Auch das muss man ja immer wieder in Erinnerung rufen Dass das ein absoluter Glücks Fall in der Geschichte ist Und übrigens ja auch in den Souveränitätsbestrebungen bis heute Osteuropäischer Länder.
01:07:28: In jedes Land fast jedes land Bis eben auf die DDR sind die Russen rein und haben einfach losgeschossen.
01:07:35: Und das machen sie bis heute, da wo ein Land unabhängig werden möchte gehen Sie rein und schießen los!
01:07:39: So ich weiß es ist sehr platt gesagt aber können wir uns ja anschauen wie das in den Neunzigern lief... ...und das war so ein Glücksfall.
01:07:45: parallel ja übrigens auch noch zu China mit dem Massaker dass das nicht abzusehen war kommt er jetzt im Panzer um die Ecke und schießt uns alle tot.
01:07:59: benennenswert mutig und herausragend, dass ich gerade das unbedingt noch mal reinnehmen wollte.
01:08:07: Übrigens ja auch bis hinein.
01:08:09: manchmal ist im Nachhinein immer so leicht aber da hätte nur einer dieser sehr eingeschüchterten jungen Soldaten an diesen Grenzübergängen als es dann weiß nicht Bornholmer Straße oder so weiter.
01:08:21: Da hätte nur Einer diesen Abzug drücken müssen, ganz ausversehen und das wäre ein absolutes Disaster geworden.
01:08:28: Und manchmal sind es nur so Mikromomente die dann ausreichen um eine friedliche Revolution friedlich zu machen, dass also da Gott sei Dank niemand einfach geschossen hat.
01:08:40: Also für mich ist immer noch ein Wunder in der Nachbetrachtung.
01:08:44: Mikromeint beschreibst du denn auch in der Szene?
01:08:46: Wir haben nach einiges Vorheit Abend, wir wollen nämlich...
01:08:49: Immer
01:08:50: noch!
01:08:51: zum Abschluss noch ein kleines Auszug aus dem Kapitel holen und kurz sprechen.
01:08:55: Ich habe von meinen drei Fragen zetteln, bin ich beim ersten?
01:08:58: Also ich hätte
01:08:59: sozusagen jede
01:09:00: Menge Material.
01:09:01: Ich würde kurz mal weggehen weil mir das auch wichtig ist kurz darüber zu sprechen.
01:09:06: es ist ein Porträt erschienen in der Zeitung und da stand dass es zwei Lukas Riegel gibt den einen Romanautor Und den Lukas Ritschel, der eben auch das ist Unterschiede gibt zwischen dem Romanautor und dem, der im Talkshow
01:09:22: sitzt.
01:09:23: Mein Angestellter?
01:09:24: Genau!
01:09:24: Das war so ein bisschen verklausuliert, weil sie ganz klar ob du das gesagt hast oder ob dass die Interpretation des Spiegelautoren waren.
01:09:33: Aber würdest du denen zustimmen, dass wir ihn ablehnen, dass du da grenzenziehst zwischen eben so einer Situation oder wenn du eben heute schon mal zu Gast bist?
01:09:42: Ja na klar mach ich da Unterschiede.
01:09:43: also... Wie wir auch jetzt, also ich erzählte ja teilweise Sachen die ich so in dieser erklärenen Form der Literatur verabscheuen würde.
01:09:52: Also es ist völlig klar dass ein literarischer Text nicht erklärend zu sein hat und das auch nicht sein darf nach meinem künstlerischen Verständnis sondern dass er einfach nur zeigt als im amerikanischen heißt es show down tell.
01:10:05: Also etwas zu beschreiben und etwas nichts zu behaupten.
01:10:14: ist das immer auch zwingend Literatur und eben kein Sachbuch.
01:10:17: Hier geht es nicht darum, irgendwelche Thesen zu formulieren und dass dann daraus eine Geschichte zu entwickeln sondern die Geschichten stehen im Zentrum.
01:10:25: Und was sie dann erzählen oder was Leute da rausnehmen, das ist dann ihr Ding.
