00:00:02: Im Podcast Studio Literatur.
00:00:12: Eine Sendung der literarischen Gesellschaft Thüringen.
00:00:19: Ja, hallo und herzlich willkommen hier auf der Literatortasche in Weimar.
00:00:24: Schön dass Sie alle da sind so ein volles Haus.
00:00:27: Mein Name ist Stefan Petermann.
00:00:28: Ich darf durch den Abend führen Und ich freue mich sehr den Gast heute abend begrüßen zu können.
00:00:32: Ganz herzlich Willkommen weimar.
00:00:33: Liebe Don Pablo.
00:00:42: Ja dank für die Einladung.
00:00:44: Freue mich hier sein zu dürfen und freu mich das so viele Leute gekommen sind.
00:00:48: Genau, und das wird sich heute auch sehr lohnen.
00:00:50: Wir werden über viele Sachen sprechen.
00:00:52: Dieses Buch steht dabei im Zentrum Hundeheimat der Osten meiner Familie und Antra Rätsel.
00:00:57: Und eigentlich kommt an dieser Stelle immer so die Vita des Autors, die man dann präsentiert.
00:01:03: Ich würde es heute mal auf zwei Eckpunkte beschränken weil in dem Buch geht's ja um deine Geschichte, um dein Werdegang aber vielleicht sagen, dass ich in Eberswalde geboren habe und arbeite heute als Journalist, als Motorator, als Autor Und viele kennen mich dann doch als Podcaster.
00:01:18: Springer Stiefel ist ein Podcast, wer ihn noch nicht gehört hat – ganz große Empfehlung!
00:01:22: Wenn man etwas wissen möchte über die Gegenwart gerade in Ostdeutschland.
00:01:26: vielleicht sprechen wir im Ende auch nochmal darüber und vielleicht zu Beginn die Frage um so ein bisschen reinzusleiten in das Gespräch was war denn für dich der Anlass zum Schreiben?
00:01:34: Zu sagen ich will mich mit meiner Geschichte beschäftigen, auch nochmal zurückgucken.
00:01:38: Also die Entscheidung irgendwie die eigene Geschichte oder Familiengeschichte aufzuarbeiten Die habe ich ja so ziemlich getroffen, als wir die erste Staffel des Springerstiefepodcasts gemacht haben.
00:01:55: Und da spreche ich viel über Familiengeschichte und erfahre auch vieles selbst zum ersten Mal.
00:02:06: Dann kam mein Kollege Henrik Bolz auf mich zu, der zu dem Zeitpunkt auch schon ein Buch geschrieben hatte.
00:02:12: Er hat mich gefragt, willst du nicht auch einen Buch schreiben?
00:02:16: Und ich war erst mal total überwältigt davon, weil ich gar nicht so... Also ich selbst hatte... ...komme jetzt nicht aus dem Elternhaus.
00:02:23: Wo es irgendwie großartig Zugang zu Literatur gab und deshalb hatte ich total so Berührungsängste mit dem Handwerk an sich.
00:02:33: Weil ich mir gedacht habe, ich weiß ja gar nicht ob ich das überhaupt kann.
00:02:36: Dann hieß es, versuch's da rauszufinden.
00:02:41: Ja, jetzt sitze ich hier!
00:02:44: Ein großes Glück, möchte ich sagen.
00:02:46: Aber du bist ja Journalist
00:02:48: und
00:02:49: fragst eigentlich andere Leute nach ihren Leben, nach Ihren Empfinden?
00:02:52: Wie war das für dich dann vielleicht auch nochmal auf sich selbst zu schauen, auch sozusagen andere zu befragen an was sie sich erinnern also vielleicht auch mit Bekanntes sprechen die man ein paar Jahre nicht gesehen hat oder vielleicht auch gerade mit Familie und Freunden.
00:03:06: Hast Du Dich da besonders vorbereitet?
00:03:08: War das schön?
00:03:08: War es vielleicht auch und bestimmt stellen bisschen seltsam?
00:03:14: Ja, also gerade in der Recherche zum Springerstiefe-Podcast.
00:03:21: Da war es anfangs schon sehr merkwürdig, weil ich da hauptsächlich ins Gespräch mit meinen Eltern gehe und zu dem Zeitpunkt haben die erst wieder einen... sind gerade erst frisch zurück nach Deutschland gekommen und so vor waren wir über zehn Jahre getrennt von ihnen.
00:03:38: Das heißt das war schon ein sehr seltsames Eltern-Kind-Verhältnis und dann über diese Zeit zu sprechen,
00:03:46: war glaube ich...
00:03:48: Also mir war klar dass diese Gespräche irgendwie notwendig sind weil da ganz viel ausgelassen wurde.
00:03:55: Aber es war auch irgendwie ganz dankbar das sich da so diesen beruflichen Kontext dazwischen schieben konnte und dann sagen konnte ne wir machen das ja hier für den Podcast.
00:04:05: Ansonsten würde ich gar nicht nachfragen.
00:04:09: Ja, und die Gespräche wandern tatsächlich auch ja aufwührend emotional.
00:04:18: Und ich glaube für meine Eltern anfangs vielleicht noch etwas ungewohnt.
00:04:23: Für mich auch.
00:04:25: Ich glaub so beim Buch schreiben darf ich sie gar nicht mehr großartig hier und da mal zwischen tschönd angel irgendwie was gefragt Und ich glaub, da gab's ja nicht so den einen Tag.
00:04:37: Sondern immer mal wieder, wenn man irgendwie Sonntag zum Kaffee und Kuchen hingefahren ist... ...und dann nochmal eine Frage gestellt hat.
00:04:45: Das Ding ist es kommt heute sogar noch manchmal vor.
00:04:49: Also meine Eltern wussten ja natürlich, okay der schreibt gerade an einem Buch, der wir Dinge wissen?
00:04:55: Und das Buch ist fertig!
00:04:56: Dann sagt mir meine Mama, ja ich hab mal in Weißwasser gewohnt.
00:05:00: Da frag ich das jetzt erst.
00:05:05: Ich finde das wahnsinnig, dass du mir das jetzt erst erzählst.
00:05:08: Und ich glaube so... ...ich glaube es geht allen Leuten oder vielen Leuten.
00:05:13: so viele Dinge die man selbst für so banal hält sind für andere Leute vielleicht doch ganz interessant und vielleicht auch wichtige Anhaltspunkte.
00:05:26: Es gab jetzt nicht diese akribische Vorbereitung auf die Gespräche.
00:05:33: Aber es gibt ja vielleicht noch eine zweite Auflage, wo du das dann nachfügen kannst sozusagen.
00:05:37: Die Informationen die jetzt im Nachgang des Buches für dich vielleicht noch wichtig sind in der Geschichte mit einzufügen.
00:05:43: und du beginnst auch das Buch mit dem Prolog, wo dir so ein bisschen beschreibst eben was dich dazu gebracht hat, dich in dieses Schreiben zu begeben.
00:05:53: Vielleicht magst du da einen kleinen Auszug lesen?
00:05:55: Yes!
00:06:00: Ich überlege gerade ob ich noch Kontext gebe.
00:06:06: Der Kontext kommt danach.
00:06:41: Hand in Hand sitzen wir im Schatten der blühenden Mangebäume, die mein Urgroßvater vor Jahrzehnten nach seiner Befreiung als Sklave geplant hat.
00:06:49: Ja?
00:06:50: Mein Urgroßenvater war ein Sklave!
00:06:52: Als ich davon zum ersten Mal gehört hatte, verschlug es mir die Sprache.
00:06:56: Ich werde in diesen Buch darauf zurückkommen Dass heutige zu Hause meine angolanischen Familie sind Die Felder auf den weiße Teufel einst nach Blut lächsten und versuchten meinem Urgroßevater mit der Peitsche die Würde aus dem Leib zu reißen aber vergeblich.
00:07:11: Er ließ sich hier nieder, baute ein Haus und bewirtschaftete das Feld so dass meine Großmutter hier meinen Vater ihr erstes Kind zur Welt bringen konnte.
00:07:20: Ich war nie religiös und wer mich kennt der weiß dass mir eigentlich nichts ferner liegt doch an diesem Ort empfinde ich zum ersten mal in meinem Leben so etwas wie Spiritualität.
00:07:30: Hier nehme ich ein unbeschreibliches Gefühl wahr einer Art Stimme die mir sagt endlich bis zu Hause.
00:07:37: Das Haus meiner väterlichen Familie liegt am Rande der ostangulanischen Kleinstadt Lumbar-Langimbo, in der Provinz Mochico.
00:07:45: Während der portugiesischen Kolonialzeit hieß dieser Ort noch Villa Gargo Coutinho benannt nach dem Portugiesisch Abenteurer.
00:07:53: Gargo coutinho hat als erster per Flugzeug den Südatlantik überquert und war außerdem ein grausamer Marineoffizier.
00:08:01: Er war maßgeblich an der Vermessung und Kartografierung Angolas beteiligt, und somit ein zentraler Architekt des portugiesischen Kolonialapparates.
00:08:10: Zu seiner Heldigung gaben die Portugiesen dem Ort seinen Namen.
00:08:15: Im Winter, im Jahr zwanzig, erfuhr mein Vater durch einen zufälligen Hinweis aus Angola das seine längst tot geglaubte Mutter noch lebte – mehr als fünfzig Jahre nachdem der Bürgerkrieg in Angola meinen Vater und seine Familie auseinandergerissen
00:08:30: hatte.".
00:08:31: Über einen Bekannten erhielt er die Nummer seiner jüngeren Schwester Maria.
00:08:35: Zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren hörten sie wieder ihre Stimmen.
00:08:39: Natürlich klang sie nicht mehr so wie damals, aber dieses Gespräch zwischen Maria und meinem Vater offenbarte das unsere Familie lebendig ist, dass unsere Familie groß ist und das Lumbar lang Gimbo auf seine verlorenen Kinder wartet.
00:08:54: Familie war für mich lange nur ein Wort für Jene, die eine wie andere Menschen auch verlassen oder gar verletzen können.
00:09:00: Ich hatte nie verstanden, was Familie eigentlich heißen soll.