01:10:28: Das ist noch nicht mal meine Aufgabe.
01:10:31: Auf der anderen Seite werden wir ganz oft irgendwelchen Fragen gestellt zu dem sogenannten Osten und zu der sogenannten Politik.
01:10:43: Da melde ich mich dann immer mal zur Wort.
01:10:46: Wenn ich einen Eindruck habe, vielleicht sollten die anderen gerade nicht mehr so viel reden.
01:10:52: Es gibt halt auch Kolleginnen da weiß ich wenn wenn ich absage dann taucht sie auf und das will ich nicht.
01:11:00: Und das sind also gar nicht, weil ich ihr das nicht gönne.
01:11:02: Aber da sind dann manchmal so... Da weiß ich genau, der wird so ein Quatsch wieder erzählt von einer Person die einfach null mehr zu tun hat mit diesen Orten und es ist egal.
01:11:12: Also kann ich mich in Rage reden?
01:11:13: So aber... Das muss man sich immer vorstellen!
01:11:15: Die machen so eine Karteikarte auf, die gucken dann okay ... In der Sendung haben wir die Leute Wir hatten dazu mal was gesagt Dann gehen die das durch und dann landen sie irgendwann bei mir und dann sitze ich jedes Mal da und überlege Okay melde ich mich zurück sage nein sage ja das wird auch.
01:11:30: also ich nervt damit alle wochenlang.
01:11:34: ist es nötig muss es sein macht mir das überhaupt spaß sind unglaublicher stress.
01:11:38: also in so einer fernsehsendung zu sitzen ist unglaublich stressig vorher und danach weil.
01:11:45: Du hast so ein paar Momente, in denen du hoffentlich irgendwas Schlaues sagst und das legt dir dein Versuchsweise zurecht.
01:11:52: Und dann gelingt es aber trotzdem nicht und dann höre ich mir selber zu irgendetwas lau was für einen Quatsch!
01:11:58: Dann denke ich immer so red langsamer usw.. Das ist gelingt einfach null.
01:12:02: Aber gehst du da hin und willst bestimmte Themen setzen?
01:12:05: Ich muss jetzt an Karny Oscar denken.
01:12:06: Da warst du ja früher gewesen, die Sendung läuft am Tatort wo halt auch Leute dann einfach den Fernseher laufen lassen.
01:12:11: das heißt immer eine Reichstand auf Leute die vielleicht nicht politisch so speziell interessiert sind.
01:12:15: aber du weißt in Sendungen viele Millionen Menschen werden das schauen auch sogenannte Multiplikatoren.
01:12:20: das heißt man kann da auch Themen setzen und eben Debatten dann am nächsten nächsten Tage mit.
01:12:25: bestimmt gehst Du da rein und sagst heute möchte ich dieses Thema setzen.
01:12:28: um das zu erreichen muss sich da ein bisschen zuspitzen.
01:12:31: Also ich bin da nur hin, weil das ganz klar gesetzt war als ein Format über Demokratie.
01:12:39: Und mir war natürlich klar, Joachim Gauck war da.
01:12:41: Ich war da – das läuft Gefahr in Richtung Osten zu gehen gerade im Anbetracht der Landtagswahlen.
01:12:47: und dann landet man ja ganz schnell bei «der Osten ist nicht demokratiefähig» und dieses ganze Gelaber.
01:12:52: Sorgen Sie sich um unsere Demokratie?
01:12:54: Ja genau!
01:12:55: Da dachte ich mir schon die meiner….
01:12:57: also ich sehe es jetzt für mich hier als Aufgabe erstmal das wegzulenken vom Osten weil diese These nicht haltbar dass der Osten Demokratie-Problem hätte oder sowas.
01:13:07: Es ist einfach nicht evident, es wird einfach so dahergesagt und da denke ich mir schon okay das möchte ich wenigstens einmal platzieren.
01:13:15: oder auch diese ganze Herleitung von naja die Ostdeutschen und mit dieser DDR, dann mit der Transformation und den Umbruchsjahren.
01:13:25: Da ist so viel Enttäuschung!
01:13:26: Die können ja nur AfD wählen.
01:13:28: Und ich finde das alles so... Das ist so intellektuell unterfordernend, dass sich manchmal richtig... Wie gesagt es gibt also Kolleginnen und Kollegen, die schreiben da ganze Bücher drüber über diese These.
01:13:40: Und das ist sowas von kurz gedacht, dass es mich immer wieder kitzelt.
01:13:43: Dass man denke, das könnt ihr doch nicht behaupten, davon ist nichts richtig.
01:13:48: Und da gehe ich dann schon dahin.
01:13:50: So und jetzt gibt's natürlich ganz viele Anfragen, die wollen jetzt dass sie in diese Nachwahl Sendungen kommen... ...und da werde ich dann wahrscheinlich nicht hin.
01:13:59: Also sag' ich jetzt vielleicht knick' ich dann doch ein aber weil Ich habe überhaupt kein Interesse, dann so diese Balkendiagramme auszuwerten und dann zu denken ja was könnte denn sein?
01:14:08: Und noch und noch und nach und so immer in diesem dritter vierter Konjunktiv irgendwie zu denken.
01:14:13: Das ist ja wahnsinnig ermühtend.
01:14:15: deswegen gehe ich auch das war mir auch da bei mioska wie ich geht nicht mit aktiven politikern rein weil das macht überhaupt keinen spaß weil die machen genau dass sie wissen die haben drei minuten wenn es hochkommt.
01:14:25: das heißt sie müssen in diesen drei Minuten haben die eine tese vor formuliert.
01:14:29: mit ihren mitarbeitern hab ich nicht.
01:14:31: so muss er selbst selber denken und muss mir da selber Worte für ausfallen lassen.
01:14:36: Und dann muss ich das irgendwie hinkriegen, und die sind super happy wenn sie aus so einer Sendung rausgehen und wissen okay, dass war die These, die hat gesessen, die haben wir für Social Media können wir auch noch mal verwenden.
01:14:47: Das ist ja das nächste.
01:14:48: also dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk macht sich jetzt zu einem Handlanger für TikTok, das einfach sämtliche Inhalte, die da gesendet werden, zerschnitten werden um dann auf den jeweiligen eigenen Plattformen und Profilen nochmal zweitverwertet Und mich ärgert, dass das innerhalb auch dieser Talk-Schuss nicht reflektiert wird.
01:15:07: Also es ist völlig klar, da ist jemand der setzt ein Statement und dann war's das.
01:15:11: Da lebe ich die dann hinten raus wie happydie sind, dass sie das einmal gesagt haben... ...und ich stehe halt da neben mir, das war richtig scheiße alles hier!
01:15:20: Und da habe ich mir eben sagen lassen so.. Ich komme ja nicht mit aktiven Politikern in die Sendung weil ich hab' nicht Lust jetzt irgendwie wieder da irgendwelche... Pate zu sein, wenn der TikTok-Videos entstehen.
01:15:33: Das will ich dann nicht und die Gefahr ist natürlich groß bei solchen Nachwahlsendungen.
01:15:38: Also das Gegenteil von dem was du an deinem Roman machst, dass eben
01:15:41: Zeit
01:15:42: zu nehmen auch in die Zwischentöne zu gehen und da muss man eben... Ja
01:15:45: und gleichzeitig weiß ich aber auch, dass es wichtig ist also mir ist es wichtig zu zeigen, dass Menschen aus diesem Osten gibt die auch was zu sagen haben und dass das natürlich auch unterschiedlich sein kann.
01:16:00: Und dass es auch wichtig ist in der Betrachtung dieses Ostens, also mir geht's da gar nicht darum ein Narrativ zu setzen oder irgendwas weil dafür ist es viel zu schnell versendet und es juckt niemanden mehr so völlig klar.
01:16:10: Das ist ja nächste Woche schon vergessen sondern dass die einmal sind
01:16:14: okay
01:16:15: den gibt´s da auch Der taucht da auf und der schreibt darüber oder was auch immer.
01:16:21: Und es einfach klar wird, es gibt dann eine Vielzahl von Leuten die machen sich Gedanken darüber so.