00:09:04: Hatte immer Zweifel an dem Konzept.
00:09:06: Doch die Reise nach Lomar lang Jimbo hat alles verändert.
00:09:09: Für mein Vater war noch nur wenigen Telefonat mit Maria klar, dass er so schnell wie möglich nach Angola musste um nicht die Chance zu verpassen ein vielleicht letztes Mal seine Mutter in den Arm zu nehmen und für mich war klar das ich ihn auf dieser Reise begleiten musste.
00:09:24: dann auch wenn ich meinen Vater mittlerweile jeden Tag sehen kann ist er mir doch oft ein Rätsel.
00:09:29: Ich bin so ziemlich ohne Eltern aufgewachsen.
00:09:31: Genauso wie er.
00:09:33: Er allein in Angola, ich allein in Ostdeutschland.
00:09:37: In einer Zeit, in der vieles was als normal galt nicht normal war.
00:09:42: Ich sehnte mich nach Antworten.
00:09:43: Nach Antworten auf Fragen wie wer ist mein Vater und wer kommt er?
00:09:47: Was bedeutet unser Name?
00:09:49: Wer ist die Familie, ohne die ihr aufwuchs?
00:09:51: Warum wuchs ja ohne sie auf?
00:09:52: Was hat das alles mit mir zu tun?
00:09:54: Was ist Heimat und welche Rolle spiele ich in all
00:09:57: dem?".
00:09:58: Papa, mittlerweile habe ich Antworten.
00:10:00: Ich habe auch eine Antwort auf deine Frage von damit bevor ihr du und Mama weggegangen seid und ich allein in Brandenburg geblieben bin.
00:10:08: Du musst wissen wer du bist.
00:10:09: also Wer bist du in Hunderheim hat?
00:10:13: Papa, ich bin Don Pablo Mulemba ein ganz normaler Affro aus sie das Ergebnis einer unerwünschten Liebe in einem land indem man dich und mama gejagt Deine Kinder bespuckt und deinen Freund gelünft hat.
00:10:26: Der Spross Lumbar lang Gimbus, auf dessen Feldern das Blut meiner Vorfahren vergossen wurden.
00:10:31: Derjenige der die Geschichten unserer Heimat und die unsere Familie weiter tragen wird damit sie niemals in Vergessenheit geraten.
00:10:38: Meines Urgroßvaters künstler
00:10:40: Traum.".
00:10:51: Diese Reise, die du da ankündigst ist ja die Klammer.
00:10:54: also woauf das Buch dann auch zuläuft trotzdem mit dir noch mal einen Schritt zurückgehen, gar nicht sofort zu deiner Geschichte kommen sondern nochmal zur Geschichte deines Vaters kommt.
00:11:05: Weil das Buch ist recht chronologisch erzählt also beginnst eben mit der Geburt hast auch deine Großmutter beschreibst du aber Prinzipes relativ chronologische und dann gibt es aber ein Kapitel über deinen Vater und erklaren Lars dassendach ist eigentlich ein eigenes Buch.
00:11:19: Also das war wirklich so viel gepackt, soviel Gepakten im Leben sowie Zeitgeschichte auch so viele von den Fragen die wir uns Wie ist die Welt, wie sie heute ist?
00:11:30: Und auch auf die Ostdebatte.
00:11:31: Weil da gibt es halt die blinden Flecken, nämlich der Vertragsarbeiter und auch noch mal ganz besonders den Fleck der Vertragesarbeiter aus Angola.
00:11:40: War das eigentlich schwierig diese Information zusammenzutragen von deinem Vater?
00:11:44: Hast du dafür extra noch recherchiert oder war das eigentlich schon immer in deiner Familie sozusagen wissen was vorhanden war?
00:11:51: Ich glaube gar nicht so richtig.
00:11:55: Manche Sachen Manche Sachen habe ich dann, ich glaube gar nicht jetzt so proaktiv nachgefragt oder erfahren worden.
00:12:03: Sondern es kamen eher mehr in Gesprächen und haben sich manche Dinge einfach ergeben.
00:12:13: Ich habe ihn zum Beispiel irgendwann mal gefragt ja warst du schonmal in Russland?
00:12:15: Und da meinte ich damals in der ehemaligen Sowjetunion weil wir als Angulaner die aus einem sozialistischen Bruderstaat kommen mussten wir für militärische Ausbildungszwecke in die Sowjetunion und haben dort für mehrere Monate gelebt.
00:12:33: Und dann... ...in den Folge dieses Gesprächs kamen wir dann auch, also habe ich es dann aus Neugier, okay, und wie ging's dann weiter?
00:12:42: Na ja, da mussten mir wieder zurück nach Angola wieder in den Krieg.
00:12:49: Das ist das passiert!
00:12:50: Also ich glaube, dass war dann immer so neugieriges Nachfragen.
00:12:55: manchmal Hat sich das ergeben und manchmal habe ich dann aber auch an einem Punkt gemerkt.
00:13:01: Das Ding ist, dessen war ich mir auch klar... Ich kann ihn jetzt nicht mit Fragen bohren!
00:13:07: Also ich kann den jetzt nicht durchlöchern, weil ich glaube vieles was er erlebt hat, war glaube ich da noch einfach sehr schmerzhaft.
00:13:14: Ich glaube so ein Leben im Krieg möchte man sich einfach ungern vorstellen.
00:13:23: Ich hatte auch ein bisschen Angst oder Sorge davor, dass ich da jetzt irgendwie Sachen in ihm hoch holen könnte.
00:13:31: Die er vielleicht einfach lieber verborgen lassen hätte, also das lieber unausgesprochen bleiben.
00:13:41: Genau und deshalb habe ich mit so einer gewissen Vorsicht mich nur an manche Themen
00:13:48: rangewagt.".
00:13:50: Hat dein Vater das Buch oder auch das Kapitel gelesen?
00:13:53: Gab es seine Reaktionen darauf?
00:13:55: Nee.
00:13:58: Naja, also der ist jetzt hier zwar seit ... ... siebenundachtzig
00:14:03: in Deutschland
00:14:04: aber ich glaube der... Ich habe ihn erst einmal mit einem Buch gesehen und es war einer denkbar ungünstigen Situation.
00:14:22: Er wüsste euch das Vorstellen mein Vater?
00:14:24: Der ist so ein sechsten Achtzig großer Rasta-Fahrerie mit ganz langen RedLogs Ein richtiger Raster-Mann.
00:14:31: Und so, im Jahr zwei tausend Eins sind wir nach Angola geflogen und mein Vater hat ein Buch dabei.
00:14:39: Das Biografie von Osama bin laden!
00:14:41: Ich war so Bruder weißt du?
00:14:43: Also Rückblicken war ich so...
00:14:46: ...zwei Tausend Eins ja?
00:14:47: Ich
00:14:47: glaube das ist für den Jahr zwei Tausende Eins oder zwei Taussend Zwei.
00:14:49: Das waren unsere erste Reise nach Angolan.
00:14:51: Es war erst mal seitdem dass ich geflogten bin.
00:14:54: Und ich weiß nur noch also ich glaube mich daran erinnern zu können Meine Schwester kann sich besser daran erinnern, wer die sechs Jahre älter ist als ich.
00:15:04: Meine Schweste meinte, mein Vater wurde angeguckt wie ein außerhüterscher, weil das weiter hat.
00:15:09: nichts hat zusammengepasst.
00:15:10: Da siehst du so einen großen Raster Fari mit zwei schwarzen Kindern am Flughafen und dann diesen Buch... Also er hat das noch nicht gelesen aber er war bei einige Lesungen dabei und hat es da dann halt gehört.
00:15:30: Vielleicht hört er noch das Hörbuch.
00:15:32: Stimmt, das sprichst du dann wahrscheinlich ein?
00:15:34: Ja, okay.
00:15:36: Kannst du dein Auszug vorlesen über seine Geschichte oder die Geschichte der Vertragsarbeiter?
00:15:45: Also ich habe mir so einen Auszug rausgesucht weil ich glaube, dass es immer kann man Geschichtsbuch nachlesen.
00:15:54: Es gab Vertragesarbeiter aber niemand weiß eigentlich so richtig wie deren Leben aussah und deshalb dachte ich für dieser Abschnitt ganz gut passen.
00:16:08: Die Lebensumstände der Vertragsarbeiter unterschieden sich.
00:16:12: Entscheidend war, welche Deals ihre jeweiligen Heimatländer mit der DDR abgeschlossen hatten.
00:16:18: Die Angulana hatte es besonders beschissen getroffen.
00:16:22: Ihnen wurden nach der Ankunft die Pässe abgenommen und die meisten von ihnen mussten für einen lächerlichen Lohn schwer schuften entweder bei Schlosserarbeiten im Ebersweiter Kranbau oder beim Ausnehmen von Fleischwaren – mit anderen Worten Von der sagenumwobenen Solidarität des sozialistischen Bruderstaats war nach der Ankunft der Angulane in der DDR nichts mehr zu spüren.
00:16:43: Die Vertragsebeiter wohnten im AWU, in arbeiter Wohnunterkünften.
00:16:48: Ich finde diese Bezeichnung allerdings nicht angemessen.
00:16:51: ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster.
00:16:53: eigentlich hätte es ausgebeuteten Wohnuntergrund teisen müssen.
00:16:57: Unterkünfte gibt es für Reisende, Soldaten und Geflüchtete oder Wohnungslose.
00:17:03: Unterkünfte sind Orte, die dazu bestimmt sind dass sich dort jemand eine bestimmte Zeit aufhält und dann wieder verschwindet.
00:17:11: Durch diese Bezeichnungen wurden alle eventuell auf kommenden Fragen bezüglich der Aufenthaltsaussichten der Vertragsarbeiter aus dem Weg geräumt.
00:17:19: Mein Vater und seine angolanischen Kollegen waren zur Verwertung nach Deutschland geholt worden, zu keinem anderen Zweck.