01:16:26: Was der am Ende sagt ist manchmal völlig egal sondern Arhat den gibt es.
01:16:30: So jetzt weiß man ja auch das ist das nächste.
01:16:32: Leute sitzen Ja, oft mit einem zweit oder dritten Gerät noch vorm Fernseher und gucken parallel nicht nur die Fußballgebnisse sondern auch bei Amazonen welche Bücher es gibt.
01:16:43: Und du siehst das wirklich eklatant wie an diesen Abenden einfach die Zahlen in die Höhe gehen.
01:16:47: Das ist immer ein enormer Boost.
01:16:48: deswegen tauchen die ja alle auf wenn die ein frisches Buch geschrieben haben.
01:16:51: Die tauchen da immer auf denn das reicht dann manchmal so eine Sendung um Bestseller zu werden.
01:16:57: Bei Sachbüchern nochmal mehr muss man dazusehen dass Dachbücher, weil sie weniger im Gesamtschnitt in Deutschland gekauft werden.
01:17:06: Sehr viel schneller, besserler werden als Literaturen.
01:17:09: Ich weiß gerne, warum wir soviel über diesen Betrieb heute reden aber...
01:17:13: Ich stelle nur Fragen!
01:17:16: Aber vielleicht noch eine abschließende Frage dazu kriegst du dann auch Reaktionen?
01:17:19: Also kriegste das dann ein bisschen gespiekelt ob du wie du erzählt hast ... kriegst du vielleicht auch manchmal eine Vereinahmung von der Seite, wo du sagst... ... mit dir fühle ich mich vielleicht gar nicht so wohl.
01:17:29: So als eben als Osterklärer.
01:17:30: oder es ist gar nicht zu schlimm und das ist eines okay?
01:17:33: Oder gibt's da solche?
01:17:35: Und wenn du sagest ach hätte ich das anders formuliert oder...?
01:17:38: Ich bin danach immer unzufrieden mit mir also guck mir das eigentlich nicht an.. ..und lass mir das dann auch immer filtern!
01:17:46: Also ich sage dann auch dem Verlag unter Agentur ich will nichts kriegen also egal in welche Richtung Ich möchte nicht, dass da von irgendwas bei mir ankommt.
01:17:53: Weil das ist einfach ein ganz seltsamer Kosmos die nochmal diese Fernsehwelt.
01:18:00: noch mal mehr also der Hut abwehr wer sich da reintraut so halbberuflich zu machen vor so eine Million Publikum Da schlaue Sachen sagen zu wollen Also das ist ein enormer Druck.
01:18:11: dann auch wirklich noch was essentielles darfst du noch etwas bei rumkommen?
01:18:16: Das ist ja nochmal den nächsten Anspruch.
01:18:19: Ich weiß, ich gehe da auch hart mit mir ins Gericht.
01:18:21: Aber es ist jedes Mal wieder, dass wir dann gelassen sind eigentlich und dann kickt doch irgendetwas wie ein Hybris rein und irgendwie doch so ein komischer Selbstbewusstseins schubt das.
01:18:32: ich denke aber nee kannst du schon mal machen.
01:18:35: Es ist ganz komisch, das schizofrierenes Ding.
01:18:38: Weil du bist ja auch geährt, dass du gefragt wirst.
01:18:40: Das ist natürlich auch eine riesen Anerkennung für die Arbeit und so weiter.
01:18:44: Und ich bin selbstständig.
01:18:46: Ich lebe davon, dass es Leute sehen... ...dass sie mich dann für eine Lesung einladen oder einen Buch kaufen.
01:18:51: Also ich bin immer mein eigenes Marketing auf einer Art.
01:18:55: Wenn ich nichts mache, passiert aber nichts!
01:18:59: Ein unglaublicher Druck, der da eben noch dahinter steckt.
01:19:04: Klar, wenn ich einen Mandat hätte im Bundestag, dann lehnst du dich zurück.
01:19:09: Dann gehst du immer mit jetzt schön von Wahlkampf aber ansonsten läuft ja auch so.