00:17:26: Nicht aus brüderlich-sozialistischer Verbundenheit und auch nicht aus Nächstenlebe sondern einzig und allein bei der Nachkriegswohlstand, die sich im Osten von kollektivistischem Großbetrieben äußerte ihr sie nach dem Mauerfall vom Westdeutschen gekauft wurden, mit arbeitenden Menschen unterfüttert werden musste.
00:17:42: Menschen die man aufgrund ihrer ohnehin schon beschissenen Lebenssituation in einem lächerlich migrigen Lohn abspeisen konnte.
00:17:49: dafür eigneten sich natürlich junge Männer Am besten junge Männer, denen man körperlich noch ordentlich etwas abverlangt konnte.
00:17:57: Und wenn die zusätzlich auch noch Hoffnung auf ein besseres Leben hatten weil sie seit ihrer Kindheit nichts anderes als Krieg kannten.
00:18:04: umso besser.
00:18:05: das waren nämlich diejenigen die richtig motiviert waren Weil Sie an den Märchen die ihnen erzählt wurden tatsächlich glaubten und sich nicht beschwerten.
00:18:15: Die Vertragsarbeiter wurden wie Material behandelt.
00:18:19: Material hat keine Bedürfnisse Wünsche Hoffnungen und Gefühle.
00:18:24: Material wird
00:18:25: verwertet.".
00:18:26: Und um sicher zu gehen, dass das Material optimal verwertet werden konnte, wurden die Vertragsarbeiter kontrolliert und überwacht.
00:18:33: Der Kontakt zur DDR-Bevölkerung war unerwünscht.
00:18:37: Liebschaften mit Deutschen waren auch unerwinst.
00:18:39: Das Gründen einer Familie – unerWünschte.
00:18:42: Auch das Heiraten war unervünsht.
00:18:44: Wenn ich meine Mutter zu diesen Themen befrage, fällt immer wieder dieses Wort «unerwündt».
00:18:50: Das macht mich stutzig!
00:18:51: Das Wort verboten kommt nämlich nie vor.
00:18:54: Unerwünscht ist ein beschönigender Begriff für verboten.
00:18:58: Zwischen unerwinscht und verboten käme noch das Wort untersagt.
00:19:02: Schon als Kind wusste ich, dass wenn etwas unerwinst oder untersagt ist und man es trotzdem macht, es richtig stressigen Ärger gibt – und man konnte einfach keinen richtigen Stress mit dem DDR-Regime gehabt haben wollen!
00:19:15: Bei Verboten denke ich an Polizei-Handschellenknast.
00:19:19: Warum hat die DDR es den Vertragsarbeiter nicht einfach verboten, Kontakt, Liebschaften oder gar Kinder mit Deutschen zu haben?
00:19:27: Die Antwort ist ganz einfach.
00:19:28: Weil die Vertragssarbeiter laut Abkommen noch immer Staatsbürger aus Bruderstaaten waren und ideologische Geschwister haben sich in vollkommener Gleichheit auf Augenhöhe zu begegnen.
00:19:38: Und um diese Märchenerzählung aufrechtzuerhalten galten bestimmte Dinge beschönigend als unerwünscht.
00:19:44: Wer sich dem Unerwünschten widersetzte, dem drohten Sanktionen.
00:19:48: Die jeweiligen Vertragsarbeiterabkommen enthielten Klausin die Beispielsweise im Falle einer Schwangerschaft, Vertragspruch, die Zwangsbeführung ins Heirkunftsland und den Verlust von Lohnansprüchen bedeuteten.
00:19:59: Wobei Letzteres aufgrund der Tatsache dass die Ausgebäudeten ohnehin schon um mehr als die Hälfte ihres Hungerlohn gebracht wurden besonders zynisch
00:20:07: erscheint.".
00:20:09: Ich bin zwar kein Experte aber all diese Umstände hören irgendwie nach moderner Sklaverei an.
00:20:16: Sicher würden dem so einige widersprechende ein Leben in Sklaverei im traditionellen Sinne noch viel schräglicher aussieht, allerdings kann es doch kein Anspruch sein auszutesten wie viele Rechte man einem Menschen entziehen kann ehe man von Sklaverecht spricht.
00:20:33: Mein Vater und all die Tausenden Vertragsarbeiter wurden in den Fabriken ausgebeutet, durch soziale Kontrolle und staatliche Repressionen menschlich.
00:20:41: Und letzten Endes um den ihnen rechtmäßig zustehenden aber lächerlichen Lohn betrogen.
00:20:46: Nach dem Auffall, als sie da nicht mehr gebraucht worden hat man sich wie viele andere Menschen aus Westdeutschland einer tödlichen Welle von Einzelfällen überlassen.
00:20:55: Amadeo Antonio Quiova Roche, Joao, Gomonday.
00:21:26: Manchmal frage ich mich, in was für einem Land wir heute leben würden.
00:21:30: Wenn man all die Märchen über Brüderlichkeit und Solidarität an die so viele Menschen geglaubt haben hätte wahrwerden lassen müssten am Papas Kollegen mit denen er damals in dieses Land gekommen ist noch immer ihren Kummer an der Flasche oder mit der Spritze betäuben.
00:21:45: Und heimlich frage Ich mich auch ob ich noch immer so ein unbehagender Behätte Deutschland meine Heimat zu nennen.
00:21:52: wären all Die Märchen von Damals wahr geworden?
00:22:04: Deutest das ja auch schon an, also du beschreibst die Situation wie dein Vater nach die DDR kommt.
00:22:09: Die Situation in der DDR aber dann auch wie es eben nach neunundachtzig-neunzig weitergeht.
00:22:15: Also da gab's so eine Zeile, dass du sagst, es gibt ein Angola immer noch die Met Germans, die darauf warten, dass sie den Lohn, der eigentlich zusteht, noch einfordern.
00:22:25: Die wurden halt einfach nicht ausbezahlt.
00:22:28: Ja, also diese Met Germans... Das sind aus Mosambik, nicht in Angola.
00:22:33: Aber natürlich gibt es auch ähnliche Bewegungen mit Angola.
00:22:38: Also das wurden tatsächlich... das waren dann einfach.
00:22:42: ich glaube ganz viele Menschen arbeitende Menschen wurden einfach von Politikern hinters Licht geführt Es wurden falsche Versprechungen gemacht die wurden quasi angelogen.
00:22:55: und deshalb gehe ich dann irgendwann bin ich dann auch in diesem Buchschreibprozess dachte ich mir irgendwann auch so, naja nee.
00:23:03: Auch aus einer politischen Perspektive hat eine gewisse Entmenschlichung stattgefunden weil das ist ja keine... Das ist ja kein Flunkern!
00:23:13: Das is' ja ne Lüge die Leben betreffen, Schicksale betrefen und deshalb lasse ich mich dann irgendwann noch auf ein, dass sich soweitke uns sage, nee, die wurden wie Material behandelt, weil politisch gesehen waren sie nichts weiter als Arbeitskräfte und als mehr wurden sie dann auch nicht gesehen.
00:23:37: Und ich glaube, wenn man auf politischer Ebene diese Art von Entmenschlichung stattfindet, kann man dem, glaube ich so einiges zumuten...
00:23:50: Ich dachte beim Lesen es gibt so viele Erzählungen, soviele Bücher, soviel Geschichten, so viel Dokumentation und Film über n' eighty-neunzig.
00:23:57: Aber das was du da erzählst Das hat da bisher kaum stattgefunden.
00:24:02: Also das Ding ist, dass es jetzt kein Geheimnis ist, das ja auch so generell Ostdeutsche Interessen nach dem Mauerfall und ostdeutscher Perspektiven und Meinungen in den bundesrepublikanischen Medien einfach unterrepräsentiert waren.
00:24:21: Und wenn sie repräsentiert wurden, dann wohnen sie halt einfach.
00:24:24: Dann waren das oftmals falsche Darstellungen.
00:24:29: Und jetzt muss man sich nur mal vorstellen, wenn schon die Bereitschaft Ostdeutsche Perspektiven aufzuzeigen so gering ist wie hoch es dann die Bereitschaft die Perspektive und Lebensrealitäten von ostdeutschen Vertragsarbeitern darzustellen.
00:24:44: Die kommen ja wirklich jetzt aller Allerletztes.
00:24:48: Und ich glaube einfach dadurch das auch zu DDR-Zeiten ja auch politisch Alles dafür getan, diese Vertragsarbeiter zu isolieren.
00:25:00: Auch von der DDR-Bevölkerung möglichst zu isolierend hat auch irgendwie so eine Art Unsichtbarmachung dieser Menschen.
00:25:11: Viele Leute, denen ich noch in Brandenburg begegne... Auch im meinem Alter, die wissen nicht mal das in den Siebzigerjahren.
00:25:20: Also seit den Sechzigern und Sechzigerjarren schon ... Also Vertragsarbeiter in die DDR gekommen sind, die wissen es einfach nicht.
00:25:29: Und ich glaube... also ich finde's irgendwie ein Jammer!
00:25:34: Ich find so wie eine Schande.
00:25:36: das ist ja Geschichte und wenn darüber kein Kenntnis vorhanden ist dann kann man echt großen Schaden mit anrichten wenn da keine vernünftige Aufarbeitung stattgefunden hat.
00:25:51: Dein Vater hatte aber das Glück dass er deine Mutter kennengelernt hat?
00:25:55: und dadurch die Möglichkeit einfach bekommen hat, in Eberswalde zu bleiben.
00:25:58: Die haben beide in der Wurstfabrik gearbeitet?
00:26:00: Ja!
00:26:02: Und sich da auch kennengelernt?
00:26:03: Nicht an einer Busfahrtstelle auf dem Weg zum Betrieb.
00:26:12: Das ist witzig, weiß ich nicht wie es hier in der Region ist aber in Everswalde das war so... Das ist Schlacht- und Verarbeitungskombinat Eberswalde.
00:26:26: Und da haben ... Zu damaligen Zeit war das der größte Fleischproduzent Europas, die modernste Anlage.
00:26:35: Das waren riesengroße Arbeitgeber.
00:26:38: Das Witzige ist einfach, meine Oma hat da gearbeitet.
00:26:43: Meine Tante hat da gearbeitet!
00:26:46: Der Mann meiner Oma ist nicht mehr das Richtige.
00:26:49: Blutzoper, aber der Mann meiner Oma hat da gearbeitet und meine Eltern haben da gearbt.
00:26:53: Da haben die sich auch noch kennengelernt.
00:26:55: also irgendwie das Gefühl ja irgendwie hat für mich alle dieser Fleischfabrik begonnen.
00:27:08: Ist die Fabrik heute noch existent?
00:27:10: Was gibt es dir noch?
00:27:14: Surprise surprise!
00:27:15: Dieser Betrieb wurde aufgekauft von Tönnies.
00:27:20: Also wenn ihr jetzt Eberswalter Wurst irgendwo im Supermarkt seht, das ist eigentlich Tönnies Wurst.
00:27:25: Und die haben sich Anfang des Jahres dazu entschieden mehrere Tausend Mitarbeiter zu entlassen also Old Story.
00:27:34: Trotzdem ist es ja schön dass da eine Liebesgeschichte entstehen kann.
00:27:37: deine Schwesterworte dann geboren und auch du dann in den neunzehige Jahren und beschreibst dann noch die Situation eben in Ebers Walter die ihr erfahren habt an vielen kleinen Beispielen, dass er mir belegt hat wo können wir denn lang gehen sind da viele Passanten.
00:27:55: Du beschreibst auch wie deine Mutter das Verdeck von dem Kinderwagen runterklappt damit man nicht reinschaut und dann vielleicht eine komische Bemerkung oder was Schlimmeres dann irgendwie passiert?
00:28:06: Ja ich glaube es ist so ein Anpassungsstrategien die man glaub ich in einer kleineren Stadt, das war natürlich auch bisschen naiv von meiner Mutter zu glauben wenn sie's verdeckt und da macht weiß niemand, dass sie ein schwarzes Kind hatte übers Weide hatte.
00:28:21: Ich glaube, es hat sich da schnell rumgesprochen.
00:28:26: Aber ich glaube das sind so klassische Anpassungsstrategien.
00:28:28: und wenn ich jetzt auch mit meinen Eltern gesprochen habe... Wenn ich meine Maren frage was für sie so am schwersten war, muss hat sie auch gesagt hey für Sie war wirklich am schwerste um dieses Gefühl so alleine zu sein.
00:28:44: also wenn die irgendwie Anfeindungen erlebt haben, rechte Gewalt erlebt haben gab es keine Nicht-Betroffenen, die sich irgendwie solidarisch gezeigt haben.
00:28:54: Das war dann eher so... das ist nicht mein Bier hat mich nicht zu interessieren also beschäftige ich mich damit nicht und das hat meine ja also dieses Gefühl von man wird hier irgendwie ein bisschen alleine gelassen und ich glaube dass ist auch oftmals so.
00:29:11: dieses immer.
00:29:15: wenn so Wenn ich an diese rechtsextremen Gewalt hatten von damals denke, frage ich mich auch immer so, warum machen die das dann?
00:29:23: Also offensichtlich aus ihren offensichtlichsten Gründen.
00:29:27: Aber da steckt ja noch mehr hinter derens.
00:29:29: hier ist es ja auch dass sich die Betroffenen alleine fühlen.
00:29:34: und wenn denen auch noch signalisiert wird euch hilft hier niemand ihr seid tatsächlich alleine, weil ihr seid hier nicht willkommen.
00:29:43: Dann freuen sich rechtsextremen halt umso mehr und dann sind die halt happy, denn dann haben sie genau das erreicht was sie erreichen wollten.
00:29:49: und dass er versuche heute auch immer wieder zu predigen wenn Leute irgendwie fragen ja wie kann man irgendwie als nicht betroffene Person Widerstand zeigen?
00:29:57: Ich finde so die größte Form von Wider Stand ist so radikale Solidarität mit Betroffenen zeigen, weil damit wirkt man dem entgegen, damit zeigt man den Menschen nein ihr seid hier herzlich willkommen und wir wollen, dass ihr Teil unserer Gesellschaft seid.
00:30:14: Und deshalb bieten wir euch Hilfe an und wollen euch mit einbinden in unsere
00:30:18: Gesellschaft.".
00:30:26: Du hast den Namen ja schon erwähnt, Amadio Antonio der ein Bekannter deines Vaters war und du beschreibst es auch in einer Stelle des Buches aber beschreibts auch wie schwer sich die Stadt damit danach getan hat überhaupt zu sagen da ist was passiert.
00:30:38: ich musste daran denken an Krit Lempke.
00:30:40: Die hatte ein Buch über euer Swerda geschrieben.
00:30:42: Hast du auch schon erwänen?
00:30:42: Die Programm von?
00:30:44: Und ihr auch sagt, im Prinzip hat es zehn, fünfzehn Jahre gebraucht bis die Stadt irgendwie anerkannt hat.
00:30:49: Da ist was passiert und dann sozusagen sich damit auseinandergesetzt hat in Form von Gedenken oder Aufarbeitung begonnen ist.
00:30:55: Du beschreibst das ja auch dass ich Eberswalte da auch lange gebrauchte?
00:30:59: Ja!
00:31:00: Ich würde jetzt nicht sagen, dass Ebersweil jetzt super mit der Aufarbeitungen umgeht.
00:31:05: also ich muss ja nur... Alles nervt mich irgendwie aus ein bisschen.
00:31:13: Das einzige, was heute noch an Amadeo Antonio Innebasweide erinnert ist eine Gedenktafe.
00:31:18: Die ist ungefähr so groß wie ein Backblech und die hängt in der egalsten Ecke der Stadt.
00:31:24: Man kommt da echt nur zu... Da ist wirklich gar nichts!
00:31:27: Also wenn man als Touristin Nebazweide hört sich... Aber wenn man irgendwie zufällig Nebazeite strandet dann muss man Glück haben oder auch im Pech haben, in dieser abgelegenen Gegend zu landen und diese Gedenktafel zu sehen.
00:31:44: Und ich finde es ist ja noch mal so eine zusätzliche ... Ich find das eine peinlicher Art und Weise mit einem Fall umzugehen.
00:31:55: Das spricht irgendwie ein bisschen Bände.
00:31:58: Aber ich glaube gerade in den spät- neunziger Anfang der Zweitausender hat man schon versucht zu gut wie's geht.
00:32:11: diese rechte Gewalt der neunziger Jahre irgendwie zu kaschieren und am Teppich zu kehren, Leute die das benannt haben.
00:32:17: Leute die sich gegen Recht stark gemacht haben.
00:32:20: Wohnen als Nestbeschmutzern betitelt.
00:32:23: also es war ja einfach kein sauberer Umgang.
00:32:26: und es fängt aber auch glaube ich schon damit an kleine Anekdote als meine Eltern wieder nach Deutschland gezogen sind.
00:32:34: Im Jahr zwanzig muss mein Vater zur Ausländerbehörde um sein ... um irgendwelche Unterlagen sich unterschreiben zu lassen.
00:32:40: Und dann wollte er unbedingt zur Ausländerbehörde nach Ebersweide, weil er da ja die Leute kennt.
00:32:48: Oder ist er da angekommen und ich habe draußen gewartet, dann kam der wieder raus... ...und war so völlig... ...so entsetzt.
00:32:57: Ich hab gesagt, was ist denn los?
00:32:59: Der meinte so, die kenne mich gar nicht mehr!
00:33:02: Die behandeln mich als wäre ich erst... ...als wär' ich im Jahr zweitusendfünfzehn nach Deutschland geflüchtet.
00:33:09: Das Land mit aufgebaut.
00:33:10: Ich habe hier und da mitaufgebaut, ich bin doch Teil dieser Stadt und so.
00:33:14: Und nee ist er eben nicht mehr, weil es gibt einfach in diese Einschreibung dieser migrantischen Geschichte von Vertragsarbeiterinnen, diese Einsschreibung in die Eberspatterstadt-Geschichte hat nie wirklich stattgefunden.
00:33:31: Es gab eine Zeit lang noch glaube ich bis meine Teenager Jahre gab's dieses ehemalige Arbeiterwohnheimen wo die Vertragsbeiter gelebt haben.
00:33:40: Das gibt's nicht mehr, das ist abgerissen.
00:33:42: Da steht jetzt ein Aldi-Alter, das is so krass!
00:33:45: Und ich denke mir daraus hätte man ja...das ist so'n verschenkter Elfmeter.
00:33:50: Also wenn man da daraus hättemann irgendwie einen Dokumentationszentrum machen können Begegnungsstätte Wo Aufklärungsarbeit geleistet wird Einfach wie eine Art Museum Wo halt ostdeutsche Geschichte sichtbar gemacht wird.
00:34:03: Jetzt isser so'nen fucking Supermarkt alter herzig.
00:34:05: Das
00:34:06: zählt dann auch eine Geschichte.
00:34:07: Ja, und das... Ich glaube da fängt es schon an und ich glaube wenn daher auch nicht mal ein Wille ist diese Art von Geschichte irgendwie oder Identität darzustellen, ja dann würde ich auch erst recht nicht erwarten dass er irgendwie ne vernünftige Aufarbeitung im Punkt wo Rechtsegewalt stattgefunden
00:34:22: hat.
00:34:23: Du beschreibst oder sehr liebevoll auch deine Großmutter?
00:34:27: was im Kapitel geht, erzählt zu viel von ihr und dann beschreibst auch ihr Leben.
00:34:31: Das ist auch eine Geschichte von Klasse, von DDR-Biografie und an einer arbeiteren Biografie.
00:34:36: Und beschreib's doch dass sie dich und deine Schwester und dein Vater so ganz bedingungslos angenommen hat auch von deiner Tante die Familie.
00:34:43: Das beschreibts aber auch das sie dann am bestimmten Zeitpunkt sich verändert nicht euch gegenüber sondern wie sie auf die Welt schaut.
00:34:51: Dass sie dann eben beginnt zu schimpfen und rassistisch argumentiert fremdenfeindliche Sachen sagt.
00:34:58: Ist es dir das Schwergefall, dass zu schreiben?
00:35:01: Dass man vielleicht auch noch zuviel gegenwärtigen?