01:19:16: Das ist bei mir halt etwas anderes.
01:19:17: also da habe ich da immer gleich natürlich existenzielle Angst.
01:19:22: Wenn ich absage wirst du nicht mehr eingeladen.
01:19:24: oder wenn du jetzt da bist und schlecht bist, dann wirst Du auch nicht mehr eingeladen.
01:19:27: Also du kannst eigentlich nur verlieren.
01:19:31: Dann vielleicht ein bisschen den Druck zu nehmen, zu deiner eigentlichen Profession.
01:19:35: Wir hatten ja gesagt, dass wir noch... oder du noch einen abschließenden Auszug lesen.
01:19:40: Willst du davor etwas dazu sagen?
01:19:42: Oder vielleicht im Anschluss?
01:19:44: Ja, ich kann das einleiten.
01:19:46: Wir können also auch noch mehr lesen und von Ihnen abhängig wie lange Sie durchhalten und zuhören wollen.
01:19:51: aber wir haben uns jetzt gedacht, wir machen einen... Also ich nehme das immer gerne als... Ich nenne es immer den Rausschmeißer.
01:19:57: Dieses Kapitel ist eines von sogenannten Solitären, die ich in diesen Roman eingebaut habe.
01:20:04: Also es gibt eben diese Kernfamilie und es gibt einfach diese Freunde und jedes Kapitel wechselt sich ja eben ab mit den Menschen, die wir dann so nach- und nach kennenlernen an diesem Text.
01:20:13: aber es gibt auch zwei solitäre drei vielleicht.
01:20:17: Das heißt Figuren kriegen einen großen Textanteil ein großes Kapitel und tauchen danach nicht mehr so richtig auf Und sie sind auch bewusst als Irritation gesetzt.
01:20:26: also man liest das längst so.
01:20:28: Wer ist denn das jetzt?
01:20:31: Das Gleiche passiert hier mit einem Kapitel, d.h.
01:20:34: Deutschland im Herbst und da geht es um Peter Schulte.
01:20:38: Und Peter Schulte ist Sparkassendirektor in Sauerland und der möchte in Sanditz Anfang des Neunziger eine Sparkassenfiliale eröffnen.
01:20:49: Wie der nach Sanditz kommt... Genau, das lese ich mir jetzt mal vor.
01:20:54: Wie gesagt, das Kapitel heißt Deutschland im Herbst Sauerland-Sanditz, neun so in neunund achtzig bis neunzehnhundert achtundneinzig.
01:21:02: Es wird dann natürlich klar wie dieser Peter Schulte verwoben ist mit den anderen Figuren.
01:21:07: aber am Anfang liest man sich also wer... Wer is denn das jetzt?
01:21:11: Was soll denn der jetzt hier an der Stelle?
01:21:13: Da iss man schon sehr weit hinten im Text Also ungefähr seitet vierhundert da taucht er auf.
01:21:19: Schon seltsam Das große Ereignisse in Deutschland oft im Herbst passierten.
01:21:27: Peter Schulte dachte an die Italiener und Franzosen, die sich dafür die Sommermonate ausgesucht hatten.
01:21:34: Da lebte das Land richtig auf, sammelte sich auf den Straßen skandierte Schwitzen die Parolen – und in der kalten Jahreszeit wie bei Tieren geschah nichts, gar nicht, da herrschte Ruhe um wieder Kraft zu tanken!
01:21:50: Die Deutschen hingegen schienen auf zu blühen, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigte.
01:21:55: Offenbar brauchte es ein ganzes Jahr im Rücken um die Gewissheit zu haben dass das Leben nicht besser wurde.
01:22:02: Ziemlich sicher hätte es andere Zeitpunkte gegeben um auf die Straße zu gehen bessere wärmere.
01:22:09: aber nein auch die Zonis hatten sich den Herbst neunundachtzig dafür ausgesucht.
01:22:17: An jenem Abend im November öffnete er sich noch ein zweites Bier.
01:22:21: Er konnte nicht glauben, was da in der Tagesschau berichtet wurde – ihn und seine Frau traf das Unvorbereit – sie kannten niemanden aus der Zone!