00:35:04: Nee, weil ich wusste ja schon... Also mit mir ist es nicht schwer gefallen aufzuschreiben, dass die irgendwann komisch wurde.
00:35:15: Ich habe sie bis zum Ende geliebt aber trotzdem war die irgendwann kommisch drauf.
00:35:18: so wenn diesen AfD-Sprecher aus dem Treppenhaus aufgeschnabbt hat und dann auf einmal angefangen hat, über Syrische Geflüchtete zu meckern.
00:35:27: Da hab ich den ja manchmal schon so vorgegangen, ja Oma du weißt aber schon deine Engekinder sind auch Kinder von Ausländern, da meinte sie ihr seid aber nicht gemeint.
00:35:37: Ja ist natürlich merkwürdig, aber spricht dir auch ein bisschen... also warum es mir auch wichtig war das irgendwie aufzuschreiben war halt so weil ich glaube Diese Erfahrung machen ganz, ganz viele Leute gerade.
00:35:53: Die vielleicht irgendwie in der Familie jemanden haben, der auf einmal setzsame Thesen... Teilweise ist es auch einfach menschenverachtende Thesen vertritt und man checkt nicht warum.
00:36:03: Und deshalb war es mir auch irgendwie wichtig, das aufzuschreiben zu zeigen.
00:36:06: Das macht vor einer Familie wie meiner Familie, wo die Hälfte aussieht wie ich, auch nicht halt.
00:36:14: da wird die Oma irgendwann komisch.
00:36:15: Ich habe dann versucht, Gründe dafür zu finden womit es halt zu tun hat, ob mir das gelungen ist, weiß ich auch nicht so richtig.
00:36:25: Also eher mehr so Mutmaßungen.
00:36:27: Ich glaube ganz viele Enttäuschungen auf vielerlei Ebenen aberkennung von Lebensleistungen einfach enttäuschen wir ihnen dann ein bisschen dieses Gefühl von... also das meine ich ja auch so.
00:36:42: ein richtiger Arbeiterin wo so Sie auch immer diesen Wert vertreten hat, arbeiten ist eine Tugend.
00:36:49: Dann aber durch dieses Arbeiten in der Fleischfabrik musste sie irgendwann an die Frührente, weil der Körper einfach kaputt gearbeitet war und dann ein Stück weit von einer Gesellschaft gespiegelt bekommt.
00:37:01: Du bist nicht mehr fähig für den Arbeitsmarkt also bist du uns egal.
00:37:04: so.
00:37:04: und dieses Gefühl glaube ich nicht mehr gebraucht zu werden und gleichzeitig zu sehen, dass die letzte Hausarztpraxis im Viertel schließt.
00:37:12: Dass der Bus nicht mehr alle halbe Stunde kommt, sondern nur jede Stunde kommt.
00:37:17: Dass sie in irgendwie ihre Hüft-OP nach Berlin extra fahren muss... Also das glaube ich hat ihr vielleicht so auf vielerlei Ebenen gespiegelt.
00:37:26: Du bist nicht mehr wichtig!
00:37:28: Wer du leistest ist nicht mehr.
00:37:30: Und ich glaube es sind ganz viele demütige Jungs Erfahrungen, die da damit rein spielen und dann wird es vielleicht eine Art von Ja, diese Wutkanne wird dann so in so komische Sprache und komische Haltungen reinkanalisiert.
00:37:44: Ich finde auch das Du versuchst diese Erklärung zu finden – auch für Dich zu finden!
00:37:48: Und gleichzeitig gibt's aber auch eine Passage wo Du sagst es gibt bestimmte Erklärungs- oder Experten die erklären warum sich gerade in Ostdeutschland so viele Menschen, bestimmte Menschen in kurzer Zeit radikalisiert haben und Du dann sagst du hast da keinen Bock mehr auf diese Erklarung?
00:38:04: Das ist für dich ausserziell.
00:38:05: schreibst Du an der Stelle.
00:38:07: Ich habe das jetzt nicht geschrieben, weil ich irgendwie der Meinung bin.
00:38:10: Das ist nicht wichtig da... ...zu Forschung und Ursachen zu finden?
00:38:13: Ich glaube, ich hab mich an dieser Stelle bewusst dazu entschieden.
00:38:18: Läuft die Musik eigentlich?
00:38:20: Ach so!
00:38:21: Okay.
00:38:22: Man
00:38:23: läuft immer irgendwie Musik
00:38:24: her.
00:38:25: Ich glaub', ich hab' mich einfach an der Stelle im Buch bewusster zu entschieden.
00:38:30: So... Jetzt nicht darauf einzugehen, aber nicht weil es nicht wichtig ist sondern weil ich mir einfach dachte.
00:38:36: Ich nehme jetzt einfach den Raum auf meine Art und Weise mich diesem Thema zu nähern Weil ich aber auch einfach weiß Es gibt Experten und Expertinnen da draußen die haben dazu jahrelang geforscht Und das ist ja auch einfach.
00:38:49: Das wohnt mich dann auch so wenn ich denn.
00:38:51: Deshalb kann man glaube ich auch dieses Ja die neunziger sind natürlich nichts zurück Aber es gibt einfach Phänomene Die man heute sieht die damals halt auch stattgefunden haben und die Erklärungen dafür wurden bereits damals schon gefunden.
00:39:06: Und ich glaube, also ich dachte mir irgendwie so naja jetzt ist hier auch mal genug erklärt eigentlich auf viele Erklärung sollte eigentlich politisches Handeln folgen und das wurde aber einfach versäumt und ich glaube da muss man dann muss ich jetzt nicht wieder.
00:39:21: da habe ich mich ja irgendwie nicht in der Situation oder irgendwie in der Position gesehen dass sich jetzt wieder erklären muss und irgendwelche Gründe herziehen muss, warum Leute einfach keine Ahnung so komische Meinungen vertreten.
00:39:40: Ich war dem ganzen Leid.
00:39:42: Dem
00:39:42: ganzen Leit ist vielleicht auch ein kleiner Sprung machen zum zeitlichen Sprung.
00:39:46: Du beschreibst ja noch Situationen in der Schule was du da für Erfahrungen machst.
00:39:51: aber Prinzip geht es am bestimmten Punkt in deinem Leben wo du dir Gedanken über die Zukunft machst Du dir eine Chance sich bietet.
00:39:59: Und da steht aber davor noch ein Sommer, also wo du überlegst wohin geht denn eigentlich mein Weg?
00:40:05: Also das Ding ist im Zuge dieser ganzen Erfahrungen die meine Eltern in den Neunzigern gemacht haben Aber auch aufgrund von einer gewissen Perspektivlosigkeit von der ganz viele Menschen betroffen waren und Armut großes Thema an Ebersweide war einfach ja so Jeder vierte Arbeitslos ist halt nicht normal.
00:40:28: Also das war einfach eine krasse Armut in der Stadt und meine Eltern haben da für unsere Familie keine Perspektive gesehen, also Armut inkombination mit Drohnen oder rechter Gewalt.
00:40:38: Es wurde bereits einen Freund umgebracht.
00:40:41: Wir müssen an einem Weg gehen und haben sich dazu entschieden nach Angola auszuwandern.
00:40:44: Und für mich war zu dem Zeitpunkt weil die Frage ging ich mit meinen Eltern mit nach Angolar ... in Namibia auf eine deutsche Schule gehen können, auch mit Internat etc.
00:41:00: Aber das Ding ist, es wurde im Jahr die Deutschen Handball-Weltmeister.
00:41:05: Und ich war zu dem Zeitpunkt zwölf und Handballer... ...und für mich war klar, ich werte Handball Weltmeister!
00:41:14: Deshalb wollte ich unbedingt auf die Sportschule nach Cottbus.
00:41:16: Du bist dann in Cottbus im Sportinternat?
00:41:19: Wie war das für dich zu wissen...?
00:41:20: Du kannst eigentlich nur bleiben, wenn du eine bestimmte sportliche Leistung bringst.
00:41:23: Ansonsten geht es wieder zurück nach Eberswalter.
00:41:26: Ich glaube ich habe mir einfach übelst lange eingeredet dass ich Handball-Weltmeister werde und das hat mich so ein bisschen den Druck genommen.
00:41:35: Einfach so ne Illusion aufrecht erhalten.
00:41:38: Nee!
00:41:38: Ich glaub man ist ja dann... Das ist ja auch das... Also anfangs war das glaube ich echt nicht so'n Ding?
00:41:46: Und ich glaube das dann auch vielleicht so ne kindliche Eine Aivität oder vielleicht auch so eine kindliche Superkraft, sich Dinge vorstellen zu können.
00:41:59: Oder ausmachen zu können wie es dann sein könnte wenn alles gut klappt und da ganz optimistisch zu sein.
00:42:06: Okay, wenn ich ehrlich bin... Ich habe schon noch ziemlich lange gedacht dass das noch klappt.
00:42:11: Irgendwann musste ich mir dann eingestehen.
00:42:13: Das reicht mich!
00:42:14: Aber du hast ja trotzdem Handball weiter gespielt.
00:42:20: Das Ding ist, ich würde schon manchmal so eine Medien zitiert als so ehemaliger Profihanpala.
00:42:26: Lass das bloß niemanden hören der jetzt in einer regionaligen Gegend mich spielt.
00:42:30: Der wird mich dafür so grillen.
00:42:34: Nee also das höchste was ich gespielt habe war Dritteliga und Ich würde schon sagen wenn man mehr als dreimal die Woche trainiert steckt ja dann gewisse Professionalität drin Und wir haben schon sechsmal die Woche Trainiert.
00:42:48: Ja, also das gab einen professionellen Anspruch.
00:42:51: Das ist ein Endergebnis!
00:42:53: Du spielst es heute auch noch manchmal?
00:42:54: Also hast du das Bedürfnis, manchmal noch Handball zu spielen oder...?
00:42:56: Ich spiele noch im Verein in Brandenburg in Grünheide.
00:42:59: Wir sind letztes Jahr leider abgestiegen aus der vierten und die fünfteliger.
00:43:05: Aber ich habe dreimal Training die Woche am Wochenende gespielt.
00:43:08: Das heißt, ich bin eigentlich immer die Woche... ...komme ich da mal aus meiner Berlin-Glocke raus
00:43:15: Du fährst dann immer dahin oder?
00:43:17: Ja, schon.
00:43:20: Manchmal frage ich mich auch ob das noch sein müsste, falls fast schon bestimmt Stunde zwanzig bis dahin ist mal aber ich glaube würde ich keinen Ampel machen, würde ich gar keinen Sport machen und es ist glaube ich die einzige Art und Weise dass ich nicht nur auf dem Sofa rum hänge.
00:43:36: Du beschreibst aber auch neben dem Spot da wie ihr sozusagen als junge Männer, als Jugendliche wir damit umgeht.
00:43:44: Und in der aktuellen Staffel von eurem Podcast sprichst du auch mit jemandem, der auf dem Internat war und dann sprecht ihr eben auch darüber wie ihr miteinander umgegangen seid.
00:43:55: Welche Worte ihr verwendet habt?
00:43:57: Ich habe das so gelesen es war halt einfach für euch verboten schwächer zu zeigen.
00:44:00: wer schwach war der wurde irgendwie dann rausgemobbt und wann für dich so der Moment gekommen ist vielleicht auch später am Leben oder gemerkt dass Es ist auch okay irgendwie da jetzt nicht immer auf den Tisch zu hauen.
00:44:13: Ja, ich glaube auch so diese Selbstreflexion hat mir mal auch erst den letzten zwei drei Jahren so richtig stattgefunden und vor allem war es diese Zeit mit einem gemacht hat.
00:44:20: Ich lass mich zu einer offensichtlichen Dummheit eigentlich überreden.
00:44:26: Einzig und allein aus dem Grund dass ich Angst davor habe das Mike Mich Pussi nennt.
00:44:30: also da sieht man ja wie Fragil da so des eigene Ego dann da irgendwie ist um was für eine Form von Männlichkeit man da irgendwie mitgegeben bekommen hatten.
00:44:40: Es war offen, in der Naht natürlich nicht besser.
00:44:42: also das war schon immer so dieses bloß keine Schwäche zeigen und ich glaub mann es zieht sich glaube ich nicht nur ist nicht nur auf den Sporter dann dazu.
00:44:51: Ich glaube das sind ganz häufig einfach so Dynamiken in Männergruppen.
00:44:57: Keine Ahnung das Wort Pussy oder ja Pussy als so negative Beleidigung für einen ... als negative Beleidigung gesehen wird, damit man ... ... ja was halt einfach ... ... ist letzt relativ ... ... lässt es schon ziemlich tief blicken.
00:45:15: Und ... ... ich glaube das war so ein ganz seltsamer ... ... Umgang und wir haben uns alle gegenseitig... ... und ich glaub' ... Ja was ich da meine ist so ... Ich glaube bis heute teilweise diese Dynamiken in so Männergruppen,... ... dass man sich so gegenseitung irgendwie so ein Bild von ... einer gewissen Männlichkeit vorgaukelt und niemand will sich eigentlich eingestehen, dass er an diesem hochstilisierten kaputten Bild von Männigkeit eigentlich zerbricht.
00:45:43: Und da muss ich ja nur so schauen in der Popkultur wenn ich jetzt schaue was waren die Leute zu denen ich aufgeschaut habe, die es damals in zweitausend in der popkultur gab der hat neun Kugeln gefangen.
00:45:57: Ich dachte, ich muss neuen Kugel fangen um so ein krasser Typ zu
00:46:00: sein.".
00:46:01: Der ist ja völlig.
00:46:02: oder dass da alle super aufgepumpt und muskulös waren.
00:46:06: Und ich glaube das sind teilweise so überzeichnete Bilder von Männlichkeit an dem man als Jungermann einfach zerbrechen kann und sich das aber nicht eingestehen zu können führt dann halt einfach zu toxischen Ja, gar so kaputten Verhaltensweisen.
00:46:25: Dass man anfängt wenn man merkt ich komme diese werde diesen Bild selbst nicht gerecht.
00:46:30: Ich muss dafür jetzt andere Menschen irgendwie So ich muss über andere menschen stehen damit ich mich irgendwie in meiner rolle definiert.
00:46:39: sie und ich glaube das war auf jeden fall was was mich so in meiner Jugend am sporten hat auf jeden Fall begleitet hat Wie auch gerade schon gesagt hast ja dann auch ein podcast habe ich da mit einem kumpel drüber gesprochen der sich nach dem Abi dazu entschieden hat, zur Bundeswehr zu gehen.
00:46:58: Und da ist ja auch noch mal so ein gewisses ... Das ist ja heutzutage auch wieder Thema in Zeiten von so Militarisierungaufrüstung hier junge Menschen werden wieder zum Militär gedrängt oder die Bundeswehr macht Werbekampagnen auf Schulhöfen.
00:47:14: Auf einmal wird wieder doch so einen gewissen Bild von Männlichkeit eingefordert aber auf politischer Ebene.
00:47:22: und Ja uns ist da einfach, es wäre gelogen wenn ich sagen würde ja ich weiß das schon seit zehn Jahren und bin seit zehn jahren Da am aufarbeiten.
00:47:34: Das war auch so ein bisschen diese diese Erkenntnis aus dem podcast heraus er auch.
00:47:39: Ich brauche mich jetzt hier nicht hinstellen und sagen so ah ich bin jetzt hier der Super progressive macker und unfielbar weil Eigentlich sollte man es dann so denken.
00:47:50: Ich sollte dankbar dafür sein, wenn jetzt nächste Woche jemand auf mich zukommt und sagt, Pablo hast du schon ein bisschen Blödsinn erzählt?
00:47:58: Versuch das mal beim nächsten Mal besser zu machen und nicht daran zu zerbrechen gleich in eine Abwehrhaltung zu gehen sondern weiß ich die Kunst besteht darin so eine gewisse Lernbereitschaft zu haben und auch den Anspruch zu haben an sich arbeiten zu wollen.
00:48:20: Wenn Du heute auf Popkultur schaust hast Du das Gefühl dass ich da bei Möglichkeiten anbieten auf vielleicht für junge Männer da vielleicht andere Vorbilder oder andere Perspektiven aufgezeigt zu kommen?
00:48:35: Ja, aber ich glaube schon.
00:48:38: Aber das Ding ist was wir damals nicht hatten war halt so eine völlig wahnsinnige Algorithmen wo sich jeder seine Babel rein bohren kann und dann nicht mehr rauskommt.
00:48:52: Ich glaube, total viele junge Männer sind davon betroffen.
00:48:54: Die gucken sich irgendwie zweimal irgendwelche Handevideos an und sind dann auf einmal bei irgendwelchen... ...Männlichkeitsinfluencern die irgendwie auf einmal über Schwangerschaftsabbrüche labern.
00:49:05: Und dann wundert man sich als Fünfziger her!
00:49:07: Wie wiegt denn hier gelandet?
00:49:09: Dann guckt man sich das nächste Video an und da wird man auch so ein bisschen reingesogen.
00:49:13: Und ich glaube klar es gibt heute schon gerade in der Popkultur schon andere Angebote glaube ich, so andere Identitäten sind sichtbare geworden.
00:49:23: Das ist noch gar nicht die Lösung weil... Ich glaube man muss sich nicht vormachen und glauben, ah ja wer jetzt hier wir andere Vorbilder haben werden jetzt auf einmal alle Probleme gelöst und wir haben kein Problem mehr mit Männlichkeit.
00:49:40: Man muss auch anerkennen dass es irgendwie systematisch bedingt ist.
00:49:45: also wenn ich nicht sehe das beispielsweise Millionen Frauen, Milliarden von unbezahlter Kehrarbeit in diesem Land seit Jahrzehnten leisten.
00:49:55: Wenn ich das nicht anerkennen kann, dann hab' ich da einen blinden Fleck.
00:50:00: also man muss denn auch irgendwie anerkenn', dass dieses System ja auch irgendwie davon profitiert, dass es eine gewisse Ordnung vor Geschlechtern gibt.
00:50:08: und ich glaube... Ja, man kann natürlich irgendwie so Handlungsweise umgeben und sagen, ja junge Männer müssen jetzt hier mal miteinander reden oder nicht einmal zur Therapie gehen ist richtig.
00:50:17: aber das ist halt ... die einzige Lösung, weil das ist auch so eine Individualisierung von Problemlösungen.
00:50:23: Das genauso wie wenn man jetzt sagt... Ja, zahle den CO²-Ausgleich, wenn du halt fliegst vom London nach Berlin.
00:50:30: Das ist so ein Tropfen aus, es fühlt sich so ein bisschen an, wie so einen Brand mit einer Gießkarte löschen.
00:50:38: Das Internet war ja in Cottbus gewesen und Cottbus ist ja auch ein spezieller Ort Energie mit einem speziellen Fan-Szenar.
00:50:45: Und wart ihr da viel unterwegs in der Stadt, wart ihr einfach durch den Sport eher an dem bestimmten Ort dann gebunden?
00:50:52: Na ja wir hatten so unser Sportfu... Ich muss meine Erkaußchen sauber haben.
00:50:58: Wir waren so durch ein Sport schon so am Sportszentrum gebunden.
00:51:03: Da war das Internat, da war ein Ärztezentrum, da die Schule, da waren unsere Sportheilen und so einen Leichtathletikpark mit zur Laufbahn und so.
00:51:12: Und da haben wir schon den Großteil unserer Zeit verbracht Und ansonsten hatten wir am Wochenende mal hier und da irgendwie ... keine Ahnung, wenn wir ein bisschen freizutaten können.
00:51:22: Wenn wir uns die Stadt bewegen.
00:51:24: Da gab es natürlich auch Ecken, wo man schon so wusste... Da geht lieber nicht.
00:51:28: Energie spielt heute?
00:51:29: Ich gehe vielleicht nicht am Stahlion vorbei!
00:51:32: Also weil man einfach wusstet, dass Energiekorpus recht extreme Hooligan-Gruppierungen hatte.