01:22:31: Sie wechselten keine Briefe, sendeten keine Pakete wie einige der Nachbarn… Und interessierten sich auch sonst nicht besonders für das Leben dort.
01:22:40: Cernobyl-XVI Das hatte sie erschüttert Aber einmal mehr in ihrer Annahme bestätigt, dass alles hinter der Mauer korrumpiert und auf seine ganz eigene grau-sozialistische Weise verkommen war.
01:22:55: Dennoch schaltete er jeden Abend die Nachrichten ein – wer wusste schon wie oft er noch Zeuge historischer Ereignisse werden würde?
01:23:02: Die Fünfzig hatte er bereits gerissen!
01:23:06: Im Autoradio?
01:23:07: Auf dem Weg zur Arbeit hörte er die Berichte der Korrespondenten.
01:23:12: Da ereignete sich so viel, dass ich ihre Stimmen überschlogen.
01:23:16: Es gab nun immer mehr Reporter von Zeitungen und Rundfunkanstalten die sich Zugang zu bröselnden DDR-Verschaften, die miedeten sich in Luxushotels ein besuchten Fußballspiele und Fabriken alles nun außerhalb staatlicher Kontrolle.
01:23:32: er hatte den Eindruck das mit dem Öffnen der Grenze ein Urvolk entdeckt worden war.
01:23:40: Abgeschattet von der Welt hatte es eigentümliche Verhaltensweisen entwickelt, seine eigene Sprache und nun durfte er dabei sein wie sich die Zivilisation diesem Urvolk näherte.
01:23:53: Faszinierend war das!
01:23:54: Berauschend!
01:23:56: Sein Interesse war geweckt – das sagt er zu Sabine sei der eigentliche historische Moment.
01:24:02: Zuvor hatte er nie darüber nachgedacht warum auch Welche Speisen man in einer sozialistischen Gaststätte serviert bekam, wie die Messe in Leipzig organisiert war oder welche Tiere man im Zoo einer Stadt namens Heuerswerder hielt.
01:24:16: Einer sozialistischem Musterstadt übrigens!
01:24:19: Irre!
01:24:20: Einfach so aus dem Bodengestand für den Tagebau.
01:24:22: schau dir das an Sabine.
01:24:25: Er wäre auch nie im Leben auf die Idee gekommen sich für das Geldwesen der DDR zu interessieren.
01:24:32: Nach seiner Vorstellung hatten die Leute dort kein Geld.
01:24:36: Wer etwas brauchte, tauschte es vielleicht gegen einen Esel oder ein Hohn und brauchte es demnach auch nicht anzulegen oder gar zu investieren.
01:24:46: Ihm traf der Schlag als er das Foto eines Reporters sah, der in einer Sparkhasse stand.
01:24:53: Da gab es einen Schalter und Frauen, die einen bedienen so was wie Kunden auf grünlichem Teppichboden und sogar die gleichen Verdorbenpflanzen in viel zu kleinen Töpfen, die sich kläglich nach den Gardinen verhangenen Fenstern ausstreckten.
01:25:09: Er musste sich das zweimal laut vorsagen bis er es glauben konnte.
01:25:14: Peter!
01:25:15: Die haben dort auch eine Sparkasse.
01:25:20: Er weite Sabine nicht in seine Pläne
01:25:22: ein.".
01:25:24: Erst nach den Gesprächen mit dem Filialeiter, dem Kreisgeschäftsführer, dem Vorstand und dem Verwaltungsrat als also alles bereits beschlossen war, griff er nach ihrer Hand.
01:25:34: Sie entriss sie ihm wütend.
01:25:38: aber ob sich nun um einen kinderlosen Haushalt im Sauerland oder in Sanditz kümmere fragte er wo sei denn da der Unterschied?
01:25:50: Sie scheuerte ihm eine Sein Ohrpfiff seine Wange brannte.
01:25:55: Aus Versehen hatte sie ihn mit einem Fingernagel im Gesicht gekratzt, Rötung und Schmiss versuchte er vor Kollegen als Malheur beim Rasieren zu kaschieren.