00:51:37: So, ich kann mich noch daran erinnern Das war das allererste Fußballspiel, bei dem ich zugucken war.
00:51:43: Das war Energie-Copbus gegen den VfL Wolfsburg und da ist in derselben Song des Wolfsbrucks meister geworden.
00:51:51: Es war so eine Zauberersung von den Wolfsbogern.
00:51:54: jeweils war es mein allererstes Fußballspielen.
00:51:56: wir standen im Familienblock.
00:51:57: Wir haben die Karten über die Schule bekommen.
00:51:59: Ich war damit fünf anderen Freunden Und meine Freunde wurden im Familien Block vom Copbus-Fans rassistisch beleidigt.
00:52:07: Wir waren im Familienblog.
00:52:08: Da habe ich gemerkt, irgendwie ist das nicht der Ort, wo ich mich so richtig wohlfühle.
00:52:14: und dann gab es natürlich auch noch andere Ecken.
00:52:16: Man achtet schon darauf, muss sich abends am Bahnhof durch die Unterführung laufen?
00:52:23: Muss ich in diese Straße reingehen?
00:52:25: Es ist schon ein permanentes Scan.
00:52:28: um die Ecke gucken und schauen was tragen die Leute für Sachen.
00:52:35: Coats, also schon damals haben die einfach so einschlägige Szenemarken getragen wie Tor Steiner und Label XXIII und so halt so richtige Nazi-Marken.
00:52:44: Und daran hat man ja jetzt schon erkannt.
00:52:46: Da haben wir es schon darauf geachtet.
00:52:49: Es gibt da eine Szene, in der du in deinem Kapitel über Cottbus beschreibst wo das alles zusammenkommt?
00:52:56: Da wir als Sportschüler kaum Freunde außerhalb unserer Schule haben, die sich etwas besser mit den guten Ordnen in Cottbus auskennen fahren wir etwas planlos durch die Stadt.
00:53:05: Die Straßen sind wie leer gefegt.
00:53:07: Solche Wochenenden gibt es auch!
00:53:09: In der Nähe des Bahnhof sehen wir zwei Mädels in unserem Alter, die den Eindruck machen als würden sie wissen wo in der Stadt noch etwas los ist.
00:53:17: Sie halten den unverkennbaren Likör saure Apfel in der Hand und rauchen.
00:53:23: Wir stoppen am Straßenrand lassen das Fenster runter und sprechen die Mädels aus dem Auto heraus an.
00:53:28: Erschuldigung wirst ihr beiden zufällig?
00:53:29: Woher denn noch was
00:53:30: geht?!
00:53:31: Die beiden tuschen kurz miteinander so leise dass wir sie nicht verstehen können.
00:53:35: Eines der beiden Mädels nimmt einen Zug von seiner Kippe?
00:53:39: Ich gehe mal kurz rein, mein Bruder fragen.
00:53:41: Geilo!
00:53:41: Danke!
00:53:42: ruft Nico rüber.
00:53:44: Während das Mädel in einem Wohnhaus verschwindet warten wir im engen Mini.
00:53:48: Mittlerweile ist es Stockfinster.
00:53:50: Nach nur wenigen Minuten kommt das Mädell wieder raus.
00:53:53: durch die beschlagene Windschutzscheibe sehe ich aber auch dass ihm zwei groß gewachsende Gestalten folgen.
00:53:59: sie laufen schmursch strax auf unsere Mini zu.
00:54:02: einer der Beiden hält hinter seinem Rücken ein Baseball Schläger.
00:54:05: Einem Baseballschläger, nicht als solchen zu erkennen ist unmöglich.
00:54:10: Ich bin mir sicher das es einer ist.
00:54:12: Hinzu kommen die unverkennbaren Silhouetten der beiden gestalten Eierköpfige und Bomberjacken tragende Glatzen.
00:54:19: F ist siehst du das?
00:54:20: Sag ich.
00:54:21: Nico macht das Fenster hoch, macht das fenster hoch!
00:54:23: Mach sofort das Fenste hoch!
00:54:24: schreit.
00:54:24: F ist noch bevor die Typen unser Auto erreichen.
00:54:27: Sie treten an die Karriere ran.
00:54:29: Einer streichelt mit der Spitze seines Baseball-Schlägers die Motorhaube des Minis und stellt sich demonstrativ vor den Wagen, sodass Nico nicht wegfahren kann.
00:54:37: Dann fordern sie uns im Ton ganz gelassen auf auszusteigen.
00:54:41: Hey Jungs, komm mal raus aus dem Auto!
00:54:43: Wir wollen nur mit euch
00:54:43: reden!".
00:54:45: Es fühlt sich wie in einer dieser Horror-Filmsituation an, in denen man mit weit aufgerissenen Augen und Mund drauf und dran ist Zeuge eine unfassbar fatalne und naiven Dummheit des Protagonisten zu werden.
00:54:57: Sprachlos sitzen Effes, Schmitti und ich auf der Rückbank und können nicht fassen was sich da am Fahrer-Fenster für eine Szene abspielt.
00:55:05: Versprichst du, dass wenn ich jetzt die Tür aufmache und nichts tust?
00:55:08: fragt Nico völlig verängstigt.
00:55:10: Man muss an dieser Stelle festhalten – sehr wahrscheinlich war Nico bis dahin noch nie an einen Neonazi geraten!
00:55:16: Und sicherlich stresste ihn die Situation umso mehr als er die Verantwortung für den Mini seiner Mutter hatte und erst frisch im Besitz eines Führerscheins war… aber das änderte nicht.
00:55:25: Es waren der reinste Horrorfilm.
00:55:27: Nico, ich schwöre bei Gott.
00:55:28: Ich bring dich in meinen eigenen Händen um noch bevor du die Tür aufs machst.
00:55:31: lasst sich nicht von dem belabern.
00:55:32: Die kloppen uns windeweich beschreihe ich und packe Niko von hinten kräftig an die Schulter.
00:55:37: FS und Schmidtie schrei Niko ebenfalls an.
00:55:40: Junge gib jetzt endlich Vollgas!
00:55:42: Und genau das tat Niko.
00:55:44: Er drückt aus Gas der Fahrstuhl springt zur Seite und wir fahren davon.
00:55:48: Adrenalin schieß durch unsere Körper und indem nach Angstschweiß- und One Million bei Paco Raban stinkenden Fahrzeug brechen Erleichterung und Freude aus Während wir davon fahren, kobit Schmidti das Fenster runter und schreit mit seinem unverwechselbaren Dresdner Dialekt.
00:56:03: Macht's gut ihr Drecksfasches!
00:56:06: Aber wir kommen nicht weit.
00:56:08: Ey Jungs scheiße, wir sind in ne Sackgasse gefahren.
00:56:11: Sagt Nico und nimmt den Fuß vom Gaspedal.
00:56:13: Elvis packt Schmidti der sich noch immer ganz übereifrig aus dem Fenster lehnt am Hosenbund uns.
00:56:18: er hat ihn wieder an den Mini hinein.
00:56:20: Junge bist du komplett hingeblieben?
00:56:21: jetzt gibt es richtig Stress.
00:56:23: Panisch schaue ich mich um Und das Einzige, worüber ich nachdenken kann sind die Szenarien, die womöglich als Nächstes folgen.
00:56:30: Aus verkehrsrechtlicher Sicht befinden wir uns in einer Sackgasse.
00:56:33: doch nur weil hier die Fahrbahn endet heißt es nicht dass wir auch tatsächlich in der Sack Gasse stecken.
00:56:38: Die Drecksfaschus um Schmitti nochmal zu zitieren rennen auf und zu und bei uns im Auto kocht die Panik hoch.
00:56:45: Nico das ist keine SackGasse.
00:56:46: fahr einfach über den Scheiß Bordstein Junge ich kann nicht über dem Bordstern fahren.
00:56:50: davon geht das Auto kaputt.
00:56:51: Plötzlich schreien alle gleichzeitig auf Nico ein.
00:56:54: Junge, fahr!
00:56:54: Gib
00:56:55: Gas!".
00:56:56: Nico fährt über den Bordstein und wir entkommen aus der Situation gerade rechtzeitig.
00:57:00: Nico tut mir in dem Moment leid weil er wahrscheinlich komplett überfordert ist aber ich weiß auch nicht wie ich mit der Situation umzugehen habe.
00:57:07: Ich weiß nur dass ich vermutlich der erste gewesen wäre denen sie aus Takare gezogen hätten.
00:57:13: Ich bin mir nicht sicher ob die beiden Frasches gesehen haben das Entschwarzer mit dem Auto saß.
00:57:17: oder Hatte das Mädel vielleicht einfach nur mich gesehen und deshalb die beiden Typen geholt?
00:57:21: Ich frag' mich, dass bis heute.
00:57:24: Keine Ahnung mehr was uns während der Rückfahrt ins Internat durch den Kopf ging.
00:57:27: Wahrscheinlich haben wir aus lauter Feigheit davor uns die eigene Machtlosigkeit einzugestehen direkt damit angefangen unangebrachte und verharmlose Witze über die Situation zu machen Und sind damit einen unausgesprochenen Pakt miteinander eingegangen nie wieder darüber zu reden.
00:57:44: Zu dieser Zeit macht ihr mir der Film American History X unglaubliche Angst Gefühlt.
00:57:48: jeder Jungen in unserem Alter kannte diese wirklich nur schwer zu ertragende Tötungsszene, in der ein Neonazi sein Opfer dazu zwingt in den Bordstein zu beißen und ihm dann von hinten mit beiden Füßen in die Nackenspringt.
00:58:01: Im Jahr zwei tausend zwei war es im brandenburgischen Postel zu einem ähnlichen Vorfall gekommen.
00:58:06: Drei Neonazis mishandeten den sechzehnjährigen Marino Schöbal über mehrere Stunden zwang ihnen einen Schweinedruck zu beißen ehe einer der Pfarschuß dem Jung von hinten in den Nackentrat.
00:58:16: Die Leiche wurde erst vier Monate später in einer Jauchegruppe entdeckt.
00:58:19: Die Fahrschuss hatten sich die Szene aus American History X zum Vorbild genommen, meine größte Angst bestand darin auf dieselbe fürchterliche Art und Weise am Morde zu werden.
00:58:30: Das waren die Gedanken eines Kindes das nach völlig unter Schock stand Und es waren keineswegs abwegige Gedanken nach Rostock-Lichtenhagen Solingen, Möhlen, Ebersweide, Guben oder Potslo Ereignisse, die man lange Zeit für unmöglich gehalten hatte.
00:58:48: Bis sie dann halt eines Tages möglich gemacht wurden.
00:59:00: Das von Ihrer Seite aus Fragen, die Sie Papplum und Lemberg gerne stellen möchten?
00:59:06: Wie geht es Ihnen nach dem nächsten Sonntagabend?
00:59:10: Also ich sag mal so... Nach Sonntage werde auf keinen Fall überrascht sein.
00:59:16: Weil ich finde das auch ein bisschen heuchlerisch wenn jetzt auf einmal diese mediale Entsetztheit über Drohne-Wahrergebnisse ansteht, als ob manche Entwicklungen einfach nicht absehbar waren.
00:59:31: Über die letzten Jahrzehnte in Anbetracht vieler Versäumnisse wie es mir gehen wird Ich werde das wahrscheinlich resignieren zu Kenntnis nehmen und überlegen was wir machen können.
00:59:45: Das ist auch immer so ein bisschen schwierig weil ich wohle in Berlin und würde auch... finde ich einfach seltsam oder auch merkwürdig, denn so aus einer Berlin-Perspektive heraus dann irgendwie auf ostdeutsche Bundesländerinnen zu schauen und zu sagen ah ja hier die Wahregebnisse.
01:00:01: Das Ding ist das ja halt einfach eine Realität mit der es irgendwie umzugehen gilt.
01:00:06: also man muss jetzt einfach mit dieser Realität einen Umgang finden.
01:00:11: was mich viel mehr besorgt ist glaube ich eigentlich... Also das treibt mich tatsächlich um.
01:00:18: wie geht es eben genau?
01:00:19: Menschen in Vizierrechtsradikaler schon seit Jahren sind.
01:00:25: Wie wird es denen gehen, wenn die jetzt auch noch einen parlamentarischen Arm haben, die gegebenenfalls sogar den Ministerpräsidenten stellen?
01:00:34: Darüber mache ich mir ernsthafte
01:00:35: Sorgen.".
01:00:36: Sie haben von ihrem Freund Effes erzählt – Es gibt im Cottbus am Ende der Spremme ein Dönerladennahms-Effes.
01:00:44: wurde der zufällig von ihrem Freunden gegründet.
01:00:52: Ich finde ich ja cool.
01:00:56: Der Dönerlangen F ist bekannt, das beste Dönen am Kopfbus.
01:00:59: Nee der wurde nicht von ihm gegründet weil den Döenerlangen gibt es ja echt schon Sebastian, die gibt's seit Jahrzehnten und F ist ein Jahr älter als ich.
01:01:06: Er heißt eigentlich... Also er ist eigentlich ernst Und nicht F ist Ernst Eva Und wo aus Ernst Efer wurde?
01:01:16: F ist für er.
01:01:16: jedes mal nachdem wir aus ... waren und irgendwie in einem Club waren oder in einer Bar waren wir immer so, lass mal noch einen Döner holen.
01:01:23: Und dann saßen wir dann irgendwie zwei Uhr nachts im Kopfbus in der Altstadt... ...und haben bis doch nur unsere Döners reingebissen.
01:01:31: Deshalb heißt er F.I.S Ja ich habe noch eine Frage.
01:01:35: Ich wohne in Eberswalde?
01:01:36: Wo ist denn diese Gedenktafel an Eberswaldes?
01:01:41: Die ist, oh ich weiß nicht wie die Bushalte Stellnummer heißt aber die ist quasi dort Dort, wo sich der Achthundertsechziger und Achthnundzechzig-Iger trennen.
01:01:51: Der eine fährt... Nein!
01:01:53: Ich weiß echt nicht!
01:01:56: Wenn du Richtung Fino fährst?
01:01:59: Der Einhundertsächzige fährt geradeaus, der Zweihntsechzig nach links?
01:02:05: Auf jeden Fall neben so einem... ich glaube da ist ein Grieche Und direkt neben den Griechen ist noch ein Pitstop und genau dazwischen hängt die Gedenktafel gegenüber, wo da stand früher die chemische Papierfabrik und dort hängt jetzt die Gedenktafel.
01:02:22: Ja meine Frage ist so hast du so Strategien um mit Alltagsrastismus umzugehen?
01:02:28: oder wie schaffst du es so stark zu bleiben?
01:02:30: weil das ja auch schon sehr retraumatisieren dass über solche Erlebnisse zu sprechen?
01:02:38: Ach ich glaube weiß nicht.
01:02:43: Nee manchmal sind sie also ich glaube ... will ich auch nicht, es wird das wert.
01:02:51: Ich glaube er als Kind und als Teenager habe ich auf jeden Fall noch mehr so Eiltrags-Rassismus erlebt.
01:02:56: Ich bin seitdem auch seit dem zwanzig Zentimeter gewachsen.
01:03:01: Seitdem hat mich jetzt auch nicht irgendwie auf der Straße mal blöd angemacht.
01:03:04: Und wenn das passieren würde, würde es mir jetzt nicht so Angst machen... ...und ich glaube, dass ist eine recht privilegierte Position irgendwie,... was aber auch dazu zählt.
01:03:18: Ich wohne ja genau aus diesem Grund, weil ich weiß wie zärmt es ist, sich jedes Mal wieder dem so auszusetzen und das war einer der Gründe, warum ich jetzt auch in Berlin lebe.
01:03:33: Und natürlich kommt es noch ab und zu mal vor – ich meinte noch, dass ich noch in einem Brandenburger Handballverein spiele.
01:03:38: Das heißt wir spielen noch gegen andere brandenburgische Teams!
01:03:42: Da ist hier und da schon einmal der eine Satz gefallen Und dann wird er zurückgepöbelt und nicht, also ich pöbe dann dann einfach meistens zurück.
01:03:49: Manchmal gibt es ja auch noch diesen... Ich nenn's harmlosen Rassismus.
01:03:57: Wenn ich so, ich bin letztendlich in die Bahn gestiegen und ich glaube aus einem naiven Interesse heraus ist das gar nicht so verwerflich.
01:04:05: aber ich habe relativ schnell gemerkt dass da kein naives Interesse war.
01:04:08: Da hab mich ein ältere her gefragt wo ich komme und da meinte ich Berlin und meine so ne ne also Woher kommst du richtig?
01:04:16: Eberswalde.
01:04:18: Und dann habe ich gemerkt, dass ihnen das nicht gefallen... Also ich habe richtig gemerkt der wurde sauer!
01:04:23: Ich hab gemerkt also, dass er einfach wütend wurde und dann habe ja gesagt ey, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, machen Sie es gut.
01:04:30: Vielleicht weiß ich nicht.
01:04:34: Das ist... Weiß nicht.
01:04:36: Ich glaube, ich könnte gar nicht jetzt irgendwie jemandem sagen hier, das ist die richtige Art und Weise mit Alltagsrassismus umzugehen weil es halt eben für alle Leute unterschiedlich schmerzhaft ist Und ich glaube, jede Person hat ja vielleicht auch unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
01:04:52: Vielen herzlichen Dank für Ihre Fragen!
01:04:54: Auch fürs hier sein und zuhören... ...und vor allen Dingen dir lieber Don Pablo, ganz herzlichem Dank fürs hier seien für das freie Reden und das Lesen und du hast gar nicht dein Bier getrunken aber da ist jetzt noch eine größere Zeit.
01:05:07: Vielen Dank!
01:05:26: Ich möchte mich auch nochmal ganz herzlich bei allen Leuten bedanken die heute gekommen sind und irgendwie auch Interesse fürs Buch zeigen.
01:05:38: Nee, weil das Ding ist... ich weiß nicht wie glaubhaft es ist.
01:05:44: Aber das ist schon krass!
01:05:45: Gerade wenn man lange denkt, der interessiert eh niemanden dann zu sehen, ah krass, das interessiert doch viele.
01:05:54: und deshalb würde mir wünschen dass gerade so im Anschluss dieses Buch noch mehr unterschiedliche diverse Ostdeutsche Identitäten irgendwie zu Sprache kommen, dann ... meine Erfahrungen die ich da gemacht habe auch gerade so mit Bezug auf Rechtsextremismus etc.
01:06:19: Das bin aber nicht ich das sind Erfahrungen nicht gemacht habe die machen mich als Person aber nicht aus.
01:06:24: Meine ostdeutsch identität geht darüber hinaus und ist viel vielfältiger Und ich glaube auch grade für wenn man in der Öffentlichkeit über den Osten spricht ist es umso wichtiger, diverse Stimmen zur Sprache zu bringen.
01:06:39: Denn der... ...er ist halt nicht einseitig und hat verschiedene Perspektiven, verschiedene Erfahrungen.
01:06:45: deshalb würde ich mir wünschen dass ganz viele weiß ich nicht vielleicht inspiriert dieses Buch Leute irgendwie dazu auch irgendwie mal über die eigene Familiengeschichte nachzudenken darüber zu schreiben oder überhaupt einfach mal anfangen drüber zu sprechen.
01:07:00: Danke das ihr hierher kommen seid.
01:07:01: Und noch eine Sache wegen Buchsignier.
01:07:04: Ich habe gestern damit angefangen, das war so eine Idee.
01:07:07: ich hab mein eigenes Lesexemplar mal dabei also nicht auf Saib es ist ein richtiges Fischesbuch und hat mir dann gedacht ey das wäre voll cool während ich ein Buch signiere dass die Person für dich das buch signiere auch meinen Buch signiert.
01:07:22: und ich habe gestriner mit angefangen und da sind voll schöne Sachen zusammengekommen.
01:07:27: deshalb wer Bock drauf hat da was einzuschreiben will mich freuen.
01:07:49: Eine Sendung der literarischen Gesellschaft Thüringen.