01:26:05: Sabine bestand darauf dass er das Auto Zuhause ließ.
01:26:09: Erst solle er sich einleben dann könnten Sie das Haus verkaufen und erst danach würde sie mit dem Auto nachkommen.
01:26:17: so und nicht anders, wenn überhaupt.
01:26:20: Solle er doch den Zug nehmen und sich am Bahnhof abholen lassen?
01:26:25: Aber Sabbel!
01:26:27: sagte er.
01:26:28: Welchen
01:26:29: Zug?!
01:26:31: Wie stellst du dir das vor?
01:26:33: Fahren die nicht mit der russischen Spur?
01:26:35: Da kommt man doch gar nicht hin.
01:26:38: Doch kam an über Bebra.
01:26:43: Bis er am östlichsten Ende dieses Sonderbahn Landes angekommen war, verging ein ganzer Tag.
01:26:48: Stand er an zugegen Kontrollpunkten hatte sich Zigaretten am Leipziger Bahnhof gekauft einer Kathedrale von Bahnhof und aufgeregt am Gleis gleich vier davon geraucht wie einen Talismann umklammert der eine Zeitung von Zuhause die er nicht las.
01:27:06: Stattdessen starte er die Leute im Abteil derart aufdränglich an und lauschte ihnen so auffällig, dass er mehrmals angesprochen wurde.
01:27:16: Der Trachtprügel, die man ihm androhte, sollte er nicht endlich weggucken entging er nur durch den Verweis auf seine Herkunft.
01:27:23: Ich bin nicht von hier, sagte er entschuldigend als hätte das niemand bemerkt.
01:27:32: Am Sanditzer Bahnhof stieg er aus.
01:27:34: Der Bahnsteig war geflastert, die Steine locker.
01:27:38: Das Licht der Laternen fiel orange auf die Gleise.
01:27:42: Es war hell und gleichzeitig dunkel, schumrig wie die Weihnachtszähne in einem alten Adventskalender mit Bildchen hinter den Türen.
01:27:50: Die Stadt, die irgendwo an dem Bahnhof grenzen musste, war nicht zu erkennen – Sanditz!
01:27:58: In seinem Kopf klang das Wie Atlantis ein unentdeckter, unbekannter Ort ob hinter einer Mauer oder am Meeresgrund.
01:28:07: unerreichbar, bis jetzt.
01:28:10: Die Nacht hatte sie verschluckt und die rosigen Scheiben der Bahnhofshalle bis zur Unkenntlichkeit verzerrt – er würde sie
01:28:18: entdecken.".
01:28:34: Auch Ostdeutschland, und hier hat man diesen Blick sozusagen von außen aus dem Westen.
01:28:41: Und das kommt am Schluss des Buches.
01:28:42: Warum war es wichtig diese Perspektive auch normal aufzunehmen?
01:28:47: Erst mal gibt's mit dem zweiten Solitaire diesen Maruan, diesem syrischen Studenten.
01:28:51: Gibt es auch so eine der von Außen kommen sind immer Leute die wirklich richtig von Außenkommen gar keinen Bezug haben.
01:28:58: bei Peter Schulte funktioniert aber dieser Roman wird irgendwie auch ersichtlich wie er funktioniert.
01:29:02: denn wir sehen an einer speziellen Stelle, eine Beerdigung im Text.
01:29:07: Dass dieser Mann da sitzt... Wir erfahren das aus Toms Perspektive, dass der da auftaucht weil der, das stellt sie ihm raus mit der Großmutter verbunden ist.
01:29:17: also das kann man jetzt sagen die Großmütter arbeitet in diese Sparkasse und die Mutter auch ne?
01:29:21: Also so kommen die dahin.
01:29:22: Das sind auch die die ihn dann vom Bahnhof abholen und sozusagen in Sanditz integrieren bis er logisch irgendwann erfährt der Fremde ist, dass nicht die anderen fremd sind sondern logisch eben er.
01:29:36: Der kommt am Anfang völlig klar natürlich sehr überzeichnend daher wie so eine Karikatur.
01:29:41: aber das bricht sich natürlich im Laufe des Textes und auch er ist am Ende einer der auf irgendeine Art scheitert und überlegt weiterzumachen.
01:29:49: Aber ich dachte mir... ...der ist schon da!
01:29:53: Der ist immer mal aufgetaucht in Text Und jetzt wird es Zeit, dass wir ihn mal sehen Und das ist eben das Schöne an dieser Art von Methode, dass ich mir dann einfach die Freiheit nehmen kann und sagen kann okay jetzt kommt einfach jemand und der kriegt jetzt zwanzig Seiten.
01:30:09: Und es ist ja nicht nur so, dass er auf dieser Art und Weise erzählt wird.
01:30:12: Sondern wir erfahren dadurch ja auch noch mal mehr über die Familie.
01:30:15: Ich hätte sonst fertig das wahnsinnig langweilige gefunden den Arbeitsalltag der Großmutter und der Tochter zu erzählen.
01:30:23: Das ist halt also was gibt's da zu erzähln?
01:30:26: Aber auf diese weise bringe ich eine Figur rein Bringe nochmal einen anderen Ton rein Bring ne andere Perspektive rein Schilder aber auch noch was über die anderen Personen, die da sind.
01:30:36: Das ist überhaupt das, was ich an dieser Staffelstab-Methode so mag.
01:30:40: Es gibt ja also ein tolles Buch von Carsten McCullochs.
01:30:44: Der Herz ist ein einsamer Jäger.
01:30:46: Da ist es auch so gebaut.
01:30:47: Also da sitzt man am Anfang in einer kleinen Stadt in der Bar, an einem Dresen.
01:30:52: So kommt man in diesen Romanen rein und das zweite Kapitel ist dann also der Barkeeper.
01:30:57: Und das heißt, man erfährt immer etwas über die jeweilige Person, die gerade über die gerade erzählt wird, Was sieht die, was hat sie gesehen?
01:31:04: Und haben die vielleicht sogar das Gleiche erlebt aber aus unterschiedlichen Perspektiven.
01:31:09: Das mag ich total an dieser Erzählweise und deswegen musste der am Ende auch rein.
01:31:13: Ich habe da auch drauf bestanden.
01:31:14: Das sind dann so im Lektoratsprozess.
01:31:16: natürlich haben die ja auch gesagt im Verlag naja Seite vierhundert nochmal eine neue Figur einzufügen ist schon ganz schön mutig.
01:31:22: Sie sagt Ja, aber der muss sein!
01:31:26: Der ist wichtig weil er eben auch so ne Zeit verknüpft.
01:31:28: Das ist dann Anfang der Neunziger, ist er auf einmal da.
01:31:31: Dadurch erfahren wir wie ging es diese Familie anfang der Neuenziger?
01:31:34: Was haben die eigentlich gemacht?
01:31:37: und das ist so schön daran.
01:31:39: Deswegen war das entscheidend.
01:31:41: Also freuen Sie sich auf die Seite vierhundert neun im Buch mit der Schulteraufdauung aber auch auf die anderen Vierhundert dreieinachtzig, Vier-hundertneunzig Seiten.
01:31:50: wirklich eine ganz große Empfehlung für dieses Buch Sanditz.
01:31:53: also man liest das wieso in einem Rausch, man springt zwischen den Zeiten und das Schöne ist man knüpft die vielen fährten Puzzleteile, Geschichten, Mikromomente, die du auslegst.
01:32:03: So knüpft man dann zum großen Bild von dem ich auch noch nicht genau weiß was es mir sagt aber es arbeitet sozusagen in mir.
01:32:09: das finde ich sehr gut.
01:32:11: und ja also vielen herzlichen Dank fürs hier sein und vor allen Dingen über Lukas Riedschel.
01:32:15: Herzlichen Dank für's Lesen, fürs Antworten.
01:32:17: Danke für
01:32:17: die Einladung!
01:32:18: Im Podcast Sendung der literarischen Gesellschaft Thüringen.